Neue Medikamente für Schwangere durch Plazentaforschung

Universität Graz untersucht

Die Plazenta versorgt das ungeborene Kind mit Nahrung und ist gleichzeitig eine wichtige Barriere gegen eine Vielzahl von für den Körper unverträglicher Substanzen.

Ihre Durchlässigkeit für Umweltgifte und Medikamente, welche die Mutter während der Schwangerschaft ein- und aufnimmt, untersuchen Forscher an der Medizinischen Universität Graz.

Plazenta für die Forschung

Werdende Mütter - bisher vor allem Frauen mit geplanter Kaiserschnittgeburt - werden an der Grazer Frauenklinik im Aufnahmegespräch gebeten, ihre Plazenta der Forschung zu spenden. Das Organ, das sonst einfach entsorgt wird, kann dazu beitragen, dass künftig Kinder bereits im Mutterleib zielgerichtet behandelt werden können. Andererseits will man verhindern, dass medikamentöse Therapien von Schwangeren die Gesundheit der Ungeborenen beeinträchtigen, schilderte Christian Wadsack von der Grazer Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Gespräch mit der APA. Da von den meisten Wirkstoffen bisher nicht ausreichend bekannt ist, ob und in welchem Ausmaß sie die Plazenta passieren können, sind zurzeit noch wenige Medikamente für Schwangere zugelassen.

"Der Funktionsmechanismus der biologischen Barriere Plazenta ist von großem Interesse für die Medizin, Tierversuche sind allerdings aus ethischen Gründen fragwürdig, außerdem sind sie nicht immer genügend repräsentativ für den menschlichen Organismus", so der Leiter des von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG mit 700.000 Euro geförderten Research Studios "PlaZentaTox". Sein Team will den Partikeltransport durch die Plazenta genauer verstehen und prüft an den gespendeten Plazenten, wie durchlässig das Gewebe ist. Eine Rolle spiele nicht nur die Größe und elektrische Ladung der Partikel, sondern auch deren physikalisch-chemischen Eigenschaften, wie Wadsack in bisherigen Studien u.a. zum Transport von Cholesterin und Fettsäuren zeigen konnte.

Plazentaperfusion

Wadsack arbeitet man mit der Methode der sogenannten Plazentaperfusion. Dabei können Plazenten nach der Geburt noch für einigen Stunden am Leben gehalten werden, indem sie künstlich durchblutet werden. Derzeit hätten nur wenige europäische Zentren das Know-how, mit dieser sehr aufwendigen und komplizierten Methode zu arbeiten und Tests an der Plazenta durchzuführen", schilderte der Grazer Experte. Mithilfe von Plazenten aus Spontangeburten will man die Zahl der Perfusionen von bisher 100 auf 300 jährlich erhöhen. Damit soll sowohl die Grundlagenforschung ausgebaut als auch eine Möglichkeit geschaffen werden, die Methode industriellen Partnern anzubieten.

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Quellen

  • APA med, Medikamente für Schwangere: Med-Uni Graz untersucht Wirkung aufs Kind, 10.06.2014