PatientInnenanwältin Dr.in Sigrid Pilz

Letzten Montag drehte sich beim MINI MED Studium in Wien alles um die Rechte von PatientInnen. Die Wiener PatientInnenanwältin Dr.in Sigrid Pilz referierte im vollbesetzten Novomatic Forum über ihre Arbeit und über das Angebot und die Möglichkeiten der Wi

Von Kunstfehlern und Komplikationen Es war kein gewöhnlicher MINI MED Vortrag. Nicht nur, dass die Referentin, Patientenanwältin Dr.in Sigrid Pilz, mit dem Fahrrad vorfuhr – auch das [...]

Von Kunstfehlern und Komplikationen

Es war kein gewöhnlicher MINI MED Vortrag. Nicht nur, dass die Referentin, Patientenanwältin Dr.in Sigrid Pilz, mit dem Fahrrad vorfuhr – auch das Thema war dieses Mal kein typisches. Es ging weder um eine Erkrankung noch um die neuesten Behandlungsmethoden oder um Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung. Vielmehr ging es darum, was passiert, wenn in der Krankenversorgung – allen Vorkehrungen zum Trotz – etwas schief geht. Gleich zu Beginn des Vortrags betonte Dr.in Pilz, dass dies nicht heißen muss, dass jemand schuld ist: „Man muss unterscheiden zwischen Komplikationen und Kunstfehler. Die ÄrztInnen schulden den PatientInnen die bestmögliche Behandlung – nicht aber den Behandlungserfolg.“, erklärte die PatientInnenanwältin. An einem konkreten Beispiel: Selbst wenn ein/e Chirurgin keinerlei Fehler macht, kann bei einer Operation eine Ader platzen, was zu Komplikationen und unerwarteten Folgen führt. In solchen Fällen besteht die Möglichkeit einer finanziellen Entschädigung durch den Patientenentschädigungsfonds oder dem Wiener Härtefonds. Mehr zum Thema erfahren Sie auf der Internetseite der PatientInnenanwaltschaft zum Thema Entschädigungen.


PatientInnenanwältin Dr.in Sigrid Pilz und Moderator Andreas Linhart

Gute Information ist die beste Vorbereitung

Eines der wichtigsten Rechte von PatientInnen ist das Aufklärungsgespräch vor der Behandlung. Es stellt sicher, dass der/die PatientIn die Risiken des Eingriffes kennt und eine informierte Entscheidung treffen kann. Was theoretisch einfach und einleuchtend klingt, birgt in der Praxis einige Fallstricke. Das beginnt damit, dass die ärztlichen Erklärungen schwierig zu verstehen sein können – sei es wegen fehlendem medizinischem Wissen oder sprachlichen Schwierigkeiten. Oder es kann passieren, dass man in der ungewohnten Situation des ÄrztInnengespräches vergisst, welche Fragen man eigentlich stellen wollte. Für diesen Fall hilft es, eine Checkliste vorzubereiten. Auf der Website der PatientInnenanwaltschaft gibt es eine interaktive Hilfe dazu. Andere PatientInnen unterschreiben, dass sie informiert worden seien – obwohl kein ausreichendes Gespräch stattgefunden hat. „Auf keinen Fall sollte man auf sein Recht auf Information verzichten, weil man nicht als „aufmüpfiger Patient“ gelten will“, rät Dr.in Pilz.

Die Patientenverfügung

Nicht immer kann sich ein/e PatientIn zu einer bevorstehenden Behandlung äußern. Ein Demenzkranker oder eine Komapatientin kann sich nicht mehr für oder gegen einen Eingriff entscheiden. Mit einer Patientenverfügung kann man jedoch im Voraus sagen, welche Behandlung man nicht möchte. Die behandelnden ÄrztInnen müssen eine solche Verfügung zwingend beachten – wenn Sie Kenntnis davon haben. Die Verfügung sollte gut überlegt sein. Am besten, man bespricht den Inhalt sowohl mit ExpertInnen wie auch mit nahestehenden Menschen. Auf der Website der PatientInnenenanwaltschaft findet sich ein Leitfaden zum Erstellen einer Patientenverfügung.

Gesundheitskompetenz von der Hotline

Gesundheitskompetenz ist ein Kernthema für die PatientInnenanwältin. Medizinische Informationen zu verstehen, aber auch einschätzen zu können, ist wichtig um seine Rechte als PatientIn voll wahrnehmen zu können. Gesundheitsvorträge wie das MINI MED Studium bieten eine Möglichkeit, seine Gesundheitskompetenz zu erhöhen. Eine weitere ist die Unabhängige PatientInneninformationsstelle UPI – eine Hotline, die im Sommer 2013 gestartet ist. Ziel ist die Vermittlung von qualitätsgesichertem wie verständlichem  Wissen. Gesunde und Kranke sollen das neue Angebot nutzen – um Gesundheitsentscheidungen informiert und mündig treffen zu können! Die Unabhängige Patientinnen- und Patienteninformationsstelle UPI ist seit Ende August unter der Telefonnummer 01 544 22 66 erreichbar.

Neben den verlinkten Internetseiten ist die Wiener PatientInnenanwaltschaft natürlich auch  unter der Telefonnummer 01 587 12 04 telefonisch erreichbar. Ebenso berät Sie das Team von Dr.in Sigrid Pilz auch gerne vor Ort: Von MO-FR, 8-16 Uhr in der Schönbrunner Straße 108 (Eingang Sterkgasse) in 1050 Wien.