Neugeborenenhörscreening: gut hören von Anfang an!

In sehr seltenen Fällen ist das Gehör des Neugeborenen so stark geschädigt, dass das Kind kaum oder gar nichts hören kann. Ein Hörscreening gibt Aufschluss darüber. (Jenny Sturm - Fotolia.com)

Gleich nach der Geburt werden Säuglinge in der Klinik einem gründlichen Gesundheitscheck im Rahmen des Mutter-Kind-Passes unterzogen – auch ein Screening-Test des Gehörs ist dabei. Die Früherkennung von Hörproblemen kann für eine unbeeinträchtigte spätere Entwicklung des Kindes wichtig sein.

Ärzte kontrollieren, ob ein Neugeborenes Fehlbildungen hat, ob Puls, Atmung und Reflexe normal sind. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über mögliche Stoffwechselkrankheiten. Auch das Gehör der Kleinen wird kurze Zeit nach der Geburt untersucht. Mit diesem Test können schon bei Neugeborenen angeborene Hörstörungen diagnostiziert werden. Von 1.000 Neugeborenen kommen 2-3 Kinder mit einer Schwerhörigkeit zur Welt, die umgehendes Eingreifen erfordern.

Durchführung des Hörscreenings 

Das Neugeborenenhörscreening dauert in der Regel nur wenige Minuten, ist schmerzfrei und nicht invasiv. Mit zwei häufig angewendetet Messmethoden lässt sich das Gehör zuverlässig überprüfen: über die Messung Otoakustischer Emissionen (OAE) oder mittels eines Auditory Brainstem Response (AABR).

  • Bei den Otoakustischer Emissionen (OAE) wird dem Baby eine kleine Sonde in das Ohr gehalten, über die leise Test-Töne angeboten werden. Ein normalhörendes Innenohr schickt als Antwort leise Töne (otoakustische Emissinen) zurück. Mit diesen Emissionen kann die Funktion des Gehörs bis zum Innenohrs nachgewiesen werden. Diese Untersuchung wird standardmäßig bereits in den meisten Krankenhäusern durchgeführt und demnächst im Mutter-Kind-Pass vorgesehen.

  • Bei der ABR (Auditory Brainstem Response – Antwort des Hirnstammes auf Schallreize) werden dem Baby über Lautsprecher oder ebenfalls über eine Sonde leise Klicklaute vorgespielt. Über Klebeelektroden - wie bei einem EEG - lassen sich die Nervenpuls bis zum Hirnstamm messen. Mit dieser Methode kann das kindliche Hörsystem bis zum Hirnstamm überprüft werden. Dieses Testverfahren gibt umfangreichere Information über das Gehör. Es ist etwas aufwendiger als eine OAE und wird daher oft nur zur diagnostischen Absicherung bei Kindern mit auffälligen OAE Ergebnissen durchgeführt.

Auffällige Werte bei diesen Tests bedeuten nicht automatisch, dass das Baby schwerhörig oder taub ist. Das Hören kann z.B. durch Fruchtwasser im Gehörgang beeinträchtigt sein, das erst noch abfließen muss. Bei abweichenden Ergebnissen sollte das Gehör des Kindes aber unbedingt etwas später noch einmal überprüft werden, um bei einer eventuellen Hörstörung adäquat reagieren zu können.

Frühzeitige Hilfe für ein normales Leben

Für die weitere Entwicklung des Kindes ist es wichtig, Hörprobleme früh zu erkennen. Unerkannte oder unbehandelte Probleme können weitreichende Folgen für das gesamte Leben haben. Daher sollte das Hörscreening in den ersten Tagen nach der Geburt erfolgen und bei auffälligen Ergebnissen wiederholt werden. Kinder mit Hörbeeinträchtigung sollten bereits im Babyalter entsprechende Hörhilfen erhalten.

Hört ein Kind schlecht, kann das die Sprech- und Lautsprachentwicklung beeinflussen. Auch die emotionale und soziale Entwicklung betroffener Kinder kann unter der Hörminderung leiden: Wer schlecht hört, hat im Alltag mehr Probleme, mit anderen in Kontakt zu treten und sich z.B. am Spiel zu beteiligen. Gerade in lauter Umgebung wie im Kindergarten, in der Schule oder auf dem Spielplatz können hörbeeinträchtigte Kinder oft nicht mithalten. Deshalb haben es Kinder mit Hörproblemen in der Schule oftmals schwerer als Normalhörende. Mit entsprechenden Hörhilfen kann frühzeitig gegengesteuert werden.

Hörhilfen für die Kleinsten

Eine Versorgung mit Hörhilfen und entsprechende Hörrehabilitation sollten möglichst innerhalb der ersten sechs Lebensmonate beginnen. Um richtig reifen zu können, benötigen die kindlichen Hörbahnen gerade in den ersten Lebensjahren akustische Reize.

Es gibt verschiedene Ursachen und Arten von Schwerhörigkeit. Für alle Formen der Hörstörung gibt es entsprechende Hörhilfen – von Hörgeräten bis hin zu unterschiedlichen Hörimplantat-Typen. HNO-Ärzte beraten individuell, welche Hörlösung angebracht ist. Dank der Vielzahl an Möglichkeiten kann in den meisten Fällen von Hörbeeinträchtigung und sogar Gehörlosigkeit gutes Hören ermöglicht werden.

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