14 Fragen zur Pille danach

Mädchen und Bub nach Sex sind enttäuscht und denken über Pille danach nach.
Wenn das Kondom geplatzt ist oder die Pille vergessen wurde, kann auf die Möglichkeit der 'Pille danach' zurückgegriffen werden. (maxsaf - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Verhütung

Kondom geplatzt? Pille vergessen? Für solche Verhütungspannen gibt es die Pille danach (Notfallpille), um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Wir haben die wichtigsten 14 Fragen rund um dieses Verhütungsmittel zusammengefasst.

Die rezeptfreie Pille danach zögert den Eisprung hinaus, je früher sie nach dem ungeschützen Verkehr eingenommen wird (am besten innerhalb von 24 Stunden), desto besser ist die Wirkung. Generell kann sie, abhängig vom Präparat, bis zu 5 Tagen nach der Verhütungspanne angewendet werden.

Die Pille danach ist keine "Abtreibungspille". Ist die Befruchtung bereits erfolgt bzw. besteht zum Zeitpunkt der Einnahme bereits eine Schwangerschaft, wirkt sie nicht. Neben der rezeptfreien Pille danach gibt es mit der Spirale danach auch noch andere Möglichkeiten, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

Frage 1: Was ist die Pille danach?

Spermien können bis zu 5 Tage im weiblichen Körper überleben, sie "warten" auf den richtigen Zeitpunkt, bis die Eizelle fertig gereift ist.  Daher ist am Tag des Eisprungs und insbesondere 2 Tage vor dem Eisprung die Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung der Eizelle am höchsten. Nach ungeschütztem Sex stellt die Pille danach eine Art "Notbremse" dar. Vereinfacht gesagt, verschiebt sie den Eisprung um ein paar Tage nach hinten. Sie hat keinen Einfluss auf eine bereits bestehende Schwangerschaft, wenn es schon zur Befruchtung gekommen ist. Die Pille danach ist mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat oder dem Wirkstoff Levonorgestrel erhältlich.

Frage 2: Was ist der Unterschied zwischen den beiden Wirkstoffen?

Generell ist der Zeitpunkt des Eisprungs nicht genau vorhersehbar. Er kann zu Zyklusbeginn in der Mitte oder gegen Zyklusende stattfinden. Der Eisprung kann von Monat zu Monat anders sein und auch die Zykluslänge kann variieren.

Etwa 2 Tage vor dem Eisprung steigt die Konzentration des luteinisiernden Hormons an, das den Eisprung letztendlich auslöst. An diesen 2 Tagen ist das Empfängnisrisiko im Zyklus mit jeweils etwa 30% am höchsten. Die Pille danach enthält den Wirkstoff Ulipristalacetat oder den Wirkstoff Levonorgestrel:

  • Der Wirkstoff Ulipristalacetat wirkt insbesondere auch an den 2 Tagen vor dem Eisprung, indem er das luteinisierende Hormon hemmt. Damit lässt sich der Eisprung um bis zu 5 Tage hinauszögern. Spermien sind zwischen 3 und 5 Tagen im weiblichen Körper lebensfähig, um eine Eizelle zu befruchten. Nach dieser Zeitspanne sterben die Spermien ab. Ulipristalacetat sollte sobald als möglich - am besten innerhalb von 24 Stunden - nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden.
  • Steigt das luteinisierende Hormon bereits an, kann der Wirkstoff Levonorgestrel den Eisprung nicht mehr unterdrücken, Levonorgestrel ist 2 Tage vor dem Eisprung nicht wirksam.

Frage 3: Für wen macht der Einsatz der Pille danach Sinn?

Die Pille danach soll eine ungewollte Schwangerschaft verhindern, wenn…

  • …weder Sie noch Ihr Partner für Empfängnisverhütung gesorgt haben
  • …Sie vergessen haben, die Pille einzunehmen und danach ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten
  • ...das Kondom abgerutscht oder geplatzt ist
  • …Sie nach Kalender- oder Temperaturmethode verhüten und während der fruchtbaren Zeit ungeschützten Sex hatten

Frage 4: Was passiert nach der Einnahme im Körper der Frau?

Die Hormone, die die Pille danach enthält, verzögern den Eisprung. Die Pille danach kann zu jedem Zeitpunkt im Zyklus eingenommen werden. Das Medikament wirkt nur dann, wenn der Eisprung noch nicht erfolgt ist bzw. noch keine Befruchtung oder Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter stattgefunden hat. Die Pille danach ist umso wirksamer je früher sie nach dem Geschlechtsverkehr angewendet wird - am besten 24 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr. Bei der Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat sollte eine Einnahme max. innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen)  erfolgen, beim Wirkstoff Levonorgestrel innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen).

Frage 5: Wie wird die Pille danach angewendet?

Die Pille danach sollte so früh wie möglich nach dem ungeschützten Sex geschluckt werden. Je früher sie eingenommen wird, desto eher kann sie den Eisprung verschieben.

Sie sollte nicht öfter als einmal im Zyklus zur Anwendung kommen. Wenn Sie innerhalb eines Zyklus die Pille danach eingenommen haben, müssen Sie bis zum Einsetzen der Periode mit Kondom verhüten, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Auch wenn Sie die Anti-Baby-Pille einnehmen, müssen Sie bis zum Zyklusende eine zusätzliche Verhütungsmethode anwenden, da der empfängnisverhütende Schutz der Pille nicht mehr gegeben ist.

Frage 6: Was ist nach der Einnahme zu beachten?

Im Normalfall kommt es nach der Einnahme der Pille danach zum üblichen Zeitpunkt zur Regelblutung in der gewohnten Stärke. Es kann sein, dass sie einige Tage früher oder später einsetzt. Bleibt sie länger als 5 Tage überfällig, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine mögliche Schwangerschaft auszuschließen. Das Ergebnis eines Schwangerschaftstests wird durch die Pille danach nicht beeinflusst.

Nach der Einnahme der Pille danach muss man prinzipiell nicht zum Arzt. Treten allerdings schwere Nebenwirkungen wie starke Blutungen oder Schmerzen auf oder bleibt die Regelblutung zum erwarteten Zeitpunkt aus, sollten Sie einen Gynäkologen aufsuchen.

Wenn Sie die Pille danach eingenommen haben, verhüten Sie bis zur nächsten Regelblutung mit einer Barrieremethode (z.B. Kondom, ev. Diaphragma), auch wenn Sie die Pille einnehmen.

Die Pille danach kann auch eingenommen werden, wenn Sie üblicherweise mit der Antibaby-Pille verhüten und die Einnahme vergessen haben bzw. eine Einnahme durch Magen-Darm-Probleme nicht erfolgen konnte. Sie sollten in diesem Fall nach der Einnahme der Pille danach am nächsten Tag Ihre herkömmliche Pille bis zum Zyklusende normal weiternehmen. Dennoch sollten Sie zusätzlich mit einer Barrieremethode (z.B. Kondom oder Diaphragma) verhüten. Bleibt im nächsten pillenfreien Intervall die Regelblutung aus, sollten Sie einen Schwangerschaftstest machen.

Frage 7: Welchen Einfluss hat die Pille danach auf die Fruchtbarkeit?

Die Pille danach hat keine Auswirkungen auf die generelle Fruchtbarkeit. Nur selten treten nach der Einnahme der Pille danach Nebenwirkungen wie Übelkeit, Unterleibsschmerzen, ein Spannungsgefühl in der Brust, Kopfschmerzen oder Müdigkeit auf. Gelegentlich kann es auch zu Durchfall, Erbrechen, Blutungen, Zwischenblutungen oder Regelschmerzen kommen.

Frage 8: Für wen ist die Pille danach nicht geeignet?

Frauen mit einem Risiko für Eileiterschwangerschaften sollten die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel nicht einnehmen, denn sie erhöht das Risiko dafür. Schwere Leberfunktionsstörungen oder schwere Malabsorptionssyndrome (z.B. Morbus Crohn) können die Wirksamkeit von ebenfalls Levonorgestrel beeinträchtigen.

Frauen mit schwerem Asthma unter Glucocorticoidbehandlung oder schweren Leberfunktionsstörungen sollten die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat nicht einnehmen.

Frage 9: Wo bekommt man die Pille danach?

Die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat mit dem Wirkstoff bzw. mit Levornorgestrel erhalten Sie rezeptfrei in der Apotheke.

Frage 10: Wie viel kostet die Pille danach?

Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten um 14 Euro; das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ist um 31,90 Euro erhältlich.

Frage 11: Wer darf die Pille danach nicht einnehmen?

Der Abbau der Inhaltsstoffe der Pille danach durch den Stoffwechsel wird beschleunigt von Medikamenten wie Antikonvulsiva (Medikamente zur Behandlung von Epilepsie), einigen Antibiotika sowie einigen Medikamente zur Behandlung einer HIV-Infektion (Rifabutin) und Johanniskraut.

Besteht eine Allergie gegen die in der Pille danach enthaltenen Hormone (Levenorgestrel, Ulipristalacetat) oder einen der Bestandteile der Pille danach, sollte sie nicht eingenommen werden. Auch bei einer bestehenden Schwangerschaft oder einer schweren Lebererkrankung sind beide Präparate tabu. Ulipristalactat darf bei schwerem Asthma nicht zugeführt werden.

Frage 12: Wann wirkt die Pille danach nicht?

Hat der Eisprung bereits stattgefunden, ist die Pille danach wirkungslos. Die Pille danach sollte nicht öfter als einmal im Zyklus eingenommen werden. Wenn Sie innerhalb eines Zyklus die Pille danach eingenommen haben, müssen Sie dennoch verhüten, da der Eisprung nur um einige Tage verzögert wird.

Frage 13: Kann man die Pille danach auch während der Stillzeit einnehmen?

Ja. Levonorgestrel reichert sich allerdings in der Muttermilch an. Sie sollten Ihr Baby daher vor der Einnahme stillen und mit der nächsten Mahlzeit mindestens 8 Stunden warten. Beim Präparat mit Ulipristalacetat wird eine Stillpause von 8 Tagen empfohlen.

Frage 14: Gibt es Alternativen?

Rezeptfreie Alternativen zur Pille danach gibt es nicht.  Es gibt allerdings die Möglichkeit die Spirale danach zu nutzen. Sie wird vom Frauenarzt innerhalb von 5 Tagen nach dem ungeschützten Verkehr in die Gebärmutter eingesetzt. Der Vorteil diese Methode ist, dass die Frau danach längerfristigen Schutz vor einer Schwangerschaft hat.

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Christian Egarter

Leiter der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am AKH Wien

Website

Quellen

  • Interview mit Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter, Leiter der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am AKH Wien
  • Die Gynäkologie, M. Kaufmann et al. (Hg.), Springer Medizin Verlag, Berlin, Heidelberg, 2013
  • Klinische Endokrinologie für Frauenärzte, F. Leidenberger et al., Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2009
  • Herbert Hauser: Notfallkontrazeption im Wandel der Zeiten, Die einmalige Einnahme der „Pille danach“ ist weitgehend problemlos, In: Hausarzt, Medizin für die Frau, Sonderausgabe Nr. 2, Mai 2013, S 12-13

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