Marktanalyse: 6 Fragen zu Pflanzendrinks

Pflanzliche Milchalternativen können einen vielseitigen Speisezettel ergänzen. (M.studio - Fotolia.com)

Pflanzendrinks schmecken lecker und sind eine gute Alternative für Menschen mit Unverträglichkeiten. Was sollten Sie im Sinne einer ausgewogenen Ernährung beim Kauf beachten? 

Pflanzliche Milchalternativen können aufgrund ihrer Kuhmilch-ähnlichen Eigenschaften vielseitig verwendet werden und eine abwechslungsreiche Ernährung ergänzen. Anja Griesser, MSc., klinische Ernährungsmedizin, hat im Zuge einer Marktrecherche insgesamt 108 im Handel erhältliche Produkte erfasst.In verschiedene Kategorien unterteilt (Sojadrinks, Reis- und Reismischdrinks, Getreidedrinks aus Hafer etc.) wurden die Produkte anhand ihres Nährwertprofils ausgewertet. Basierend auf diesen Ergebnissen können einige Empfehlungen für die Praxis abgeleitet werden.

Überblick 

Frage 1: Enthalten Pflanzendrinks genügend Eiweiß?

Eiweiß ist ein wichtiger Baustoff. Der Körper benötigt Proteine unter anderem für die Zellfunktion, die Hormonbildung und für ein intaktes Immunsystem. Speziell Veganer müssen auf eine ausreichende Zufuhr an Eiweiß achten. Für sie ist es wichtig zu wissen, dass viele Pflanzendrinks einen sehr niedrigen Eiweißgehalt aufweisen. Speziell Reisdrinks erreichen durchschnittlich nur sechs Prozent Eiweißgehalt im Vergleich zu Kuhmilch. Hinzu kommt, dass Eiweiß aus tierischen Nahrungsmitteln eine höhere biologische Wertigkeit hat.
Sojadrinks enthalten zwar ein sehr gutes Eiweißprofil, werden aber aufgrund der hormonähnlichen Inhaltsstoffe kontrovers diskutiert.

Tipp: Veganer, die gerne zu Pflanzendrinks greifen, sollten ganz besonders auf ihre Eiweißzufuhr achten. Gute pflanzliche Eiweißquellen sind beispielsweise Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Getreide sowie selbst gezüchtete Sprossen. Eine geschickte Kombination aus verschiedenen Quellen erhöht die Wertigkeit.

Frage 2: Bedeutet „ohne Zuckerzusatz“ tatsächlich „zuckerfrei“?

Wir nehmen alle zu viel Zucker zu uns. Im Rahmen einer gesunden Ernährung sollte die Zufuhr an „leeren Zuckern“, den sogenannten Einfachzuckern reduziert werden. Immerhin 40 Prozent aller Pflanzendrinks sind gesüßt. Die Ausnahme bilden lediglich Reisdrinks. Doch auch in diesen Drinks finden sich größere Zuckermengen wieder. Durch die natürliche, fermentative Herstellung von Reis- und Getreidedrinks wird nämlich ein Teil der natürlich enthaltenen Stärke zu Einfachzuckern abgebaut.

Tipp: Ein Blick auf das Etikett lohnt sich. So müssen alle zugesetzten Zuckerarten als Zutat auf der Produktverpackung deklariert werden. Egal ob Rohr-, Rübenzucker oder Agavendicksaft, Zucker ist Zucker. Zudem wird der Gehalt an Einfachzucker (Monosaccharide) am Etikett angeführt. Manche Drinks sind (mit und ohne Zuckersatz) eher vergleichbar mit Softdrinks. Ganz allgemein sind Pflanzendrinks als Lebensmittel zu betrachten.  

Frage 3: Enthalten Pflanzendrinks wertvolle Fette?

Pflanzendrinks werden unter anderem aufgrund ihrer günstigen, pflanzlichen und cholesterinfreien Fettsäuremuster beworben. 53 Prozent aller Produkte enthalten diese Fette jedoch nicht von Natur aus. Speziell Reis- und Getreidedrinks sind häufig mit Sonnenblumen-, Raps- oder Distelöl angereichert.

Tipp: Mit Ausnahme von Soja- und Nussdrinks sind oft beigemengte Öle für die jeweiligen Fettsäuremuster verantwortlich.

Frage 4: Woher kommt das Calcium in den Pflanzendrinks?

Was den Calciumgehalt anbelangt, schneiden Pflanzendrinks im Vergleich zu herkömmlicher Kuhmilch deutlich schlechter ab. Aus diesem Grund wurde bei 32 Prozent aller Pflanzendrinks Calcium zugesetzt. Konventionelle Produkte enthalten häufig Calciumcarbonat und – phosphat. Bei Drinks aus kontrolliert-biologischem Anbau findet Calcium primär aus einer Algenart (Lithothamnium Calcareum) Verwendung.

Tipp: Organische Calciumsalze sind für den Körper besser verwertbar (bioverfügbar). Unter der Bioverfügbarkeit versteht man im Übrigen jenen Anteil an Nährstoffen, den unser Körper aus der Nahrung als „Motor“ heranziehen kann.

Frage 5: Enthalten Pflanzendrinks Zusatzstoffe? 


Von den untersuchten Produkten enthielten 31 von 108 Milchalternativen Zusatzstoffe. Diese sind beispielsweise in Form von Verdickungsmitteln (Gellan), Säureregulatoren (Mono-/Dikaliumphosphat) oder auch Aromen in den Produkten enthalten. Laut Lebensmittelgesetz müssen bio-zertifizierte Hersteller auf Lebensmittelzusatzstoffe weitgehend verzichten. Wenige Substanzen wie z.B. Guarkernmehl oder Sonnenblumenlecithin sind von dieser Regelung ausgenommen.

Tipp: Nicht überall, wo „Natur“ darauf steht, ist tatsächlich nur Natur drinnen. Immerhin 79 von 108 Produkten werben mit dem „clean label“. Sprich mit Verpackungsaufschriften wie „100 % Natur“, „100 % pflanzlich“, „rein pflanzlich“ oder „100 % vegan“. Diese Begriffe versetzen die Verbraucher in die irreführende Annahme, dass auf Zusatzstoffe gänzlich verzichtet wurde. Da diese „clean labels“ in keiner, engeren gesetzlichen Definition stehen, können jedoch sehr wohl Zusatzstoffe enthalten sein. Allen Pflanzendrinks gemein sind deren Laktose- und Cholesterinfreiheit. 


Frage 6: Gibt es eine abschließende Empfehlung zu Pflanzendrinks?

Die Produkte sollten gezielt nach individuellen Bedürfnissen und Ernährungsmustern ausgewählt werden. Probieren Sie unterschiedliche Produkte und variieren Sie bei der Auswahl. Auf diese Weise vermeiden Sie Einseitigkeiten und nehmen unterschiedliche Nährstoffe zu sich.

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

MSc., MSc., BBS

Anja Griesser

Klinische Ernährungsmedizin

Quellen

  • Interview mit Anja Griessner, klinische Ernährungsmedizin (27.07.2016)

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