Die Pille

Die Pille: Pillenverpackungen
Die Pille schützt bei korrekter Einnahme zuverlässig vor einer Schwangerschaft. (areeya_ann - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Verhütung

Etwa 4 von 10 Österreicherinnen zwischen 15 und 49 Jahren vertrauen auf die Sicherheit der "Pille". Die Präparate verhindern mit hoher Sicherheit bei korrekter Anwendung eine Schwangerschaft.

Die meisten Pillenpräparate sind sogenannte Mikropillen und enthalten eine Kombination aus einem Östrogen (Ethinylestradiol) und einem Gestagen. Das enthaltene Gestagen entscheidet in der Regel auch darüber, welchen Zusatznutzen eine Pille bietet (z.B. positive Effekte auf Haut und Haare). Auch für die individuelle Verträglichkeit ist neben der Höhe der Östrogendosierung die Wahl des Gestagens von Bedeutung.

Verschiedene Präparate

Seit ihrer Einführung 1962 hat sich die Pille enorm weiterentwickelt. In Österreich gibt es mittlerweile etwa 40 verschiedene Präparate, die individuell auf die Bedürfnisse der Frau abgestimmt werden können. Damit ist es gelungen, Risiken und Nebenwirkungen auf ein Mindestmaß zu beschränken.

Im Wesentlichen unterscheidet man heute zwischen

  • Kombinationspräparaten: Östrogen-Gestagen-Pillen (Ein-, Zwei- und Dreiphasenpillen), die Hormone in unterschiedlicher Dosierung enthalten, sowie
  • Minipille: reine Gestagenpillen, sie enthalten kein Östrogen.

Von der Art und Dosierung des jeweiligen Gestagens hängt auch die zusätzliche Wirkung der Pille ab.

Es gibt verschiedene "Generationen" von Pillen:

  • 1. Generation: Dazu zählen die Wirkstoffe Norethisteron, Lanestrenol
  • 2. Generation: Wirkstoffe Levonorgestrel, Norgestrel
  • 3. Generation: Wirkstoffe wie Gestoden, Desogestrel, Norgestimat
  • 4. Generation: Die Wirkstoffe Cyproteron, Dienogest, Chlormadinon verhindern Hautuntreinheiten, Akne, fettige Haut und Körperbehaarung, Drospirenon vermindert überdies auch Wassereinlagerungen.

Allen gemeinsam ist, dass sie aus künstlichen Hormonen hergestellt werden, die den menschlichen Sexualhormonen ähnlich sind. Die Wirkungsweise östrogenhaltiger Pillen liegt darin, dass sie den Eisprung hemmen. Man nennt diese Präparate daher auch "Ovulationshemmer". Pillen, die das Hormon Gestagen enthalten, verhindern das Eindringen der Spermien bzw. das Einnisten einer evtl. befruchteten Eizelle in die Gebärmutter.

Wirkmechanismus der Pille

Durch die enthaltenen Konzentrationen an Östrogen und Gestagen unterdrückt die Pille, wie bei einer Schwangerschaft, die Eireifung im Eierstock und verhindert den Eisprung. Zusätzlich beeinflussen die Hormone der Pille den Gebärmutterhalsschleim, der dann während des gesamten Zyklus den Muttermund verschließt, sodass beim Geschlechtsverkehr keine Spermien in die Gebärmutter gelangen.

Der dritte Wirkort der Pille ist die Gebärmutterschleimhaut. Unter dem Einfluss der Pillenhormone wird die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, nicht so stark aufgebaut. Sollte also doch einmal der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein Eisprung stattfindet und Spermien den Gebärmutterhals passieren, könnte sich eine befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter einnisten.

Pillenarten

Bei den Pillenarten wird zwischen

  • Kombinationspräparaten (Wirkstoffe Östrogen und Gestagen, dazu gehören auch die Mikropillen) und der
  • Minipille (Wirkstoff Gestagen)

unterschieden:

Kombinationspräparate

Kombinierte Pillen enthalten Östrogen und Gestagen in unterschiedlicher Zusammensetzung. Östrogen verhindert den Eisprung, Gestagen hemmt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich kein Ei mehr einnisten kann; der Eintritt von Spermien wird aufgrund einer Verdickung des Schleimpfropfs, der den Gebärmutterhals verschließt, verhindert.

Mikropillen

Basis der meisten Kombinationspräparate ist das künstliche Östrogen Ethinylestradiol. Mikropillen enthalten weniger als 0,05 Milligramm pro Tablette, manche kommen auch mit etwa 0,02 und 0,03 Milligramm aus. Seit kurzem steht eine weitere Östrogenkomponente, Estradiolvalerat, zur Verfügung, das im Körper rasch in Estradiol umgewandelt wird.

Bei den Mikropillen werden folgende "Phasen-Pillen" unterschieden:

  • Einphasen-Pille: Die Pille wird eine Phase hindurch, also 21 Tage eingenommen und ist ebenfalls eine  Kombination von Östrogen und Gestagen. Nach einer einwöchigen Pillenpause sinkt der Hormonspiegel und verursacht eine Abbruchblutung, die meist schwächer ist als die "normale" Periode. Es gibt auch Pillen mit 28 Tabletten, wobei die letzten sieben Tabletten wirkstofffrei sind. Die Vorteile dabei: bei täglich gleicher Einnahmezeit ist diese Pille sehr sicher und enthält wenig Östrogen. Disziplin ist jedoch gefragt, denn wird die Pille innerhalb von zwölf Stunden vergessen, ist ein sicherer Verhütungsschutz nicht mehr gegeben. Dies gilt auch im Fall von Erbrechen oder Durchfall.
  • Zweiphasen-Pille: Eine Zweiphasenpille besteht aus einer Kombination aus Östrogenen und Gestagenen. Die Pille der ersten Woche enthält nur Östrogen, in den 2 Folgewochen eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Sie gilt als sehr sicher, allerdings darf die Reihenfolge der Einnahme der Dragees nicht verwechselt werden, um ausreichenden Empfängnisschutz zu gewähren.
  • Dreiphasen-Pille: Bei Dreiphasen-Pillen ändert sich die Hormon-Kombination stufenweise. In den ersten sechs Tagen werden Östrogen-Gestagen-haltige Pillen eingenommen. In den nächsten fünf bis sechs Tagen Östrogen und Gestagen in leicht erhöhter Menge, in der dritten Phase wird über zehn Tage hindurch die Östrogendosis reduziert, die Gestagendosis gleichzeitig erhöht. Dadurch wird die Hormongabe besser an den normalen Hormonzyklus der Frau angepasst. Allerdings kann es sein, dass in der 2. Zyklushälfte aufgrund des sehr geringen Gestagengehalts Zwischenblutungen auftreten.

Die Minipille (Gestagenpillen)

Die Minipille enthält ausschließlich Gestagen und ist besonders für Frauen geeignet, die das Hormon Östrogen nicht vertragen oder zu Risikogruppen von Thrombosen oder Herzkreislauferkrankungen zählen. Das enthaltene Gestagen bewirkt eine Veränderung der Schleimhaut der Gebärmutter und des Gebärmutterschleimpfropfens und hemmt die Ovulation. Die Minipille wird ohne Pausen eingenommen, dabei bleibt die Monatsblutung für gewöhnlich aus.

Generell ist die Pille nicht oder nur bedingt geeignet für

  • Raucherinnen (erhöhtes Schlaganfallrisiko, Herzinfarkt-Risiko)
  • Frauen mit Venenthrombosen oder Neigungen dazu
  • Betroffene mit Erkrankungen der Leber und Galle
  • Diabetikerinnen
  • Frauen mit erhöhten Triglyzeridwerten
  • Betroffene von Blutgerinnungs- oder Durchblutungsstörungen
  • Nach Brustkrebs
  • Für Frauen mit nicht abgeklärten Blutungen
  • Schwangere

Die Pille auf einem Blick

Präparat

Hormon

Wirkung

Geeignet für

KOMBINATIONSPRÄPARATE

Östrogen

 

 

Gestagen

Verhindert den Eisprung

 

verdickt Gebärmutterschleim

 

verhindert Einnisten eines Eis

 

Mikropillen

< 0,05 mg Ethinolestradiol (Östrogen)

 

Estradiolvalerat (= naturidentes Hormon)

 

Frauen mit späterem Kinderwunsch

 

Junge Frauen mit Regelschmerzen und Zyklusunregelmäßigkeiten

 

Frauen ab 40

Einphasen-Pille

In jedem Dragee ist dieselbe Hormonkonzentration (Östrogen + Gestagen); 21 Tage

 

Frauen mit späterem Kinderwunsch

Zweiphasen-Pille

Dreiphasen-Pille

unterschiedliche Hormondosen von Östrogen + Gestagen

 

 

Für Frauen, die zu Zwischenblutungen, Schmierblutungen neigen

MINIPILLE

Gestagen

Östrogenfrei!!

 

Minipille

 

Keine Ovulation,

verdickt Gebärmutterschleim, verhindert Einnisten eines Eis

Frauen in der Stillzeit, Frauen, die kein Östrogen einnehmen sollten (Raucherinnen, Thromboseneigung, Frauen vor der Menopause)

Pille vergessen - was tun?

Wenn Sie vergessen haben, Ihre tägliche Pille zu schlucken, können Sie das innerhalb einer bestimmten Zeit nachholen. Wie groß dieses Zeitfenster ist, um einen sicheren Empfängnisschutz zu gewähren, entnehmen Sie dem Beipacktext oder fragen Sie Ihren Arzt.

Wird das Zeitfenster überschritten, ist die Sicherheit der Empfängnisverhütung nicht mehr gegeben, es kann zu einer Schwangerschaft kommen. Um eine Empfängnis zu verhindern, sollten Sie zu zusätzlichen Verhütungsmitteln greifen, z.B. Kondom.

Für den Notfall gibt es auch die Pille danach: Beim Wirkstoff Ulipristalacetat sollte eine Einnahme max. innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen)  erfolgen, beim Wirkstoff Levonorgestrel innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen).

Positive Effekte der Pilleneinnahme

Die Hormone der Pille beeinflussen Körperprozesse unterschiedlich, bei manchen bringen sie Vorteile:

  • Reinere Haut: Hautunreinheiten, Akne, fettige Haut und Haarausfall werden oft gemildert, da durch die Pille die Konzentration der männlichen Hormone gemindert wird
  • Geringere Blutungen: Die Blutungsstärke während der Periode nimmt ab
  • Prämenstruelles Syndrom: Beschwerden vor Einsetzen der Regelblutung werden deutlich schwächer
  • Fruchtbarkeit: Die Pille beeinflusst die Fruchtbarkeit nicht

Mögliche Nebenwirkungen

Typische Beschwerden in den ersten Zyklen nach Beginn der Einnahme können Zwischenblutungen, Übelkeit oder Brustspannen und leichte Wasserspeicherung sein. Meistens legen sich diese Symptome im 3. Anwendungsmonat. Einige Frauen reagieren auf bestimmte Gestagene der verschiedenen Antibabypillen mit Stimmungsschwankungen, Unwohlsein, Gereiztheit oder Libidoverlust. Hier hilft meistens der Wechsel auf ein anderes Pillenpräparat.

Pille und Gewichtszunahme

Bei einigen Frauen können die Östrogene der Pille dazu führen, dass Wasser ins Körpergewebe eingelagert wird, dadurch kann auch eine leichte Gewichtszunahme erfolgen oder die Beine können bei langem Stehen anschwellen. Es gibt aber auch Pillen-Präparate, die Wassereinlagerungen entgegenwirken.

Pille und Thromboserisiko

Zu den schwerwiegendsten Komplikationen, die bei der Einnahme der Pille auftreten können, zählen Thrombosen. Gefährdet sind vor allem Frauen, die rauchen, starkes Übergewicht aufweisen, zu Bluthochdruck neigen oder Diabetes haben.

Pille und Krebs

Die Einnahme der Pille senkt die Häufigkeit von Eierstockkrebs sowie von Gebärmutterschleimhautkrebs. Sie erhöht jedoch leicht das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Bezüglich Brustkrebs sind die wissenschaftlichen Daten nicht eindeutig. Während einige Studien keine Risikoerhöhung zeigen, gibt es auch Daten über ein gering erhöhtes Brustkrebsrisiko, vor allem bei Langzeiteinnahme und Beginn vor dem 25. Lebensjahr.

Bei der Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat sollte eine Einnahme max. innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen)  erfolgen, beim Wirkstoff Levonorgestrel innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen).

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Andreas Nather

Gynäkologe und Leiter von Woman & Health

Gesundheitskompass Website

Quellen

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