"Nein" sagen lernen im Job

"Nein" sagen lernen im Job: Person streckt ablehnend die Hände von sich
Richtig "nein" sagen will gelernt sein. (DDRockstar - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Burnout

Ein klares, selbstbewusstes, aber freundliches "Nein" wird Sie anfangs Kraft kosten - aber es zahlt sich aus, das "Nein"-Sagen zu lernen, vor allem im Job.

Wer zu jeder Bitte seiner Mitmenschen "Ja" sagt, steuert auf ein Dilemma zu: Es können nicht alle Wünsche erfüllt werden, ohne dass es Konsequenzen gibt, die langfristig negativ für Sie ausfallen. Diese Konsequenzen reichen von Ihrer Überforderung bis hin zu gesundheitlichen Problemen oder Vertrauensverlust durch Kollegen oder Vorgesetzte, weil Sie es nicht schaffen, rechtzeitig Grenzen zu setzen. Wenn Sie beim "Nein"-Sagen einige Grundregeln beachten, wird Ihr Gegenüber verstehen, dass es Ihre Bedürfnisse nicht mehr so einfach übergehen kann. Üben Sie das "Nein"-Sagen und scheuen Sie sich auch nicht davor, ein "Ja" zurückzunehmen, wenn Ihr Gesprächspartner Sie mit einer Bitte überrumpelt hat.

Überblick:

Gründe, warum das "Nein" nicht klappt

Es gibt viele Gründe, warum uns das "Nein" so schwer über die Lippen kommt. Dazu zählen unter anderem diese:

  • Wunsch nach Harmonie / Vermeidung von Konflikten: z.B. "Wenn ich mich weigere, Überstunden zu machen, ist mein Chef sicher böse auf mich."
  • Perfektionismus: z.B. "Ich übernehme die Arbeit von meinem Kollegen lieber selbst, damit das Projekt auch wirklich ordentlich vorbereitet wird."
  • Mitleid: z.B. "Meine Kollegin macht gerade eine schwierige Trennung durch, da sollte ich ihr so viel Arbeit wie möglich abnehmen."
  • Wunsch nach Anerkennung: z.B. "Wenn ich heute Nacht noch alle Rechnungen ausstelle, wird mich meine Chefin sicher loben."
  • Erwiderung eines Gefallens: z.B. "Meine beste Freundin hat mir geholfen, als ich Liebeskummer hatte, deswegen sollte ich jetzt auch ihr helfen und auf ihre Katze aufpassen."
  • Pflichtgefühl: z.B. "Ich muss meine Großmutter pflegen, schließlich gehört sie zur Familie."
  • Liebe: z.B. "Ich liebe meinen Mann so sehr, dass ich ihn trotz seines Seitensprungs nicht vor die Tür setzen kann."

Es gibt Menschen und Situationen, bei denen wir uns schwerer tun, "Nein" zu sagen. Oft behelfen wir uns dann mit einem versteckten "Nein", z.B. sagen wir: "Eigentlich passt mir das nicht so gut" oder "Das ist jetzt eher ungünstig". Doch zum klaren und selbstbewussten, aber trotzdem freundlichen "Nein" können wir uns oft schwer durchringen.

Die Angst vor der Reaktion des Gegenübers

Wenn Sie "Nein" sagen, hat das zwangsläufig Konsequenzen – davor haben viele Menschen Angst. Sie befürchten, mit dem "Nein" ihr Gegenüber zu verärgern oder zu enttäuschen. Diese Furcht ist oftmals unangemessen. Wenn Sie nämlich immer nur "Ja" auf die Bitten Ihrer Mitmenschen antworten, können Sie auf die Dauer gar nicht mehr abschätzen, wie schlimm denn die Reaktion des Gesprächspartners wirklich wäre. Aus Angst begibt man sich dann in den Teufelskreis des ständigen "Ja"-Sagens.

Denken Sie an Situationen, in denen Sie lieber gerne "Nein" gesagt hätten, anstatt einer Bitte zuzustimmen - und machen Sie sich bewusst, aus welchen Gründen oder Ängsten heraus Sie es getan haben. Denken Sie daran: Man wird Sie trotzdem als sympathischen, liebenswerten, verlässlichen und kompetenten Menschen sehen, auch wenn Sie einmal eine Bitte ausschlagen.

Konsequenzen des "Ja"-Sagens

Auch wenn Sie sich durch das Erfüllen der Wünsche anderer kurzfristig beliebt machen: Langfristig sind die Folgen nicht so positiv. Spätestens wenn mehrere Arbeitskollegen, Vorgesetzte oder Kunden dringende Anfragen an Sie stellen, die sofort bearbeitet werden müssen, werden Sie feststellen: Es gibt einen Interessenskonflikt und es geht nicht alles gleichzeitig. Auch im privaten Bereich kann es vorkommen, dass eine Freundin abends mit Ihnen ausgehen will, während eine andere Sie bittet, am selben Abend auf ihr Kind aufzupassen. Mit einem Wort: Alle Bitten mit "Ja" zu erwidern, wird nicht funktionieren.

Wer trotzdem zu allen "Ja" sagt, obwohl die Arbeitsbelastung enorm ist oder die verschiedenen Interessen der Bittenden einfach nicht zusammenpassen, verärgert Kollegen, Chef oder Freunde erst recht und hinterlässt einen schlechten Eindruck, weil er oder sie seine zeitlichen Ressourcen nicht richtig einschätzen kann. Zudem stellt ständiges "Ja"-Sagen ein Risiko für die Gesundheit dar (von Burnout über Depressionen bis hin zu Herz- oder Verdauungsproblemen) und kann langfristig auch Ihre Arbeitsstelle gefährden, wenn Sie nicht rechtzeitig Ihre persönlichen Grenzen aufzeigen.

Wie sage ich richtig "Nein"?

Ein klares "Nein" formulieren zu können, ist in solchen Situationen mehr als notwendig. Rufen Sie sich folgende Punkte in Erinnerung, wenn Sie einer Bitte Ihres Gegenübers nicht nachkommen können oder wollen:

  • Sprechen Sie Ihr "Nein" mit fester Stimme aus und schauen Sie dabei Ihrem Gesprächspartner in die Augen.
  • Verlieren Sie sich nicht in vagen Formulierungen, sondern achten Sie darauf, dass das "Nein" auch als "Nein" ankommt.
  • Seien Sie nicht unfreundlich, sondern vermitteln Sie Ihr "Nein" in einem angemessenen Tonfall.
  • Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie einmal "Nein" sagen.
  • Betteln Sie nicht um Verständnis.
  • Rechtfertigen Sie sich nicht.
  • Erfinden Sie keine Ausreden oder Notlügen.
  • Machen Sie sich nicht selbst vor Ihrem Gegenüber schlecht, weil Sie "Nein" sagen.

Üben Sie das "Nein"-Sagen

Anfangs wird es Ihnen vielleicht schwer fallen, aus der alten Routine auszubrechen und auch einmal "Nein" zu sagen. Üben Sie das "Nein"-Sagen mit Freunden oder dem Partner/der Partnerin, z.B. nach folgendem Schema:

  • Machen Sie eine kurze Nachdenkpause, bevor Sie die Bitte beantworten.
  • Lehnen Sie die Bitte mit einem klaren "Nein" ab, z.B. "Nein, das geht leider nicht."
  • Wenn jemand hartnäckig bleibt und mit "Wieso nicht?" nachfragt, stellen Sie die Gegenfrage: "Wie, wieso nicht?" In den meisten Fällen wird Ihr Gegenüber bemerken, dass die Frage taktlos war.
  • Bei besonders hartnäckigen Menschen, die trotz Ihrer Gegenfrage weitere Erklärungen fordern, müssen Sie standfest bleiben: Wiederholen Sie Ihr "Nein" und lassen Sie sich nicht auf weitere Diskussionen ein.

Nachträglich "Nein" sagen

Manchmal wird es vorkommen, dass Sie sich doch überrumpeln lassen und "Ja" sagen, obwohl Sie gerne "Nein" gesagt hätten. Wenn Sie also von jemandem mit einer Bitte überrascht wurden, der Sie zugestimmt haben, können Sie diese Zusage auch wieder zurücknehmen. Dabei können Sie wie folgt vorgehen:

  • Kommen Sie gleich zum Thema und sprechen Sie die Bitte an: "Sie haben mich gestern darum gebeten…"
  • Formulieren Sie Ihre Absage kurz und klar: "Leider kann ich Ihrer Bitte doch nicht nachkommen."
  • Rechtfertigen Sie sich nicht, wenn Ihr Gegenüber eine Erklärung haben möchte: "Ich möchte dazu nicht mehr sagen."
  • Versuchen Sie nicht, das Problem des anderen lösen zu wollen und lassen Sie sich nicht von Ihrem Gegenüber provozieren.
  • Sie können, wenn Sie möchten, Übergangslösungen anbieten: "Ich kann heute länger in der Arbeit bleiben, aber für den Rest der Woche müssen Sie jemand anderen einteilen."

Quellen

  • Die Kunst, freundlich Nein zu sagen: Konsequent und positiv durch Beruf und Alltag, T. Baum, Redline Wirtschaft, Finanzbuch Verlag, 2. Auflage, München, 2008
  • Nein sagen: Die besten Strategien, M. Radecki, Haufe Verlag, 2. Auflage, Freiburg, 2010

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