Plötzlicher Kindstod

Plötzlicher Kindstod: Baby liegt wohlig in Mamas Händen
Der Plötzliche Kindstod tritt eher in den Wintermonaten auf, Buben sind dabei häufiger betroffen als Mädchen. (motorradcbr - Fotolia.com)
Vom Plötzlichen Kindstod ist die Rede, wenn die Kinder während des Schlafens auf einmal aufhören zu atmen. Die betroffenen Babys erscheinen zuvor meist völlig gesund, es gibt keinen Hinweis auf eine Erkrankung. Die Zahl der Kinder, die am Plötzlichen Kindstod (auch SIDS, sudden infant death syndrome, genannt) sterben, ist seit den 1990er Jahren um mehr als 50 % gesunken.

SIDS ist die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr, obwohl der Plötzliche Kindstod selbst nicht häufig auftritt: Im Jahr 2012 sind bei rund 79.000 Geburten 14 Kinder im Laufe des ersten Lebensjahres am Plötzlichen Kindstod verstorben. Die Ursachen sind noch immer weitgehend unbekannt. Vor allem Babys im Alter von 2 bis 4 Monaten (90 %) gehören zur Risikogruppe - ein zusätzlicher Faktor ist jahreszeitenbedingt: Der Plötzliche Kindstod tritt eher in den Wintermonaten auf, Buben sind dabei häufiger betroffen als Mädchen. Das Schlafen in Rückenlage und eine rauchfreie Umgebung gehören zu den wirkungsvollsten Gegenmaßnahmen.

Die Risikofaktoren

In den vergangenen Jahrzehnten wurden etliche Studien zum Thema gemacht. Folgende Risikofaktoren wurden dabei offengelegt:

  • Alter: Betroffen sind vor allem Säuglinge zwischen dem 2. und dem 4. Lebensmonat. Im 1. Lebensmonat kommt der Plötzliche Kindstod so gut wie nie vor und auch nach dem 8. Lebensmonat ist das Risiko gering. Dennoch können extrem selten auch noch Kinder im 2. Lebensjahr daran sterben.
  • Geschlecht: Jungen sterben häufiger am Plötzlichen Kindstod als Mädchen (Verhältnis 60 zu 40).
  • Raucherhaushalte: Raucht die Mutter während der Schwangerschaft oder danach hat das Baby ein 5-mal so großes Risiko wie das Kind einer Nichtraucherin.
  • Frühchen: Neue Studien belegen, dass der Risikofaktor Frühgeburt nicht der alleinige Grund für SIDS ist. Frühgeborene Babys unter 1.500 Gramm haben nur ein erhöhtes Risiko, wenn auch andere Erkrankungen, wie z.B. Lungenkrankheiten, auftreten.
  • Schlafen in Bauchlage: Das Schlafen in Bauchlage verursacht ein 2,5-mal so hohes Risiko.
  • Schlafen im Bett der Eltern: Auch wenn die Eltern gesundheitsbewusst sind und nicht rauchen oder Alkohol getrunken haben, erhöht das Teilen des Bettes mit dem Säugling das Risiko um das 5-fache.
  • Bett: Weiche Unterlagen, Matratzen, Kopfkissen und Decken erhöhen das Risiko um das 20-fache.
  • Nicht stillen oder frühes Abstillen: Wenn sehr früh abgestillt wird, steigt das Risiko ebenfalls, während gestillte Kinder seltener betroffen sind.
  • Jahreszeit: In den Wintermonaten sterben mehr Kinder als im Sommer.
  • SIDS-Fälle in der Familie: Wenn bereits ein Geschwisterkind am Plötzlichen Kindstod verstorben ist, ist das Risiko für die nachfolgenden Kinder höher.
  • Atemaussetzer: Hat ein Kind regelmäßig Atemaussetzer ist das Risiko erhöht.
  • Blasse Kinder: Wenn Kinder ohne Grund öfter blau anlaufen oder sehr blass werden, scheint das Risiko höher zu sein.
  • Entwicklungsverzögerungen: Kinder, die sehr langsam Gewicht zunehmen oder Entwicklungsverzögerungen zeigen, sind häufiger betroffen.
  • Drogen: Kinder drogenabhängiger Mütter.

Wie lässt sich das Risiko minimieren?

Folgende Vorsichtsmaßnahmen können helfen, das Atmen zu erleichtern:

  • Schlafen in Rückenlage: Babys sollten in Rückenlage zum Schlafen gebracht werden. Natürlich dürfen sie im wachen Zustand und unter Aufsicht am Bauch liegen.
  • Babybetten richtig hergerichtet: Die Matratze sollte nicht zu weich und luftdurchlässig sein, die Schlafumgebung nicht zu warm. Auf dicke Decken, Polster, Spielzeug, Nestchen und einen Matratzenschutz sollte im 1. Lebensjahr verzichtet werden. Wasserbetten sind nicht für Kinder geeignet. Außerdem sollte das Bett keine Spalte haben, in die das Kind rutschen könnte.
  • Schlafsack statt Decke verwenden: Dieser kann im Unterschied zur Decke nicht über das Gesicht rutschen und so die Atmung erschweren.
  • Rauchen verboten: Wer Kinder hat, sollte möglichst auf Zigaretten verzichten. Das senkt nicht nur das Risiko vom Plötzlichen Kindstod, sondern auch von Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs.
  • Vorsicht im Elternbett: Kinder sollten möglichst im eigenen Bett schlafen. Wer sein Baby unbedingt bei sich haben möchte, sollte zumindest keinen Alkohol konsumiert haben und Nichtraucher sein.
  • Die ideale Schlaftemperatur: Das Schlafzimmer sollte nicht zu warm sein, die ideale Temperatur liegt nachts zwischen 16 und 18 Grad Celsius.
  • Schnuller verwenden: Die Kombination von Rückenlage und Schnuller soll das Risiko um das 20-fache senken. Eine US-Studie zeigt sogar einen Rückgang des Risikos um 90 % an, wenn das Kind mit Schnuller schläft.
  • Ort des Kinderbettes: Dieses sollte nie neben der Heizung stehen.
  • Mützen beim Schlafen vermeiden: Kinder sollten beim Schlafen keine Mützen tragen, um eine Überhitzung zu vermeiden. Auch bei Frühchen sollte die Mütze nicht zu dick sein.
  • Stillen: Stillen senkt das Risiko, somit sollte man nicht zu früh abstillen.
  • Keine Schlafpositionierer verwenden: Diese speziell geformten Kissen sollen verhindern, dass sich die Babys drehen. Tatsächlich gibt es aber einige Babys, die durch diese erstickt sind.
  • Know-How bei Erster Hilfe: Eltern sollten in der Herzmassage und Mund-zu-Mundbeatmung unterrichtet und geübt sein.
  • Routine-Untersuchung im Schlaflabor: Eine routinemäßige Untersuchung im Schlaflabor wird nicht empfohlen, sondern sollte sich auf Risikogruppen beschränken.
  • Nicht ansteckend: Der Plötzliche Kindstod ist nicht ansteckend.
  • Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen: Gehen Sie regelmäßig zu den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen!

Machen Überwachungsgeräte für Babys Sinn?

Ob eine Schlafüberwachung sinnvoll ist, entscheidet Ihr Kinderarzt individuell.

Spezielle Geräte zur Überwachung der Atmung und der Tätigkeit des Herzens sollen helfen, den Plötzlichen Kindstod sofort zu erkennen. Diese sind als Sensoren in Matten versteckt, die unter die Matratze gelegt werden und Alarm schlagen sollten, wenn weder Atmung noch Bewegungen vorhanden sind. Leider hat sich gezeigt, dass diese häufig Fehlalarm auslösen und Wiederbelebungsmaßnahmen trotzdem oft zu spät kommen.

Erste Hilfe für den Ernstfall

Erste Hilfe Kurse für Notfälle mit Kindern bereiten auf den möglichen Ernstfall vor. In diesen wird gezeigt, was dann zu tun ist:

  • Atmung und Puls kontrollieren: Haben Sie den Eindruck, dass etwas mit Ihrem Kind nicht stimmt, kontrollieren Sie zuerst Puls und Atmung. Dazu Kopf leicht nach hinten beugen und das Ohr dicht zu Nase und Mund des Kindes halten. Achten Sie auch darauf, ob sich der Brustkorb hebt und senkt.
  • Notruf 144 anrufen
  • Wenn keine Atmung mehr sicht- oder spürbar ist, sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Dazu Mund-zu-Mund-Beatmung mit Herzmassage abwechseln. Bei Säuglingen ist der Rhythmus 1:3, sprich eine Atemspende und drei Herzdruckmassagen, bei Kindern folgen auf 30 Herzdruckmassagen 2 Atemspenden. Während man bei Neugeborenen bis zu einem Alter von 4 Wochen mit der Atemspende beginnt, startet man bei Kindern gleich mit der Herzdruckmassage. Herzdruckmassage und Atemspende sollten im Rahmen eines Kurses an einer Puppe geübt werden!

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim., MBA

DDr. Peter Voitl

Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien

Ärztlicher Leiter am Ambulatorium für Kinderkardiologie und ärztlicher Leiter des Vereins MOKI-Wien Mobile Kinderkrankenpflege

Gesundheitskompass Website

Quellen