Pflege zu Hause

Pflege zu Hause: Person hält Hände schützend über Modell-Haus.
Verschiedene soziale Einrichtungen bieten eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten für die Pflege daheim an. (Robert Kneschke - Fotolia.com)
Vielen Menschen ist es im Alter nicht mehr möglich, ein vollkommen selbstständiges Leben zu führen. Dennoch wollen einige nicht in ein Pflegeheim übersiedeln, sondern ziehen es vor, weiterhin zu Hause zu leben.

Für die Angehörigen hört sich die Pflege zu Hause im ersten Moment nach großem Aufwand an. Doch diese Aufgabe müssen Sie heutzutage nicht alleine meistern. Die betagte Mutter, der pflegebedürftige Vater, der bettlägerige geliebte Mensch - sie brauchen Unterstützung, sei es bei der Bewältigung des Alltags oder auch in medizinischer Hinsicht. Für all diese Bereiche gibt es eine Vielzahl an unterstützenden Angeboten, von der mobilen Hauskrankenpflege bis zu Essen auf Rädern. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, jemanden einzustellen, der rund um die Uhr da ist, zum Beispiel eine 24 Stunden Pflegekraft.

Mobile Pflege und Betreuung - Unterstützung im Alltag

Verschiedene soziale Einrichtungen bieten eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten für die Pflege daheim an. Dazu zählen neben Diensten wie Essen auf Rädern, Besuchs- oder Begleitdiensten auch medizinische Unterstützungen wie die mobile Hauskrankenpflege.

Essen auf Rädern

Für ältere Menschen ist es oft schwer, selbst Essen zuzubereiten und sich ausgewogen zu ernähren. Für solche Personen ist der Dienst "Essen auf Rädern" ins Leben gerufen worden. "Essen auf Rädern ist grundsätzlich für alle Personen geeignet, vorausgesetzt das Essen schmeckt dem Betroffenen", erklärt die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Susanna Hitzelhammer. Je nach Anbieter wird einmal am Tag, einmal in der Woche oder an bestimmten Wochentagen Essen bis nach Hause geliefert. Wenn der Bezieher von Essen auf Rädern sein Essen nicht mehr selbst anrichten kann, so muss überlegt werden, wer diese Aufgabe übernehmen kann. Das kann beispielsweise ein Angehöriger, ein Nachbar oder ein Pflegedienst sein.

Essen auf Rädern ist kein überregionales Projekt, sondern abhängig von der jeweiligen Region, in der man zu Hause ist. Es gibt verschiedene Anbieter, wie zum Beispiel die Volkshilfe, das Rote Kreuz oder die Caritas. Für nähere Informationen wenden Sie sich am besten an die regionale Dienststelle einer dieser Einrichtungen oder an Ihr Gemeindeamt. Der Preis für Essen auf Rädern liegt je nach Anbieter zwischen 5 und 9 Euro pro Tag.

Für viele ist auch der persönliche Kontakt mit der Person, die das Essen vorbeibringt, ein angenehmer Nebeneffekt.

Besuchs- und Begleitdienste

Viele Senioren fürchten Einsamkeit und Isolation. Jemanden, der zum Plaudern vorbeikommt, zuhört und bei bestimmten Tätigkeiten begleitend zur Seite steht, schätzen viele. Menschen, denen es schwer fällt, die Wohnung zu verlassen, haben die Möglichkeit, Besuchs- und Begleitdienste in Anspruch zu nehmen. Begleitung beim Einkaufen, bei Arztbesuchen aber auch die Förderung von sozialen Kontakten, beispielsweise durch Unterstützung beim Briefe schreiben oder Kaffeehausbesuchen, werden von solchen Diensten angeboten. Sie führen Gespräche mit den Senioren und hören zu. Durch Bastel- und Handarbeiten wird die Feinmotorik gefördert, aber auch Gesellschaftsspiele stehen auf dem Programm. Betreuer und Betreuter vereinbaren individuell, was während des Besuchs gemeinsam unternommen wird. Ehrenamtliche Mitarbeiter sozialer Einrichtungen führen Besuchs- und Begleitdienste durch und sind daher kostenlos.

Rufhilfe

Viele ältere und alleinstehende Menschen haben Angst, in einer Notsituation keine Hilfe rufen zu können. Die Rufhilfe nimmt den Betroffenen genau diese Sorge, sie bietet Hilfe auf Knopfdruck. Ein kleines Gerät wird ähnlich wie eine Armbanduhr ums Handgelenk getragen. Kommt es zu einer Notsituation, wird via Knopfdruck eine Notrufzentrale verständigt. Über eine Freisprecheinrichtung kann der Hilfsbedürftige mit der Notrufeinrichtung sprechen, ohne den Hörer abzuheben.

Solche Geräte können auch nur für ein paar Wochen eingerichtet werden, z. B. wenn der ältere Mensch nur für eine gewisse Zeit allein lebt. So können sich pflegende Angehörige einen entspannten Urlaub gönnen. "Rufhilfe ist für alle Personen geeignet, die sich damit sicherer fühlen. Oft sind es die Angehörigen, die den Wunsch danach äußern. Bei Menschen, die an einer Demenz leiden, kommt es auf das Stadium der Erkrankung an, einen Versuch ist es aber auf jeden Fall wert, wenn so das Sicherheitsgefühl verbessert werden kann", erklärt Hitzelhammer. Es kann aber auch sein, dass der Versuch scheitert, weil der Pflegebedürftige z. B. die Rufhilfe betätigt ohne dass ein Notfall vorliegt, so muss eine andere Lösung wie z. B. eine 24 Stunden Pflege gefunden werden.

Es gibt viele Einrichtungen, die Rufhilfe anbieten, z. B. die Volkshilfe, das Rote Kreuz, der Samariterbund oder die Caritas. Es ist ein monatlicher Betrag zwischen 15 und 35 Euro zu bezahlen. Am besten informieren Sie sich in einer Einrichtung in Ihrer Nähe über die genauen Kosten.

Zusätzlich zur Rufhilfe werden oft noch weitere Dienste angeboten.

  • Falldetektoren, die automatisch einen Notruf senden, bei einem Sturz
  • Schlüsselsafes: In einer Einsatzzentrale oder an der Wohnungstür wird der Wohnungsschlüssel aufbewahrt, so können Einsatzkräfte im Notfall ins Haus oder die Wohnung gelangen, ohne die Tür aufzubrechen
  • Apparate, die das Läuten des Telefons oder der Türklingel verstärken und mit einem Blinklicht darauf aufmerksam machen.

24 Stunden Pflege

"Wenn der pflegebedürftige Mensch nicht mehr alleine gelassen werden kann, weil er sich in vielen Situationen nicht mehr zurecht findet, desorientiert ist oder er auch oft in Gefahr ist, zu stürzen, macht es Sinn, über eine 24 Stunden Pflegekraft nachzudenken", erklärt Hitzelhammer.

Die Vermittlung einer Pflegekraft erfolgt meist durch eine Agentur, die Sie auch bei anfallenden Formalitäten wie Anträgen für Förderungen oder der Anmeldung der Pflegeperson unterstützt und berät. Eine 24 Stunden Pflege wird ab Pflegestufe 3 vom Staat mit Förderungen unterstützt. Eine Arbeitsperiode ist mit 14 Tagen begrenzt. Das heißt nach 14 Tagen hat die Betreuungskraft 14 Tage frei. Für eine durchgehende Betreuung müssen also 2 Pflegekräfte angemeldet werden. Ein Wechsel kann beispielsweise im 7- oder im 14-Tagesrhythmus erfolgen.

Die Betreuungskraft wohnt während der Betreuungstätigkeit bei der pflegebedürftigen Person und hat Anspruch auf Verpflegung.

Eine 24 Stunden Pflegekraft übernimmt und unterstützt bei einer Reihe von Tätigkeiten

  • Hilfe im Haushalt: Sie kocht, wäscht, putzt und erledigt Besorgungen
  • Unterstützt bei der Lebensführung und bei alltäglichen Verrichtungen
  • Leistet Gesellschaft
  • Begleitet die zu pflegende Person zum Beispiel beim Einkaufen oder bei anderen Unternehmungen
  • Solange keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, unterstützt sie auch bei Tätigkeiten wie essen oder trinken, bei der Körperpflege, beim An- und Ausziehen, sowie beim Aufstehen, Gehen oder Hinlegen
  • Im Einzelfall dürfen auch ärztliche Tätigkeiten verrichtet werden, wenn sie von einem Arzt oder einer diplomierten Pflegekraft an den 24 Stunden Pfleger übertragen wurden. Dazu gehören das Verabreichen von Medikamenten, das Anlegen und Wechseln von Verbänden, die Blutabnahme, um den Blutzucker zu messen, Insulingabe, sowie einfache Licht- und Wärmeanwendungen. Damit eine 24 Stunden Pflegekraft diese Tätigkeiten verrichten darf, ist allerdings die Einwilligung der betreuten Person nötig

Die Kosten für eine 24 Stunden Pflege sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Soll 1 Person betreut werden, liegen die monatlichen Kosten je nach Organisation bei etwa 2.000 Euro. Von diesem Betrag kann dann noch das Pflegegeld abgezogen werden. Ab Pflegestufe 3 wird außerdem ein staatlicher Zuschuss gewährt, der mit steigender Pflegestufe zunimmt. Für eine pflegebedürftige Person der Pflegestufe 3 ergeben sich abzüglich des Pflegegeldes und der Förderung monatliche Kosten in der Höhe von in etwa 1.200 Euro.

Medizinische Versorgung und Pflegeleistung: Mobile Hauskrankenpflege

Hitzelhammer erklärt: "Die mobile Hauskrankenpflege ist für Personen geeignet, die im Allgemeinen noch gut alleine zurecht kommen, aber Hilfe bei bestimmten Tätigkeiten, wie der Körperpflege oder bei Haushaltstätigkeiten brauchen."

Eine diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester (DGKS), eine Pflegehelferin oder eine Heimhilfe betreut stundenweise die pflegende Person zu Hause. So wird eine professionelle Betreuung auch im häuslichen Umfeld möglich. Das Pflegeausmaß, also wie häufig eine Pflegekraft nach Hause kommt und welche Tätigkeiten sie übernimmt, wird individuell festgelegt. Informationen über Einrichtungen in Ihrer Nähe, die mobile Hauskrankenpflege anbieten, erhalten Sie beispielsweise bei Ihrem Hausarzt. Die Kosten variieren je nach Einrichtung und hängen vor allem davon ab, ob für die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen ein diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, ein Pflegehelfer oder eine Heimhilfe am besten geeignet ist. Sie betragen zwischen 30 und 60 Euro pro Stunde.

Die Kosten für Hauskrankenpflege sind vom Einkommen abhängig, je nach Höhe des Einkommens werden sie vom Land gefördert. Je nach Bundesland stehen geförderte Stundensätze zur Verfügung.

Ziel der Hauskrankenpflege ist es einerseits, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, andererseits kann durch die fachgerechte und persönliche Pflege zu Hause oft auch eine Übersiedelung in ein Pflegeheim vermieden werden.

Ein diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger übernimmt Aufgaben wie die Planung und Leitung der Pflege sowie die Ausführung ärztlich angeordneter medizinischer Pflegetätigkeiten wie Verbandwechsel, Injektionen, Insulin spritzen, Sondenwechsel bei Sondenernährung oder Wundversorgung und steht im Austausch mit behandelnden Ärzten und anderen Pflegepersonen.

Ein Pflegehelfer übernimmt Tätigkeiten wie Körperpflege, Mobilisation und unterstützt bei der Nahrungsaufnahme. Ein Heimhelfer übernimmt hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie z. B. Betten machen oder Essen kochen, er unterstützt den Pflegebedürftigen aber auch bei alltäglichen Tätigkeiten wie An- und Auskleiden.

Was ist sonst noch zu beachten?

Wichtig ist es, Platz zu schaffen für eventuell anfallende Hilfsmittel, wie z. B. ein spezielles Krankenbett oder einen Leibstuhl, die für die Pflege eines Angehörigen notwendig sind. Dabei sollte aber auch darauf geachtet werden, dass das Zuhause ein Zuhause bleibt und nicht zu einem Krankenhauszimmer wird.

Für Betroffene steht eine Reihe von Fördermitteln zur Verfügung. Nicht zuletzt das Pflegegeld spielt hier eine wichtige Rolle. Aber auch andere Dienstleistungen werden vom Staat gefördert, sodass eine Pflege zu Hause auch leistbar ist.

Es kann sein, dass die Pflege zu Hause irgendwann nicht mehr möglich ist. Das Wohlergehen des Pflegebedürftigen sollte im Vordergrund stehen. Leidet er unter der Pflegesituation, z. B. aufgrund mangelnder Pflege oder starker Desorientiertheit, sollte überlegt werden, ob es nicht sinnvoller ist, den Gepflegten in ein Altenheim zu verlegen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

DGKS Susanna Hitzelhammer

Leitung Akademie der Volkshilfe NÖ

Quellen

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