Mütter und Töchter: Eine Beziehung mit Zündstoff

Mütter und Töchter: Teenie-Tochter umarmt Mutter, beide lächeln glücklich.
Der Grat zwischen Liebe und Ablehnung der Mutter ist besonders in der Pubertät deutlich ausgeprägt. (philippe bouley - Fotolia.com)

Sie haben eine pubertierende Tochter? Na, dann ist ja für Abwechslung und rege Diskussion gesorgt. gesund at. beleuchtet die oft konfliktreiche Beziehung: wie Sie typgerecht am besten damit umgehen und Ihre Tochter mit Wertschätzung auf deren Weg unterstützen.

Mütter und Töchter sind sich auf ganz besondere Art zugetan: Während kleine Mädchen ihre Mama genau beobachten, sie in vielen Dingen nachahmen und es genießen, von ihr beschützt zu werden, wird diese innige Nähe vielen Mädchen in der Pubertät schlichtweg zuviel. Da ist es peinlich, wenn die Mutter sich vor den Klassenkameraden zu herzlich verabschiedet. Es wird auch tunlichst vermieden, gutgemeinte mütterliche Ratschläge zu befolgen, auch der oft zelebrierte Partnerlook von Mutter und Tochter ist plötzlich "megaout".

Die Rebellion der Tochter ist für die meisten Mütter nicht leicht, aber wie soll es der Teenager sonst schaffen, seinen eigenen Weg auszuprobieren, eben nicht so wie seine Mutter zu werden? Ein anderes Rollenverständnis, ein eigenes Styling und einen alternativen Lebensplan zu entwickeln? Was hilft sind Toleranz und Geduld - und die Gewissheit, dass dieses Wechselbad der Gefühle vorbeigeht: Haben Töchter nach den wilden Jahren ihr Lebensmodel gefunden, räumen sie ihren Müttern in der Regel darin wieder einen fixen Platz ein.

Mit Verständnis und starken Nerven durch die Pubertät

Das Wichtigste, was Mütter ihren Töchtern mitgeben können, ist Anerkennung und Wertschätzung: Der Teenager ist so wie er ist liebenswert - mit all seinen Problemen und Zweifeln. Doch ob Mütter ihrem Nachwuchs nun fürsorglich, freundschaftlich oder streng begegnen: Die Mutterrolle hat auch in der Pubertät viele verschiedene Facetten und kommt mal mehr, mal weniger zum Ausdruck:

  • Die fürsorgliche Beschützerin: Sie räumt der Tochter am liebsten alle Probleme aus der Welt, die Kehrseite der Medaille: Unbewusst traut sie ihrem "Schätzchen" zuwenig zu, sodass es wenig Gelegenheit bekommt eigene Erfahrungen zu sammeln und selbstbewusster zu werden. Dieser Muttertyp muss mit Reaktionen rechnen wie "behandle mich nicht wie ein Baby" oder "lass mich doch endlich in Ruhe". In Wirklichkeit ist es aber so, dass das junge Mädchen mehr kann und weiß als ihm zugetraut wird. Da wird es Zeit, endlich mit dem Loslassen zu beginnen.
  • Die kumpelhafte Freundin: Sie erzählt ihrer Tochter viel aus ihrem Leben, hört sich gerne den Liebeskummer ihres "Kükens" an und macht gerne alles mit, was Spaß macht. Doch das kleine Mädchen wird allmählich zur attraktiven Frau, damit kann es auch zur Konkurrenz kommen - außerdem fällt es vielen Töchtern schwer, sich von der "besten Freundin" abzugrenzen. Wichtig ist es für beide sich ihrer Rollen bewusst zu sein - denn "Freundinnen-Mütter" neigen dazu ihre eigenen (vielleicht zu kurz gekommenen) jugendlichen Bedürfnisse auszuleben - obwohl für diese Phase nun eindeutig der Nachwuchs dran ist.
  • Die Strenge: Dieser Muttertyp weiß ganz genau, was zu tun oder zu lassen ist. Sie kommandiert ihre Tochter gerne herum, egal ob es um Schule oder Freundeskreis geht. Töchter dieser Mütter passen sich den Wünschen der Mutter an, oft spielen Gefühle wie Angst oder große Schüchternheit mit. Da würde es schon sehr helfen, wenn autoritäre Mütter ihrem Nachwuchs mehr Anerkennung schenken würden, mehr Vertrauen und Mitsprache.

Weiterführende Informationen

  • Sam Jolig: Böse Mutter - gute Mutter: eine mächtige Beziehung leben, Goldmann, München, 2012

  • Marieluise Bierbaum: Mütter und Töchter. Eigenständig leben und einander nahe sein: KOMPASS - Richtungsweisende Ratgeber, Brunnen-Verlag, Gießen, 2011

Quellen

  • Die Mutter in mir. Wie Töchter sich mit ihrer Mutter versöhnen, M. Krüll, Klett-Cotta, Stuttgart, 2007
  • Mütter sind auch Menschen - Was Mütter und Töchter voneinander wissen sollten, C. Haarmann, Orlanda Verlag, Berlin, 2012
  • Die süße Einsamkeit, I. Némirovsky, Knaus, München, 2012

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