Wunder Muttermilch - Zusammensetzung und Inhaltsstoffe

Welche Inhaltsstoffe stecken in Muttermilch - Baby saugt an Brust
Die Aufnahme von hochwertigen Muttermilch-Proteinen schützt u.a. vor späterem Übergewicht. (Oscar Brunet - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Muttermilch

Muttermilch ist ein Wunder der Natur. Sie beinhaltet alles, was es für eine gesunde Kindesentwicklung im ersten Halbjahr braucht. Doch was ist drin im Lebenssaft?

Nicht nur dass Muttermilch prall gefüllt ist mit Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett, Mineralstoffen, Vitaminen und Abwehrstoffen, sie passt sich auch den Bedürfnissen des Babys in seinen verschiedenen Lebensphasen an. Die Bausteine der Muttermilch verändern sich ständig in ihrer Zusammensetzung. Die Vormilch enthält z.B. weniger Fett als die Übergangsmilch und die noch reichhaltigere Frauenmilch sowie mehr Abwehrstoffe ("erste Schutzimpfung"). Babys werden durch Stillen mit allem Wichtigen versorgt, sinnvoll ist lediglich die Zugabe von Vitamin D und K, bei vegan oder vegetarisch lebenden Müttern Vitamin B12. Muttermilch ist auch Eisenlieferant, sie enthält zwar wenig, aber optimal verfügbares Eisen.

Fette unterstützen die Gehirnentwicklung

Babys decken ihren Energiebedarf bis zu 50 % aus Fett. Erblickt das Baby das Licht der Welt, sind alle Organe vollständig entwickelt - nur das Gehirn ist noch nicht fertig ausgebildet. Damit Nervenzellen und Zellwände weiter wachsen können, braucht es spezielles Fett, das in Form von Omega-3-Fettsäuren zu Genüge in Muttermilch enthalten ist.

Die Vormilch, auch als Kolostrum bezeichnet, besteht lediglich zu 2 % aus Fett, 14 Tage nach der Geburt enthält die reife Muttermilch bereits 4 bis 4,5 % davon. Der Fettgehalt von Muttermilch unterscheidet sich von Frau zu Frau, verändert sich sogar im Laufe des Tages und insbesondere während der Mahlzeit. Muttermilch enthält auch einen hohen Anteil an Eiweiß. Die Aufnahme von hochwertigen Muttermilch-Proteinen schützt u.a. vor späterem Übergewicht.

Kohlenhydrate für ein zufriedenes Baby

Muttermilch beinhaltet verschiedene Kohlenhydrate, darunter auch Milchzucker (Laktose). Laktose hilft dem Baby, Spurenelemente wie Kalzium und Eisen besser aufzunehmen. Langkettige Zucker fördern auch die Entwicklung wichtiger Darmbakterien, welche die Verdauung unterstützen und für den relativ angenehmen Geruch des Muttermilchstuhls sorgen. Im Darm angesiedelte Bifidusbakterien halten außerdem krankmachende Keime und Pilze im Babybauch in Schach.

Die Kohlenhydrate in der Muttermilch regulieren den Blutzucker des Babys, machen es satt und glücklich. Wenn Mütter anfangs die typischen Hungerzeichen noch nicht deuten können, kann es vorkommen, dass der Blutzuckerspiegel des Babys zu schnell abfällt. Dies kommt vor allem nach Schwangerschaftsdiabetes vor. Es kann sich dadurch sehr schwach fühlen und eventuell Angst entwickeln, "zu verhungern". Hinweise auf ein Übersehen früher Hungersignale und einen niedrigen Blutzucker sind verzweifeltes Weinen und Beruhigung an der Brust. Nach den ersten Schlucken Milch steigt der Blutzuckerpegel rasch an und das Baby fühlt sich wieder wohl.

Spurenelemente und Mineralien

Muttermilch ist ein Pool aller für eine gesunde Entwicklung wichtigen Spurenelemente und Mineralien. Frauenmilch unterscheidet sich von anderer Milch (z.B. Kuhmilch) dadurch, dass sie ein ausgezeichneter Eisenlieferant ist. Das Spurenelement hat in Kuhmilch eine normale, also für Menschen eher niedrige Bioverfügbarkeit, das heißt, dass der Körper das Eisen nicht richtig verwerten kann (nur zu 10 %). Hingegen können Babys Eisen aus der Muttermilch zu 70 % aufnehmen.

Neben Eisen enthält Muttermilch auch folgende Mineralien, die in ihrer Menge genau auf das Ausscheidungsvermögen der Nieren des Babys abgestimmt sind:

  • Natrium
  • Kalium
  • Kalzium
  • Magnesium
  • Phosphat
  • Chlorid

Vitamine in der Muttermilch

Beim Stillen werden Babys mit dem Großteil an Vitaminen versorgt, die sie benötigen. In mitteleuropäischen Regionen kommt es manchmal zu leichten Defiziten von Vitamin D und K. Vitamin D kann der Körper nur mithilfe von Sonnenlicht bilden, gerade im Winter kommt dieses oft nicht ausreichend an die Haut. Im ersten Lebensjahr und über den 2. Winter ist die Gabe von Vitamin D nach Absprache mit dem Kinderarzt empfehlenswert.

Vitamin K ist wichtig für eine funktionierende Blutgerinnung. In der Vor- und Übergangsmilch ist noch genügend davon enthalten, in der reifen Frauenmilch geht der Anteil zurück. Zur Vorbeugung eines Mangels sollte das Vitamin wieder nach Abklärung mit dem Arzt 3-mal pro Tag hochdosiert verabreicht werden. Frauen, die vegan oder vegetarisch leben, sollten außerdem nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch in der Stillzeit Vitamin-B12-Präparate zu sich nehmen.

Abwehrstoffe für ein starkes Immunsystem

Muttermilch nährt das Baby nicht nur, sie stärkt auch sein Immunsystem auf natürliche Weise. Stillen schützt vor späterer Entwicklung von Allergien und Erkrankungen. Letzteres liegt daran, dass in der Milch alle Antikörper enthalten sind, welche die Mutter gegen Keime bildet, die in ihren Körper eindringen. Mamas Abwehrerfahrungen gehen also in den Körper ihres Babys über und helfen ihm, Krankheiten zu bekämpfen und Allergien zu vermeiden.

Neben all diesen wichtigen Inhaltsstoffen enthält Muttermilch außerdem noch verschiedene Aminosäuren, Enzyme und Wachstumsstoffe. Sie sind unter anderem für die Reifung der Netzhaut der Augen (Retina), der Leber und des Gehirns wichtig.

So verändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch

 

Vormilch (Kolostrum) vom Tag der Geburt bis zum 3. Lebenstag

Übergangsmilch, 3. bis 14. Lebenstag

Reife Frauenmilch, ab dem 14. Lebenstag bis zum Ende der Stillzeit

Inhaltstoffe

Viel Eiweiß, Vitamin K und A, Mineralien und Abwehrstoffe, wenig Fett und Kohlenhydrate

Enthält prozentual weniger Eiweiß, Abwehr- und Mineralstoffe, aber mehr Fett und Kohlenhydrate

Enthält prozentual noch weniger Eiweiß und unterstützt so die Nieren des Babys, enthält noch mehr Fett und Kohlenhydrate

Kalorien pro 100 ml

54 Kalorien

62 Kalorien

66 bis 120 Kalorien

Trinkmenge pro Tag

Bis zu 100 ml

Tagestrinkmenge wird kontinuierlich mehr; ab 2. Lebenswoche trinkt das Baby ein Sechstel seines Körpergewichts (bei einem Baby, das etwa 3,5 Kilogramm wiegt, wären das ungefähr 580 ml Milch pro Tag)

500 bis 1.000 ml; erhöht sich kontinuierlich

 

Stillen liefert dem Baby nicht nur alle Nährstoffe, die es für eine gesunde Entwicklung braucht, die Nähe zwischen Mutter und Kind beim täglichen Stillen ermöglicht auch eine besonders innige Beziehung (Bonding) und beschert schöne gemeinsame Stunden.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Mag.

Ingeborg Hanreich

Ernährungswissenschafterin und Stillberaterin

Gründerin des Hanreich Verlags

Quellen

  • Essen und Trinken in der Stillzeit, I. Hanreich, Hanreich-Verlag, Wien, 2014
  • Essen und Trinken im Säuglingsalter, I. Hanreich, Hanreich-Verlag, Wien, 2013
  • Hebammen Gesundheitswissen, Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach, S. Höfer, N. Szász, Gräfe &Unzer, München, 2012
  • Stillen, Ihre Stillberatung für Zuhause, D. Schweitzer, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2012

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