Nach der Geburt: Die ersten Wochen

Nach der Geburt: Die ersten Wochen: Mutter mit Baby in Tragetuch
Nach der Geburt können sich Baby und Eltern richtig kennenlernen. (Johannes Hloch)
Die Geburt ist geschafft - endlich ist das Baby da! Die ersten Wochen nach der Geburt sind ein Abenteuer, eine Zeit des Kennenlernens. Das Baby braucht 24 Stunden Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe.

Die wertvolle und wichtige Zeit des Stillens bringt für die Mutter mit ihrem Baby eine unglaubliche Umstellung des bisherigen Alltags mit sich. Währenddessen erholt sich ihr Körper von der Geburt, stellt sich auf das Stillen um und viele Rückbildungsmechanismen werden in Gang gebracht. Das Baby verarbeitet die Geburt und findet sich Schrei für Schrei in seiner neuen Welt zurecht. Der Vater muss sich ebenfalls auf die neue Lebenssituation als Familie einstellen. Er wird jetzt genauso wie die Mutter von seinem Kind gebraucht und ist zusätzlich eine wertvolle Stütze für seine Partnerin.

Die ersten Wochen als Mutter: Wochenbett & Stimmungschaos

Das Wochenbett beginnt unmittelbar nach der Entbindung und dauert 8 Wochen. Mit dem Baby zu Hause angekommen, hat die Mutter nicht nur enorme soziale Veränderungen zu verarbeiten. Ihr Körper muss sich von der Geburt erholen: Mögliche Geburtsverletzungen heilen, die Gebärmutter bildet sich zurück, die Plazentahaftstelle verheilt - der Wochenfluss zeigt die Heilung dieser Vorgänge. Auch der Hormonhaushalt stellt sich von den Schwangerschaftshormonen um auf die Milchbildung.

Durch die hormonellen Veränderungen und den Schlafmangel, den ein Baby durch seinen fehlenden Tag-Nacht-Rhythmus in den ersten Wochen nach der Geburt mit sich bringt, sind viele Frauen in der Wochenbett-Zeit sehr sensibel. Zudem stürzt die Erkenntnis, nun unwiderruflich Mutter zu sein und die Verantwortung für ein Kind mit all seinen Bedürfnissen zu haben, viele Frauen in ein Gefühlschaos: Eine Hochstimmung unbändiger Liebe für das wehrlose, kleine Geschöpf wechselt sich mit Gefühlen wie Überforderung und großer Traurigkeit ab. Ungefähr die Hälfte aller Wöchnerinnen erlebt diesen sogenannten "Baby-Blues".

Tipps für die Mutter

  • Begreifen Sie das Wochenbett zu Hause als eine Zeit, in der Erholung und die Eltern-Kind-Bindung im Vordergrund stehen sollten. Gönnen Sie sich Ruhe, konzentrieren Sie sich ganz auf sich und das Baby und lassen Sie sich verwöhnen!
  • Lernen Sie aber auch Nein zu sagen: Lehnen Sie Besuch ab, wenn es Ihnen oder sichtlich auch dem Kind zu viel wird. Genießen Sie diese besondere Zeit der Zwei- bzw. Dreisamkeit für mehrere Wochen. Nehmen Sie jedoch Hilfe an von Großeltern, Familie und Freunden, die Ihnen im Alltag wertvoll unter die Arme greifen.
  • Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kümmern Sie sich schon vor der Entbindung um eine Hebamme. Die Hebamme unterstützt Sie nicht nur bei typischen Neugeborenen-Komplikationen oder Stillproblemen, sondern weiß auch um die seelische Verfassung frischgebackener Mütter und bietet emotionale Unterstützung an. Studien zeigen, dass sich die psychische Befindlichkeit und die Zufriedenheit von Frauen steigern, wenn sie mindestens 1 Monat lang nach der Geburt von Hebammen begleitet werden.
  • Versuchen Sie, Ihr Gefühlschaos anzunehmen. Denken Sie daran, dass es sehr vielen Wöchnerinnen gleich geht. In dieser aufregenden, neuen Lebensphase gehören Schwäche, Müdigkeit und Tränen einfach dazu. Geben Sie sich selbst Zeit, sich an das Leben mit dem Baby zu gewöhnen. Geht es Ihnen jedoch über längere Zeit schlecht, kann eine sogenannte Wochenbettdepression dahinterstecken. Bitte wenden Sie sich an Ihre nachbetreuende Hebamme oder Ihren Arzt. Sie müssen unbedingt ärztlich behandelt werden!
  • Nutzen Sie Zeiten, in denen das Baby schläft, für sich. Das heißt nicht, den Haushalt auf Vordermann zu bringen! Legen Sie Ihren Perfektionismus ab und versuchen Sie sich in den kurzen Ruhezeiten der ersten Wochen selbst zu entspannen oder die Zeit für Gespräche und Zärtlichkeit mit dem Partner zu nutzen.
  • Denken Sie auch mal an sich: Ihr Baby darf, wenn es ihm gut geht, gerne ein paar Stunden bei Papa, Oma, Opa oder anderen vertrauten Personen verbringen, ohne dass Sie ein schlechtes Gewissen haben müssen.

Die ersten Wochen des Babys: Ankommen in einer neuen Welt

Der Start ins Leben ist nicht so einfach: Ein Neugeborenes ist, wie der Name schon sagt, neu in diese Welt geboren. Noch ist alles fremd. Bislang hatte das Baby in einer wassergefüllten Blase gelebt. Dort hat es niemals wirklich Veränderungen der Umgebung wahrgenommen. Jetzt blendet Licht, manches ist kalt und anderes warm. Einige Kinder scheinen sich in der neuen Welt gleich wohl zu fühlen; andere haben ein wenig mehr Schwierigkeiten, richtig anzukommen oder die vielen Reize zu verarbeiten.

In der Fruchtblase kannte das Kind keinen Hunger und kein "alleine sein". Es wurde kontinuierlich über die Plazenta versorgt und Mama hat es Tag und Nacht getragen und geschaukelt. Nun ist alles anders, Nahrung gibt es über die Brust oder mit Hilfe des Fläschchens und für alle Bedürfnisse hat Ihr Baby nur eine Sprache!

Jedem Neugeborenen fehlt zudem der Tag-Nacht-Rhythmus: Das Baby muss erst lernen, dass es Tag und Nacht überhaupt gibt. Und dass man tagsüber aktiv ist und nachts Schlafenszeit ist. Zwischen der 2. und 10. Lebenswoche beginnt das Schlafverhalten regelmäßiger zu werden, was jedoch nicht heißt, dass das Baby dann schon während der Nacht durchschlafen muss.

Tipps für die Eltern

Bedenken Sie, welche Erlebnisse Ihr Kind vor und unmittelbar nach der Geburt hatte. Geben Sie Ihrem Kind Zeit zur Verarbeitung. Den Übergang in diese Welt erleichtern Sie dem Neugeborenen durch einen geregelten Rhythmus. Passen Sie zudem auf, dass es nicht zu viele Reize verarbeiten muss.

Versuchen Sie gelassen zu bleiben, wenn es schreit. Alle Babys schreien, da sie sich abgesehen von Mimik und Bewegungen nur so verständigen können. Die "Sprache des Babys" lernen Eltern aber immer besser verstehen. Dabei können Ihnen Experten helfend zur Seite stehen. Scheuen Sie sich nicht, Kinderärzte und Hebammen anzusprechen, wenn Ihr Kind auffallend viel weint.

Lassen Sie das Kind die Nahrungsaufnahme selbst bestimmen. Der kleine Magen kann noch nicht viel fassen, aber das Baby wächst rasant. Eigentlich klar, dass es oft Hunger hat. Freuen Sie sich über seinen guten Appetit.

Nehmen Sie sich die Zeit, die Körperbewegungen, die Tonlagen beim Weinen und die Mimik Ihres Kindes zu beobachten. Bereits wenige Tage nach der Geburt können Sie dann an seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen erkennen, was Ihrem Baby fehlt.

Versuchen Sie die Bedürfnisse des Babys immer schnell zu befriedigen. Babys weinen, weil sie etwas sagen möchten. Wenn ihre "Botschaft" nicht angenommen wird, empfinden sie Angst und machen sich noch stärker bemerkbar. Je mehr Sie den Bedürfnissen des Neugeborenen nach Zärtlichkeit, Wärme und Nahrung nachkommen, desto sicherer fühlt sich das Kind. Es baut tiefes Vertrauen zu seinen Eltern auf (Bonding).

Die ersten Wochen als Vater: zwischen Beschützer und Zaungast

Als die Frau schwanger war, hatte auch der Vater monatelang Zeit, sich auf die kommende Situation als Familie einzustellen. Dennoch erwischt das "Vater-Sein" viele Männer nach der Geburt oft kalt: Schlaflose Nächte, die Frau ist gereizt und wirkt manchmal richtig fremd. Das Baby lässt sich nur in Mamas Armen oder an ihrer Brust beruhigen. Und auch das Liebesleben ist zunächst - zumindest für die Zeit des Wochenflusses - dahin. Das kann frischgebackene Väter ganz schön frustrieren. Vielleicht beschleicht sie sogar manchmal das Gefühl, überflüssig zu sein, wenn Mutter und Kind ganz versunken ineinander sind. Doch ein Kind braucht auch seinen Vater - und zwar von Anfang an: Kinder mit sicherer Bindung zum Vater erkranken später seltener an psychischen Krankheiten. Das ist sogar wissenschaftlich bewiesen.

Auch die Mutter benötigt in der Wochenbett-Zeit die Unterstützung des Partners. Nach den Anstrengungen der Geburt ist sie geschwächt und braucht ihre ganze Kraft für das Baby. Der Vater ist in dieser Zeit ihr Beschützer, der darauf achtet, dass seine Partnerin viel Ruhe genießen kann. Zudem sollte der Vater zu viel Besuch von Bekannten und Verwandten einschränken. In der ersten Zeit nach der Geburt geht es vor allem darum, dass Eltern und Baby sich kennenlernen.

Tipps für den Vater

Nehmen Sie sich gerade am Anfang ganz bewusst viel Zeit für Ihre neue Familie. Schön ist, wenn Sie sich Urlaub nehmen. Dann können Sie den Haushalt übernehmen, einkaufen und für Ihre Frau kochen.

Versorgen Sie Ihr Kind, wickeln und baden Sie es. Das Pflegepersonal im Spital oder die Hebamme daheim bei der Nachsorge zeigen Ihnen gerne, wie man sich optimal um ein Neugeborenes kümmert.

Gönnen Sie Ihrer Frau Zeit für sich selbst! Wenn das Baby gestillt und dadurch satt und zufrieden ist, können Sie schon viel mit ihm unternehmen: Tragen Sie es herum, singen Sie ihm etwas vor und spielen Sie mit Ihrem Kind. Ein erster kleiner Spaziergang ist mit einem gesunden Baby bei schönem Wetter schon wenige Tage nach der Geburt möglich. Die besten Tageszeiten für Babys Spaziergang sind im Sommer die Vormittags- und späteren Nachmittagsstunden. Bei kühlerem Wetter sollte man dafür eher die milderen, frühen Nachmittagsstunden nutzen.

Falls der Baby-Blues auch Ihre Frau sehr stark beeinträchtigt, spenden Sie ihr Zuspruch, Lob und liebevolle Zuwendung. Ihr Kind wird sich nur wohlfühlen, wenn es auch der Mutter gut geht. Streitereien sollten in dieser sensiblen Zeit generell tabu sein. Sie belasten auch das Neugeborene stark. Umsorgen Sie Ihre Partnerin und das Baby im Wochenbett intensiv, Ihre Frau wird gerührt und dankbar sein. Die Paarbeziehung festigt sich nach dieser anstrengenden Zeit maßgebend.

Sex können Sie nach der Geburt eines Kindes erst wieder mit Ihrer Frau haben, wenn sie dafür bereit ist, keine Schmerzen mehr hat und der Wochenfluss versiegt ist - sonst besteht die Gefahr einer Infektion. Zudem sollten beide Lust haben und es muss Zeit für das Liebesspiel sein. Da ein Neugeborenes quasi rund um die Uhr Aufmerksamkeit braucht, machen Sie sich keinen Stress! Ihr Kind wird wachsen, sein Appetit- und Schlafrhythmus wird sich regulieren und dann steht Ihnen als Paar noch viel Zeit zur Verfügung.

Der Start ins Eltern-Sein: die Herausforderung gut meistern

Die Kommunikation mit einem Baby, das noch nicht unsere Sprache spricht, ist eine Herausforderung. Sie werden sich manchmal fragen, warum Ihr Kind nicht mit einer Bedienungsanleitung versehen ist. Was will es durch sein Schreien ausdrücken? Wieso schläft es nicht? Oftmals entsteht dann eine große Verunsicherung bei den Eltern, aus Sorge, nicht alles richtig zu machen. Streit kann schneller entstehen. Manchen Paaren wird die Belastung - ob finanziell oder emotional - in der ersten Zeit nach der Geburt zu groß. Sie sollten sich dann nicht scheuen, Profis wie Hebamme, Kinderarzt, Stillberaterinnen oder Familienberatungsstellen um Rat zu fragen!

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Gerlinde Feichtlbauer

Hebamme

Leitung Hebammengremium Landesgeschäftsstelle OÖ, Vizepräsidentin Österreichisches Hebammengremium

Quellen

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