Pollen sind schon im Anflug

Pollen sind schon im Anflug: Person mit Pollenallergie putzt sich die Nase
Die Pollensaison startet heuer schon im Februar statt im März. (DoraZett - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Pollenallergie
Mit gesund.at hat Uwe Berger MBA, Leiter der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation der Medizinischen Universität Wien, über die aktuelle Pollenbelastung gesprochen.

Für Pollenallergiker die auf Hasel oder Erle reagieren, hat die Pollensaison heuer schon begonnen, aufgrund des milden Winters je nach Region um 2 bis 3 Wochen früher als üblich. Atmen - nichts ist für uns selbstverständlicher. Wir atmen allerdings nicht nur Luft ein, sondern auch kleinste Partikel die darin enthalten sind. Dazu zählen auch Pollen. An und für sich ist das kein Problem, es sei denn man leidet unter Heuschnupfen, denn dann nimmt das Immunsystem die eingeatmeten Pollen als etwas Bedrohliches wahr und kämpft dagegen an.

gesund.at: Welche Pollen sind derzeit aktiv?

Uwe Berger: Derzeit aktiv sind die Frühblüher, also Erle und Hasel. Während die Belastung durch die Hasel in Tieflagen schon wieder am Abklingen ist, sind bei der Erle in den nächsten Wochen noch mäßige bis starke Belastungen zu erwarten. In den höher gelegenen Regionen Österreichs sind in den kommenden Wochen noch höhere Belastungen zu erwarten. Der milde Winter und der damit verbundene frühere Pollenflug sind allerdings kein Jahrhundertereignis, es gab bereits Jahre in denen es zu ähnlichen Situationen gekommen ist.

gesund.at: An welchen Orten ist die Belastung derzeit besonders hoch?

Uwe Berger: An sonnigen Hanglagen, in der Nähe von Fließgewässern und Waldrändern, also überall dort, wo derzeit Hasel und Erle blühen. Im alpinen Bereich ist sie aufgrund der tieferen Temperaturen derzeit noch niedriger.

gesund.at: Gibt es in Österreich Regionen in denen die Pollenbelastung generell höher ist? Gibt es Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen?

Uwe Berger: Grundsätzlich ist das vom Allergen abhängig. Die Anzahl der Pollen ist dafür aber nicht so ausschlaggebend, entscheidend ist die zusätzliche Schadstoffbelastung. Sie kann die Allergenität verstärken, allergische Reaktionen können dadurch heftiger ausfallen.

gesund.at: Soll man als Allergiker Aufenthalte im Freien zu bestimmten Tageszeiten vermeiden?

Uwe Berger: Aussagen wie 'am Land sollte man als Pollenallergiker eher in der Früh raus gehen und in der Stadt eher am Abend' sind Humbug. Die Pollenbelastung ist abhängig von der Tagessituation und von der Windstärke. Pollen können mit dem Wind sehr weite Strecken zurücklegen. So kann es z.B. auch spät nachts zu hohen Pollenbelastungen kommen. Der Pollenwarndienst der Universität Wien erstellt Tagesverlaufsprognosen für fast ganz Österreich, wo sich Pollenallergiker über die aktuelle Belastung informieren können.

gesund.at: Müssen Pollenallergiker bei der Urlaubsplanung etwas beachten?

Uwe Berger: Wichtig ist zu wissen auf welche Allergene man reagiert, das kann man mittels einer umfassenden Allergiediagnostik feststellen dazu gehören z.B. Prick-Test oder RAST. Auf der Website des Pollenwarndienstes kann man sich dann über die Pollenbelastung in ganz Europa informieren. Als Birkenallergiker z.B. Mitte Mai nach Finnland zu fahren wäre fast Wahnsinn, dem Reisenden wäre es eher zu raten im Juni in einer mediterranen Region Urlaub zu machen.

Wie macht sich eine Pollenallergie bemerkbar?

Eine Pollenallergie äußert sich in Form von Heuschnupfen. Bleibt sie unbehandelt kann sich daraus Asthma entwickeln. Klassische Symptome sind eine verstopfte Nase sowie juckende, gereizte Augen. Heuschnupfen bei Kindern ist häufig auch begleitet von Entzündungen wie Bindehaut-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung. Neben der Therapie mit Nasensprays, Augentropfen oder Antihistaminika kann durch die Spezifische Immuntherapie die Lebensqualität gesteigert werden. Aufgrund der Symptome einer Pollenallergie sind Betroffene auch bei Aktivitäten im Freien oft eingeschränkt. Eine Pollenallergie ist dennoch kein Grund, auf Sport im Freien gänzlich zu verzichten.

Medizinischer Experte

Uwe Berger, MBA

Leiter der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation

Medizinische Universität Wien

Quellen

  • Interview mit Uwe Berger, Master of Business Administration in Healthcare Management, Leiter der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation, Medizinischen Universität Wien am 25.02.2014

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