Die größten Mythen rund um die Schwangerschaft

Die größten Mythen rund um die Schwangerschaft: auf dem Bauch einer Schwangeren befindet sich ein Fragezeichen
Unzählige Mythen ranken sich rund um den Babybauch - Was stimmt und was nicht? (Johannes Hloch)

Um das Thema Schwangerschaft grassieren viele Mythen: So wird das Geschlecht des Kindes anhand der Wölbung des Schwangerschaftsbauches bestimmt, die Schwangere soll plötzlich für 2 essen oder die junge Mutter wähnt sich während der Stillzeit in Sicherheit nicht schwanger werden zu können.

Eltern, Freunde oder Kollegen - jeder glaubt Experte zu sein. Für ein Paar ist es gar nicht so einfach, die Wahrheit von den Ammenmärchen zu unterscheiden. Im Folgenden stehen die häufigsten Mythen rund um den Babybauch auf dem Prüfstand:

Mythe 1: In der Schwangerschaft muss für Zwei gegessen werden

Stimmt nicht! Die ersten Monate reicht es mengenmäßig durchaus so viel zu essen wie zuvor, ab dem 4. Monat darf es etwa mehr sein. Im Durchschnitt benötigt eine Schwangere etwa 250 kcal mehr für ihr Baby. Zur Orientierung: Das entspricht etwa einem Apfel und einem halben Liter Buttermilch. Statt Quantität ist hingegen Qualität gefragt, also nicht mehr essen, sondern gesünder! Achten Sie auf eine gesunde, ausgeglichene und vollwertige Küche. Ideal sind fünf Mahlzeiten am Tag. Bis Ende der Schwangerschaft ist eine Zunahme von bis zu 12 Kilo normal.

Mythe 2: Alle Schwangeren haben seltsame Gelüste

Stimmt nicht! Der Geruchs- und Geschmackssinn kann sich aufgrund der Hormone während der Schwangerschaft verändern. Muss aber auch nicht sein. Einige Frauen bekommen Lust auf Lebensmittel, die sie zuvor nicht gerne gegessen haben. Oder umgekehrt schmecken Dinge nicht mehr, die zuvor oft und gerne auf den Speiseplan gestanden sind.

Mythe 3: Schwangerschaftsstreifen können durch Massagen verhindert werden

Stimmt nicht! Ob Streifen auftreten oder nicht, ist eine Frage des Gewebes. Festes Gewebe bekommt eher Risse als lockeres. Eincremen und Massieren ist sicher angenehm, wird aber keinen oder wenig Effekt auf die Haut haben.

Mythe 4: Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt

Stimmt nicht! Die Chance auf eine normale Geburt nach einem Kaiserschnitt liegt bei etwa 60 %. Sofern keine Faktoren vorliegen, die eine vaginale Geburt unmöglich machen, wie ein zu enges Becken der Mutter, ein zu hohes Gewicht des Kindes oder einen Abstand von weniger als einem Jahr zwischen den Geburten, kann durchaus eine normale Geburt probiert werden.

Mythe 5: Alle Schwangeren leiden in den ersten 3 Monaten an Übelkeit und Erbrechen

Stimmt nicht! Der Körper braucht etwas Zeit bis er sich auf die neue Hormonsituation umgestellt hat. Das kann sich vor allem in den ersten 3 Monaten durch Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit äußern. Bei einem Viertel aller Schwangeren treten gar keine Symptome auf, selten leiden Schwangere während der ganzen 9 Monate dran.

Mythe 6: In der Schwangerschaft muss sich die werdende Mutter schonen

Stimmt nicht! Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit! Bungeejumping und Wildwasserrafting sind jetzt unangebracht, aber moderate Bewegung sollte unbedingt auf der Tagesordnung stehen. Besonders geeignet sind Sportarten wie Yoga, Schwimmen oder sanfte Gymnastik. Auf diese Art wird Schwangerschaftsdiabetes vorgebeugt. Das Wohlbefinden und die Haltung verbessern sich und eine übermäßige Gesichtszunahme wird vermieden. Sport stärkt auch das Immunsystem und den Beckenboden, der bei der Geburt eine wichtige Rolle spielt.

Mythe 7: Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn

Stimmt nicht! Zähne und Zahnfleisch sind in der Schwangerschaft zwar etwas empfindlicher als sonst, bei ausreichend Kalziumzufuhr (1000 Milligramm/Tag) und guter Mundhygiene, büßt die Frau aber keine Zähne ein. Um Zahnfleischentzündungen rechtzeitig zu erkennen, sollte jede Schwangere ihrem Zahnarzt zumindest einmal einen Kontrollbesuch abstatten.

Mythe 8: In der Schwangerschaft müssen Mütter Vitamin- und Mineralstofftabletten nehmen

Stimmt! Wie hoch der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen tatsächlich ist und wann mit Tabletten nachgeholfen werden muss, darüber sind sich die Experten uneinig. Bei Folgenden herrscht jedoch Klarheit:

  • Etwa 4 Wochen vor Beginn und im ersten Drittel der Schwangerschaft sollte zusätzlich Folsäure konsumiert werden. 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag reichen aus, um einem offenen Rücken (Spina bifida) beim Kind vorzubeugen.
  • In der zweiten Schwangerschaftshälfte lohnt sich bei vielen Schwangeren die Einnahme von Eisen, um einer Blutarmut (Anämie) entgegenzuwirken. Denn im Verlauf der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Eisen um das bis zu 6-fache an. Dabei käme es zu einem Mangel an roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport verantwortlich sind, in weiterer Folge können neuronale Störungen beim Kind auftreten. Besonders gut wird Eisen in Kombination mit einem Schluck Orangensaft aufgenommen.
  • Ebenfalls sinnvoll kann die Einnahme von Magnesium sein. Ein Mangel äußert sich meist schnell durch Wadenkrämpfe.
  • Welche anderen Vitamine und Mineralstoffe in Form von Tabletten bei einer Schwangeren Sinn machen, muss diese mit ihrem Arzt besprechen.

Mythe 9: Während der Schwangerschaft sollte besser auf Sex verzichten werden

Stimmt nicht! Auch während dieser Zeit ist genug Spielraum für intensive Zweisamkeit und Sex. Das Kind ist in der Plazenta gut geschützt.

Mythe 10: Ab und zu ein Glas Alkohol während der Schwangerschaft schadet nicht

Stimmt nicht! Während der Schwangerschaft sollte gänzlich auf Alkohol verzichtet werden, da Wein und Co in bestimmten Wachstumsphasen massive Schäden beim Kind anrichten können. Da nicht ersichtlich ist, welche Körperteile sich gerade entwickeln, sollte die Schwangere lieber Abstand von alkoholischen Getränken nehmen.

Mythe 11: Kaffee schadet nicht in der Schwangerschaft

Stimmt. Das Koffein stimuliert zwar das Nervensystem und geht auch in das Blut des Kindes über. In moderaten Mengen sind allerdings keine Schäden zu befürchten. 2 bis 3 Tassen pro Tag sind unbedenklich. Bei Schwarz- oder Grüntee sollte der Konsum 4 Tassen nicht übersteigen.

Mythe 12: Schwangere dürfen keine Katzen mehr streicheln

Stimmt so nicht ganz! Allerdings sollten schwangere Frauen zum Reinigen des Katzenklos Einmalhandschuhe tragen, da über den Kot eventuell Toxoplasmose übertragen wird, eine Infektionskrankheit die dem Kind schwere Schäden zufügen kann. War die Mutter schon einmal mit Toxoplasmose infiziert, ist sie immun und das Kind ist geschützt. Ob eine solche Immunität vorliegt, wird zu Beginn der Schwangerschaft im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen getestet.

Mythe 13: Heiße Bäder können bei der Schwangeren Wehen auslösen

Stimmt nicht! Dennoch sollte die Badetemperatur 38 Grad Celsius nicht übersteigen, um den Kreislauf von Mutter und Baby nicht zu sehr zu belasten. Ein heißes Bad bei bestehenden Wehen zeigt aber an, ob diese "echt" sind oder nicht. Übungswehen verschwinden bei Wärme wieder, "echte" Wehen werden verstärkt.

Mythe 14: Brustspannen, Übelkeit, Gereiztheit sind fixe Zeichen einer Schwangerschaft

Stimmt nicht! Diese Symptome können auch die monatliche Periode ankündigen. Erst ein Schwangerschaftstest gibt Gewissheit. Umgekehrt ist ein negativer Schwangerschaftstest nach Ausbleiben der Regel noch keine fixe Absage. Manchmal dauert es einige Tage länger bis der Hormonspiegel ausreichend ansteigt und das Ergebnis eindeutig macht.

Mythe 15: Eine Raucherin sollte während der Schwangerschaft nicht aufhören, da sonst das Baby an Entzugserscheinungen leidet

Stimmt nicht! Vielmehr ist jede Zigarette, die weniger geraucht wird, gut für die Entwicklung. Nikotin verursacht Sauerstoffmangel, Babys von Rauchern können sich dadurch nicht so gut entwickeln. Nikotin tritt von der Plazenta zum Baby über und kann auch in der Gebärmutterschleimhaut nachgewiesen werden. Aber auch die Lunge des Kindes speichert die im Rauch enthaltenen Toxine. Fehlgeburten, ein geringes Geburtsgewicht oder etwa Missbildungen können die Folgen von Rauchen in der Schwangerschaft sein.

Mythe 16: Die Optik des Schwangerschaftsbauches verrät, ob es sich bei dem Kind um ein Mädchen oder einen Bub handelt

Stimmt nicht! Auch Verhalten oder Befinden der Mutter geben keinen Aufschluss über das Geschlecht des Kindes. Um jenes zu erfahren müssen sich Eltern in Geduld üben, ab dem sechsten Monat kann ein Arzt mit einem guten Ultraschallgerät meist das Geschlecht erkennen, Irrtümer nie ausgeschlossen! Aussagen davor machen meist nicht viel Sinn, weil bei einem Mädchen die Schamlippen lange sehr groß sind und mit einem Penis verwechselt werden könnten.

Mythe 17: Die Frau kann während des Stillens nicht schwanger werden

Stimmt nicht! Mit Einsetzen der Regel kann die Frau auch wieder schwanger werden. Der Zeitpunkt, wann die Periode wieder beginnt, variiert von Frau zu Frau. Das kann wenige Wochen nach der Geburt sein, es kann aber auch ein Jahr dauern. Bei stillenden Müttern setzt sie meist ein wenig später ein, Garantie dafür gibt es allerdings keine. Wer nicht sofort wieder schwanger werden möchte, sollte also auf jeden Fall verhüten.

Mythe 18: Die Frau kann während des Stillen nicht zunehmen

Stimmt nicht! Praktisch wäre es ja, nur leider ist dem nicht so. Viele Mütter nehmen während des Stillens ab, weil es sehr kräfteraubend ist. Bei manchen Müttern ist auch das Gegenteil der Fall und sie nehmen zu, weil sie plötzlich die meiste Zeit zuhause verbringen, nachts kaum schlafen und dementsprechend den ganzen Tag herumhängen. Ideal ist es während des Stillens auf eine ausgewogene, gesunde Kost zu achten und es zumindest nicht vorsätzlich abzunehmen. Die Versorgung des Babys mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen geht in dieser Zeit vor. Und eine gestärkte Mutter hat auch mehr Energie für den Alltag mit dem Kind. Die Traumfigur läuft nicht davon.

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Medizinischer Experte

Petra Welskop

Hebamme

Präsidentin des Österreichischen Hebammen-Gremiums (ÖHG)

Quellen

  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • 300 Fragen zur Schwangerschaft, B. Holzgreve, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • Essen und Trinken - Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit, I. Hanreich, Verlag I. Hanreich, 1. Auflage, Wien, 2006
  • Richtig essen in Schwangerschaft und Stillzeit, D. von Cramm, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2011
  • Warum Schwangere nicht umkippen..., V. Ragosch, B. Zebothsen, Südwest, 1. Auflage, München, 2009
  • http://www.richtigessenvonanfangan.at (27.01.2014)

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