Pharmaproduktion wird umweltfreundlicher

Neues Verfahren spart Zeit, Geld und Ressourcen

Enzyme sind Biokatalysatoren, die weitaus effizienter arbeiten als alle bisher vom Menschen erdachten synthetischen Katalysatoren. Grazer Biotechnologen haben eine auf Enzymen von Bodenbakterien beruhende Möglichkeit gefunden, einen Wirkstoff zur Behandlung von Prostatavergrößerung umweltfreundlicher und reiner als bisher herzustellen. Ein Patent liege bereits vor, meldete die Uni Graz am Montag, 19. Mai 2014.

Enzyme wie etwa die Transaminasen sind nicht nur im menschlichen Eiweiß-Stoffwechsel unentbehrlich. Als Biokatalysatoren kommen sie auch bei der Herstellung von Wirkstoffen bzw. deren Vorstufen für die Pharmazie zum Einsatz. Das in Graz beheimatete Austrian Center of Industrial Biotechnology (ACIB) forscht zusammen mit Partnern von der Universität Graz und aus der Pharmaindustrie an der Produktion von Transaminasen in industriellen Maßstab. Etwa für die Herstellung von Wirkstoffen, die bei der Behandlung der Symptome von gutartiger Prostatavergrößerung zum Einsatz kommen. Nun haben die Grazer Forscher ein Verfahren patentiert , das den Alphablocker Silodosin effizienter herstellen lässt.

Das zentrale Problem der Pharmaindustrie war der Umstand, dass der Wirkstoff Silodosin ein chirales Molekül ist, das in zwei spiegelbildlich ähnlichen Varianten (Enantiomere) auftritt und entsprechend unterschiedliche Effekte auf den menschlichen Körper hat. Gesucht wurde eine Weg, diese Varianten effizient zu trennen oder überhaupt nur die erwünschte Variante zu synthetisieren.

Umweltfreundliches Verfahren

"Wir stellen ausschließlich das (R)-enantiomer ohne Spur vom (S)-Enatiomer her", schilderte Wolfgang Kroutil vom Institut für Chemie der Universität Graz. Als Biokatalysator, der die gewünschte Synthese erledigt, dient das Enzym Omega-Transaminase aus den im Boden lebenden anaeroben Bakteriengattung Arthrobaacter. Dieses haben die Grazer Forscher zuerst identifiziert und anschließend in Abstimmung mit den Reaktionsbedingungen optimiert.

Das Verfahren spare im vergleich zu herkömmlichen industriellen Verfahren "Zeit, Geld und Ressourcen und ist äußerst umweltfreundlich", betonte Kroutil. Das Enzym, das dabei zum Einsatz komme, sei biologisch abbaubar und die Reaktion laufe - bei einer Verfahrenstemperatur von 30 bis 45 Grad Celsius - ohne Lösungsmittel in Wasser ab. Das Verfahren und dessen Reaktionsprodukt sei bereits gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Sandoz erfolgreich getestet und patentiert worden.

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