Aufgeklärt: 14 Medizin-Mythen

Medizin-Mythen: Arzt mit Smiley
Gesundheitliche Tipps, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sollten Sie hinterfragen. (Gina Sanders - Fotolia.com)

Binsenweisheit oder medizinisch relevant? Viele Mythen rund um die Gesundheit hören wir schon von klein auf - 14 Medizin-Mythen im Überblick.

Ein Mal Fieberblase, immer Fieberblasen? Cholesterin ist böse, Rohkost hingegen gesünder? Stimmt so nicht. Bei medizinischen oder gesundheitlich relevanten Themen, sprich jeder schnell mit. Erinnern Sie sich zurück an das letzte Mal als Sie oder andere in Ihrer Umgebung Nasenbluten hatten: Einer weiß immer genau was zu tun ist und dann wird diskutiert in welche Richtung der Kopf gedreht werden muss. Die richtige Vorgangsweise bei Nasenbluten und warum bei Rückenschmerzen das Bett nicht gehütet werden sollte, klären wir in den folgenden Medizin-Mythen.

Medizin-Mythe 1: Cholesterin ist böse

Cholesterin ist lebensnotwendig und unterscheidet sich in HDL (gutes) und LDL („böses-Cholesterin. Zu viel LDL kann zu Herzkreislauferkrankungen, z.B. Herzinfarkt führen, an HDL-Cholesterin kann man gar nicht genug haben. Während sich LDL in den Gefäßen ablagert, transportiert HDL diese Ablagerungen reinigend ab. Cholesterin ist an der Bildung von Gallensäure, Aufbau von Zellmembranen, Bildung von Hormonen und Produktion von Vitamin D beteiligt.

Medizin-Mythe 2: Hände nach dem WC nicht nur waschen, sondern auch desinfizieren

Nach dem WC reicht es völlig die Hände mit Seife zu waschen. Desinfizieren tötet nicht nur unliebsame Bakterien ab, sondern auch die natürliche Schutzbarriere der Haut. Desinfektionsmittel trocknen die Hände aus und machen sie eher rissig.

Medizin-Mythe 3: Bei Nasenbluten hilft es den Kopf nach hinten zu legen

Bei Nasenbluten soll der Kopf nach vorne gebeugt werden. Wird er in den Nacken gelegt, so ist das Risiko größer das Blut zu verschlucken, was wiederum zu Übelkeit führt. Etappenweise sollten die Nasenflügel zusammengedrückt werden, um die Blutung schneller zu stoppen.

Medizin-Mythe 4: Rohkost ist besonders gesund

Beim Kochen werden Vitamine und Mineralstoffe zerstört - deshalb ist es gesünder rohes Gemüse zu essen? Nicht unbedingt, denn in Karotten, Paprika, Tomaten stecken viele fettlösliche Vitamine. Das bedeutet: Die Vitamine dieser Gemüsesorten könnten vom Körper ohne Trägerstoffe, wie z.B. Olivenöl, nicht aufgenommen und verwertet werden. Manche sekundäre Pflanzenstoffe lassen sich widerum nur durch Erhitzen (beim Kochen) lösen, wie z.B. Lycopin in Tomaten.

Medizin-Mythe 5: Bei Rückenschmerzen hilft Bettruhe

Rückenschmerzen hat fast jeder Österreicher im Laufe seines Lebens. Bettruhe macht die Beschwerden bei unspezifischen Rückenschmerzen meist aber noch schlimmer. Bewegung, Gymnastik oder Laufen können helfen und Aktivitätseinschränkungen oder Mobilitätsproblemen vorbeugen.

Medizin-Mythe 6: Weisheitszähne muss man ziehen

Nicht jeder Weisheitszeit muss gezogen werden! Nur wenn sie Schmerzen bereiten weil sie entzündet sind und angrenzende Zähne Zahnschäden davontragen könnten, müssen sie gezogen werden.

Medizin-Mythe 7: Bei chronischen Kopfschmerzen helfen Schmerzmittel

Schmerzmittel gegen Schmerzen - hört sich plausibel an, oder? Präparate mit Acetylsalicylsäure sollten nicht länger als 2 Tage durchgehend eingenommen werden. Sie können selbst zu Kopfschmerzen führen. Medikamente sind bei Kopfschmerzen nicht immer die beste Wahl: Auch Akutpunktur kann helfen. Bei regelmäßigen Kopfschmerzen kann ein Kopfschmerztagebuch hilfreich sein - Da jede Kopfschmerzart ihre eigene Therapie braucht, sollte bei regelmäßigen Beschwerden unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Medizin-Mythe 8: Testosteron macht Männer aggressiv

Das Sexualhormon Testosteron liegt im Blut von Männern in zehnfach höherer Konzentration vor als in dem von Frauen. Neuere Studien liefern Ergebnisse, dass Testosteron Männer sogar fairer sein lässt. Weit entfernt von Aggressivität!

Medizin-Mythe 9: Nackenschmerzen liegen einer ernsten Erkrankung zugrunde

Nackenschmerzen liegen nur selten ernste Erkrankungen zugrunde (weniger als 1 % aller Fälle) - Schmerzen im Nacken treten aufgrund von Verhärtungen und Verspannungen auf und verursachen unangenehme Symptome wie Kopfschmerzen, Migräne und Bewegungseinschränkungen. Das Beschwerdebild wird Zervikalsyndrom genannt. Faktoren wie Übergewicht, fehlende Bewegung oder Stress spielen eine Rolle bei der Entstehung.

Medizin-Mythe 10: Mit 40 fängt man an zu schrumpfen

Veränderungen an der Wirbelsäule führt bei vielen Menschen zu einer gebeugten Haltung, bei Frauen häufig durch z.B. Osteoporose. Werden Menschen ohne gebeugte Haltung kleiner, passiert das aufgrund des natürlichen Alterungsprozess. Dabei kommt es zu einer Verflachung der Bandscheiben, was zur Verkleinerung des betroffenen Menschen führt. Ob das mit 40 Jahren oder erst danach eintritt, ist individuell unterschiedlich.

Medizin-Mythe 11: Durch Rasieren wachsen Haare dichter

Stimmt nicht - Menschen mit Haarausfall müssen wir hier leider enttäuschen: Durch eine Rasur wachsen die Haare weder dicker, stärker oder dünkler nach. Da die nachwachsenden Haarstoppel noch nicht der Sonne ausgesetzt waren, erscheinen sie optisch dicker und dünkler.

Medizin-Mythe 12: Lesen bei schlechtem Licht verdirbt die Augen

Durch wenig oder schlechtes Licht wird die Sehleistung nicht schlechter - Aber das Lesen unter schlechten Lichtquellen strengt an, was zu Trockenen Augen führen kann.

Medizin-Mythe 13: Läuse wegen mangelnder Hygiene

Mit seltenem Haarewaschen oder mangelnder Hygiene hat Läusebefall nichts zu tun. Läuse ernähren sich von menschlichem Blut, so können Läuse jeden betreffen.

Medizin-Mythe 14: Wer einmal Fieberblasen hat, bekommt immer welche

Fieberblasen liegen einer Viruserkrankung zugrunde. Wer eine Fieberblase hat, hat den Herpes-Simplex-Virus im Körper, der immer wieder zu einem Fieberblasen-Ausbruch führen kann.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

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