Pflegegeld

Pflegegeld: Stempel ''Pflegegeld''
Es gibt 7 Pflegegeld-Stufen, die vom Betreuungsaufwand abhängen. (Gina Sanders - Fotolia.com)
Pflegegeld in Österreich ist eine zusätzliche finanzielle Leistung für Menschen, die aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung ständig auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Es hat den Zweck, die Kosten für Betreuungsmaßnahmen und Hilfsverrichtungen, die durch die Pflegebedürftigkeit entstehen, zumindest teilweise abzudecken, und auch diesen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Um Pflegegeld zu beziehen, muss ein Antrag gestellt werden: Dafür ist ein spezielles Pflegegeld Formular auszufüllen und an die zuständige Stelle zu senden. Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem Pflegebedarf – insgesamt unterscheidet man 7 Pflegegeld Stufen.

Höhe der Pflegegeld-Leistung

Das Pflegegeld wird monatlich ausbezahlt, die Höhe ist abhängig vom jeweils erforderlichen Pflegeaufwand. Bei der Berechnung spielt das Einkommen der pflegebedürftigen Person oder ihrer Angehörigen keine Rolle.

Insgesamt werden 7 Stufen unterschieden (Stand 2014):

  • Stufe 1: Pflegeaufwand über 60 Stunden/Monat: 154,20 Euro
  • Stufe 2: Pflegeaufwand über 85 Stunden/Monat: 284,30 Euro
  • Stufe 3: Pflegeaufwand über 120 Stunden/Monat: 442,90 Euro
  • Stufe 4: Pflegeaufwand über 160 Stunden/Monat: 664,30 Euro
  • Stufe 5: Pflegeaufwand über 180 Stunden/Monat + dauernde Bereitschaft: 902,30 Euro
  • Stufe 6: Pflegeaufwand über 180 Stunden/Monat + unkoordinierbare Betreuung: 1.260,00 Euro
  • Stufe 7: Pflegeaufwand über 180 Stunden/Monat + Bewegungsunfähigkeit: 1.655,80 Euro

Wenn die pflegebedürftige Person eine erhöhte Familienbeihilfe bezieht, wird ein Betrag von 60 Euro im Monat abgezogen. Während eines stationären Aufenthaltes (in einem Spital, in einer Kur- und Rehabilitationseinrichtung) ruht das Pflegegeld ab dem auf die Aufnahme in die Einrichtung folgenden Tag.

Voraussetzungen für den Pflegegeld-Bezug

Grundsätzlich haben nur österreichische Staatsbürger einen Anspruch auf Pflegegeld. Es gibt aber ein paar Ausnahmen:

  • Menschen, denen Asyl gewährt wurde
  • Menschen, die über ein unionsrechtliches Aufenthaltsrecht nach dem Fremdenpolizei-, Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG) verfügen
  • Menschen, die über einen bestimmten Aufenthaltstitel nach dem NAG verfügen
  • Menschen aus Nicht-EU-Ländern, wenn eine Gleichstellung aus Staatsverträgen oder Unionsrecht vorliegt

Pflegegeld-Antrag stellen

Um Pflegegeld beziehen zu können, muss ein entsprechender Antrag gestellt werden: von Berufstätigen und Mitversicherten an die Pensionsversicherungsanstalt (PVA), von Pensionisten an den zuständigen Versicherungsträger – die Stelle, von der die Pension ausbezahlt wird.

Nachdem ein Antrag gestellt wurde, entscheidet die zuständige Stelle, ob und welche Pflegegeld Stufe bewilligt wird.Dabei stützt sie sich auf ein ärztliches Sachverständigengutachten: Der Arzt (manchmal auch eine diplomierte Pflegefachkraft) untersucht den Antragsteller im Zuge eines Hausbesuches und stellt den Pflegebedarf fest. Dieser Pflegebedarf muss voraussichtlich mindestens 6 Monateandauern, um Pflegegeld zu beziehen.

Pflegegeld-Bescheid bringt Klarheit

Ein Bescheid informiert den Antragsteller, ob und in welcher Höhe Pflegegeld gewährt wird. Bei positiver Entscheidung wird das Pflegegeld rückwirkend ab dem Monat nach der Antragstellung gewährt.

Sollte der Betroffene mit der Entscheidung nicht einverstanden sein, besteht die Möglichkeit, gegen den Bescheid eine gerichtliche Klage einzubringen.

Erhöhung des Pflegegeldes

Wenn sich der Gesundheitszustand des Pflegegeldbeziehers im Laufe der Zeit verschlechtert und sich damit der Pflegeaufwand erhöht, kann man einen Antrag auf Erhöhung des Pflegegeldes stellen. Das Antragsformular ist das gleiche wie beim Erstantrag, der Ablauf (ärztliches Sachverständigengutachten, Entscheidung) entspricht ebenso demjenigen bei Erstantrag.

Umgekehrt kann auch die auszahlende Stelle eine Überprüfung in regelmäßigen Zeitabständen durch einen Sachverständigen anordnen, um festzustellen, ob sich der festgesetzte Pflegeaufwand vermindert oder erhöht hat. Das kann in manchen Fällen auch eine Zurückstufung nach sich ziehen.  

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