Orgasmus bei der Frau

Orgasmus bei der Frau
Frauen brauchen länger bis sie zum Orgasmus kommen, das erhöht von Natur aus die Chancen für eine Befruchtung der Eizelle. (Igor Mojzes - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Sexualität

Zu kaum einem anderen Thema in der Sexualmedizin kursieren so viele Spekulationen wie zum weiblichen Orgasmus. Faktum ist: Frauen brauchen Zeit, um zum sexuellen Höhepunkt zu kommen. Das ist ein ausgeklügelter Trick der Natur, um die Chancen auf Nachkommen zu erhöhen.

Zärtliche Berührungen, Liebkosungen stimulieren die Frau, doch jede ist unterschiedlich gepolt. Ein Großteil der Frauen empfindet die Berührung der Brüste als erregend, andere wieder kommen beim Knabbern des Ohrläppchens oder durch einen leidenschaftlichen Zungenkuss in Fahrt. Die Spielarten sind unterschiedlich und für den Mann eine Herausforderung, diese erogenen Zonen zu entdecken. Neuere Studien weisen darauf hin, dass der Weg zum "richtigen" Orgasmus aber im Kopf beginnt. Durch anregende Phantasien, Rollenspiele und Spielchen. Das Gehirn ist daher der wichtigste Protagonist in der Dramaturgie der Lust.

Das steigert die Lust

Klar Kommunizieren

Schweigen ist ein Beziehungs-Killer. Ein Gespräch über die mangelnde Lust kann schon der erste Schritt sein, das Problem zu lösen. Vorwürfe und Forderungen sind hier Fehl am Platz - lieber ruhig über Gefühle sprechen und ausführlich zuhören. (Jenner - Fotolia.com)

Biochemisches Feuerwerk

Im weiblichen Gehirn wird im Zuge der sexuellen Erregung eine Reihe von Botenstoffen frei. So etwa sorgt Dopamin für einen rauschähnlichen Glückszustand, Endorphine führen zur vollkommenen Entspannung. Äußerlich wird diese Phase mit einem Anschwellen der Schamlippen und Brustwarzen bemerkbar, Puls-, Atemfrequenz und Blutdruck steigen an, und die Ausschüttung von weiblichen Sekreten in der Scheide wird spürbar. Dadurch wird die Scheide gleitfähig, der männliche Penis kann leichter eindringen, die Samenzellen gelangen somit rascher an ihren "Ort der Bestimmung", die Chance einer erfolgreichen Befruchtung steigt.

Das Gefühl von Innigkeit und Nähe führt zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin, dem "Kuschelhormon", das den Geschlechtsakt unterstützt. Ganz Wesentliches, um einen lustvollen Orgasmus zu erleben, spielt sich jedoch im Kopf der Frau ab. So können Vertrauen, Selbstliebe, Genussfähigkeit etc. wesentlich dazu beitragen, den Höhepunkt höchst lustvoll zu erleben.

Warum Frauen Zeit brauchen

Der Bereich zwischen Klitoris (Kitzler) und innerer Vagina ist etwa 10 cm lang und mit Nerven besetzt. Die Klitoris ist mit etwa 8000 Nervenfasern ausgestattet, ein hochempfindlicher Bereich also und wesentlicher Mitspieler beim Lustgewinn. Ein Zusammenspiel aus Kopf und Körper und dessen Biochemie ist für den weiblichen Orgasmus verantwortlich.

Dass Frauen langsamer zum Höhepunkt kommen als Männer, ist von der Natur nicht ohne tieferen Sinn so vorgeplant. Wären Frauen rascher am Ziel der Lust, hätte das männliche Sperma im Sinne der Reproduktion wohl geringere Chancen erfolgreich zu sein, also eine Eizelle zu befruchten.

Evolutionäres Programm

Um den männlichen Samen im Idealfall entsprechend rasch weiter zu transportieren, zieht sich die Vagina am Höhepunkt der Lust rhythmisch zusammen, das Sperma gelangt auf diesem Weg in die Gebärmutter, die sich - wie bei Geburtswehen - ebenfalls zusammenzieht. Ein Geschlechtsakt kann jedoch auch Orgasmus der Frau erfolgen, auch in diesem Fall ist eine erfolgreiche Befruchtung möglich.

Ins Reich der Mythen hingegen verweisen Sexualmediziner die Mär vom G-Punkt. Wenn Frauen einen klitoralen Höhepunkt erreichen, ist das für sie befriedigend und lustvoll, nicht immer muss daran gleich ein vaginaler Orgasmus erfolgen. Studien zeigen, dass 50 % aller Frauen auch glücklich und zufrieden sind, wenn sie keinen Höhepunkt erleben; zum Leidwesen der Männer, die den weiblichen Orgasmus oft als Erfolgsprämie für ihre Anstrengung sehen. Kein Wunder also, dass manch liebende Frau den Orgasmus vortäuscht, immerhin tut dies fast jede 4. einmal, um den Partner zu belohnen oder einfach um abzuwinken und zu signalisieren: für mich ist der Akt erledigt fürs erste erledigt.

Die gute Nachricht: Sex ist für Frauen auch nach dem Höhepunkt noch möglich. Zwar steigt bei beiden Geschlechtern der Prolaktin-Spiegel an, doch während er bei Männern das Ende des Liebesspiels einleitet, können Frauen, trotz erhöhtem Prolaktin-Wert noch mehrere Orgasmen erleben.

Weiterführende Informationen

Quellen

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