So bereiten Sie sich jetzt auf die Pollensaison vor

So bereiten Sie sich jetzt auf die Pollensaison vor: Mädchen steht nießend in einer Wiese.
Wer jetzt mit einer vorbeugender Therapie beginnt, kann im Frühjahr mit geminderten Symptomen der Allergie rechnen. (coldwaterman - Fotolia.com)
Wenn Sie im Frühjahr unter einer Pollenallergie leiden, sollten Sie nicht abwarten, bis die Beschwerden beginnen. Jetzt ist die beste Zeit für eine vorbeugende Allergie-Therapie.

Bei der spezifischen Immuntherapie, auch Allergen-Immuntherapie genannt, wird auf die Allergie-Ursache eingewirkt. Die Stoffe, welche die Allergie auslösen, werden dem Körper in kleinen Mengen verabreicht, bis er sich daran gewöhnt, also "desensibilisiert" wird. Die spezifische Immuntherapie wird deshalb auch als Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung bezeichnet. Die Behandlung von saisonalen Allergien sollte idealerweise 4 Monate vor dem Pollenflug beginnen. Der richtige Zeitpunkt der Hyposensibilisierung kann die Therapie begünstigen und zur schnelleren Verbesserung der Symptome beitragen. Besonders Menschen mit sehr heftiger allergischer Reaktion können von einer Hyposensibilisierung profitieren.

Für wen ist eine Hyposensibilisierung geeignet?

Prinzipiell kann für jeden Allergiker eine spezifische Immuntherapie sinnvoll sein. Da es sich jedoch um eine längerfristige Therapie mit einem vergleichsweise hohen Zeitaufwand handelt, muss ein Für und Wider abgewogen werden. Eine Hyposensibilisierung empfiehlt sich besonders bei folgenden Fällen:

  • Starke Allergie-Symptome: Niesen, Schnupfen, verstopfte Nase, brennende Augen, Asthma und Atembeschwerden können den Alltag und den Gesundheitszustand beeinträchtigen. Manche Allergiker können sogar ihr Haus mehrere Wochen kaum verlassen, die ständige Verwendung von Antihistamin-Tabletten ist nötig, oder es besteht eine starke Einschränkungen in Arbeit und Freizeit durch Allergie(n).
  • Atopisches Ekzem (Neurodermitis): Verschlimmert sich die Neurodermitis (oft juckender, geröteter Hautausschlag) in der Pollensaison deutlich, ist mit einer Hyposensibilisierung weniger symptomatische Therapie nötig.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Hyposensibilisierung?

Pro Hyposensibilisierung werden in der Regel bis zu 2 Allergien gleichzeitig behandelt. Deshalb sollte bei mehreren Allergien jene (zuerst) therapiert werden, die die stärksten Symptome oder den längsten Belastungszeitraum mit sich bringt. Ein vom Betroffenen geführter Allergiekalender kann bei der Entscheidung unterstützen. Ist der Blut-Test und das Auftreten der Symptome (Allergiekallender!) bezüglich der Allergie-Auslöser eindeutig, sind keine weiteren Untersuchungen notwendig.

Wann der beste Zeitpunkt für einen Therapie-Start ist, zeigt diese Tabelle:

ALLERGEN

Beginn der Belastung

Desensibilisierungsstart

Blüten, Bäume (z.B. Birke)

Februar, März

Oktober, November

Gräser

Mai

Jänner

Hausstaub, Tiere, Schimmel

ganzjährig

ganzjährig

Wie sieht ein Hyposensibilisierung-Plan aus?

Die klassische Hyposensibilisierung erfolgt in Spritzenform über einen Zeitraum von 3 Jahren. Es gibt 2 Formen der Behandlung. Üblicherweise wird die Hyposensibilisierung mit einer Spritze verabreicht. Eine Flüssigkeit wird in den Oberarm unter die Haut gespritzt, ähnlich wie bei Insulinspritzen bei Diabetikern. Diese Spritze wird anfangs wöchentlich, dann monatlich verabreicht.

Eine neue Behandlungsform stellt die sogenannte SLIT (Sublinguale Immuntherapie) dar. Hierbei wird die Flüssigkeit für etwa 30 Sekunden unter der Zunge behalten. Man spart sich somit die Spritze und wöchentliche bzw. monatliche Arztbesuche. Allerdings muss diese Therapie täglich und konsequent für 3 Jahre durchgeführt werden. Die Behandlung bei Pollen-Allergien kann mittlerweile auf 3-mal 7 Monate im Jahr reduziert werden: 4 Monate vor dem Belastungszeitraum, und 3 Monate während der Pollensaison. Bei der Birkenallergie ist somit November der richtige Monat zum Start der Behandlung. Ganzjährige Allergene wie Hausstaubmilben sollten hingegen durchgehend behandelt werden.

Die Abklärung erfolgt in einem spezialisierten Allergiezentrum oder bei Hautärzten. Nebenwirkungen wie Juckreiz, Schwellungen, Überwärmung und Kreislaufprobleme sollten vor allem anfangs fachgerecht beobachtet und betreut werden. Deshalb ist ein 30 bis 60 minütiger Aufenthalt nach der Therapie in der Praxis empfehlenswert. Um die erste Behandlung zu erleichtern, sollten Sie gesund und nüchtern sein (kein Fieber, kein Alkohol, kein Unwohlsein, etc.).

Welcher Erfolg ist realistisch?

Das Ergebnis der Hyposensibilisierung hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab und kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen.

Faktoren, die das Ergebnis u.a. beeinflussen, sind:

  • Konsequenz in der Therapie-Durchführung
  • Stärke der Allergie
  • Anzahl der Allergene

Möglich ist eine deutliche Verbesserung oder sogar ein Verschwinden der Symptomatik. Selbst wenn die Allergie sehr stark war und der Betroffene danach nicht völlig beschwerdefrei ist, sind häufig weniger Antihistamin-Tabletten in der Allergiesaison nötig. Es wird angenommen, dass dieser Therapie-Erfolg bis zu 10 oder sogar 15 Jahren anhält. Eine genauere Aussage kann derzeit mangels Beobachtungszeitraum nicht gemacht werden.

Können Kinder behandelt werden?

Bei Kindern ist eine Behandlung derzeit ab dem 5. Lebensjahr zugelassen. Wenn Kinder (oder Erwachsene) Angst vor Spritzen haben, kann auf eine Hyposensibilisierung mit Tabletten oder Tropfen ausgewichen werden. Dann ist es aber unbedingt notwendig, dass die Eltern auf eine konsequente Einnahme der Medikamente achten. Diese müssen täglich unter die Zunge gelegt bzw. getropft werden und dort wirken.

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Ichiro Okamoto

Hautarzt

www.hautarztokamoto.at

Gesundheitskompass

Quellen

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