Placebo-Effekt wirkt auch bei Gesunden

Placebo-Effekt wirkt auch bei Gesunden: Kind bekommt Hustensaft
Erleben sowohl Kinder als auch Eltern einen Placebo-Effekt, wenn der Nachwuchs gegen Husten behandelt wird? ( photophonie - Fotolia.com)
Beim Placebo-Effekt wird zuerst an Kranke gedacht, denen es nach unbewusster Einnahme wirkstofffreier Präparate besser geht. Neu ist, dass sich auch eine gesundheitlich positive Wirkung bei Gesunden zeigt, die als "Geber" und nicht als "Nehmer" der Pseudo-Behandlung auftreten.

Solche "Geber" sind z.B. Eltern, die ihrem Kind aufgrund von nächtlichem Husten nicht-wissend wirkungslosen Saft einflößen. Die Handlung des Betreuens und für das Kind zu sorgen, lindert das von Mama und Papa oft sehr intensiv erlebte Mitleiden, wenn der Nachwuchs krank ist. Die Eltern und das Kind fühlen sich nach der Placebo-Therapie besser. Stellt sich nur die Frage, wer nun einen Placebo-Effekt erlebt: die Eltern, das Kind oder beide? Grundlage für diese bislang wenig beachtete Form des Placebo-Effekts liefert eine Studie von Medizinern der Pennsylvania State University.

Eltern fühlen mit ihren Kindern

Das Studiendesign der amerikanischen Forscher gleicht dem einer typischen Medikamentenstudie mit Kontrollgruppe. 119 Kinder mit Husten wurden zur Hälfte von ihren Eltern mit nachgewiesen wirksamem Agavendicksaft behandelt, die anderen mit normalem Saft ohne medizinisch bestätigten Effekt. Anschließend füllten die Eltern einen Fragebogen zum Zustand der Kinder nach der Therapie aus.

Sowohl die Kinder, die Agavendicksaft bekommen, als auch jene die Placebo-Saft getrunken hatten, husteten nach Auskunft der Eltern weniger oder hörten ganz auf. Automatisch fühlten sich auch die Eltern besser, da sie nicht mehr mit dem Nachwuchs mitleiden mussten und das Gefühl hatten, ihn gut versorgt zu haben.

Wem hat tatsächlich was geholfen?

Bei den Kindern lässt sich der vermutete Placebo-Effekt wie gehabt erklären: Das Gehirn reagiert auf das Einnehmen einer Substanz, die wirkungslos ist, ähnlich oder genauso, wie auf eine wirksame. Allein der Akt des Trinkens löst diese Reaktion aus. Dass es den behandelten Kindern vermeintlich besser ging, könnte laut den Wissenschaftern aber auch schlicht an der Wahrnehmung der Eltern liegen, die ja nach eigenem Ermessen den Fragebogen zur Besserung des Hustens der Kinder ausgefüllt hatten. Sie gingen davon aus, dass es den Kleinen nach der Therapie gut gehen müsste. Ob nun Eltern, Kinder oder gar beide einen Placebo-Effekt erleben, muss noch anhand weiterer Studien erforscht werden.

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  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
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