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Hemmen Vitamintabletten den Muskelaufbau?

Hemmen Vitamintabletten den Muskelaufbau?: Muskel
Muskeln brauchen für ihre Entwicklung oxidative Belastung, um Eiweiß aufzubauen und somit zu wachsen. (eugenesergeev - Fotolia.com)

Viele Sportler mit einem klaren Trainingsziel vor Augen wünschen sich, durch Vitamintabletten mit Antioxidantien den Extra-Kick zu bekommen. Laut Studie ist das aber ein Fehlschuss: Hoch dosiertes, künstliches Vitamin E und C hemmen das Muskelwachstum.

Das wiesen Forscher der Norwegian School of Sports Science nach. Sie führten zwei verschiedene Untersuchungen durch, bei der sie zunächst Kraft- und dann Ausdauersport-Training begleiteten. Von den Trainierenden in Oslo bekam jeweils die Hälfte ein gängiges hochdosiertes Vitaminpräparat mit 1.000 mg Vitamin C und 235 Vitamin E. Die übrigen Studienteilnehmer bekamen unwissentlich ein Placebo. Das Ergebnis nach 10 Wochen: Sportler, die Antioxidantien-Präparate nahmen, konnten weniger Muskelmasse vorweisen als die Vergleichsgruppe.

Gleiches Training, unterschiedlicher Erfolg

4 Mal pro Woche trainierten sowohl die Kraft-, als auch die Ausdauersportler - genug, um nach 10 Wochen ein deutliches Muskelwachstum bemerken zu können. Vor Trainingsbeginn, währenddessen und am Ende entnahmen die Forscher jeweils kleine Proben aus dem Muskelgewebe. Dadurch konnten sie den Einfluss der Vitamin-Präparate auf die Muskelentwicklung direkt messen. Obwohl beide Studiengruppen nach 2,5 Monaten Training wesentlich mehr Muskeln hatten als zu Beginn der Studie, war die Entwicklung der Muskelmasse bei der Vitamin-Gruppe messbar schlechter vorangeschritten. Der Grund dafür dürfte in der Eiweißverarbeitung der Muskeln liegen.

Antioxidantien hemmen Eiweißverarbeitung

Antioxidantien wirken im Körper so, dass sie an Sauerstoffradikalen andocken und diese unschädlich machen. Sportliches Training setzt vermehrt solche Radikale frei - ein Nebeneffekt der Belastung von Muskelzellen. Viele Sportler folgern daraus, dass Antioxidantien die freien Radikale abfangen und so den Muskelaufbauprozess beschleunigen könnte. Das Gegenteil ist aber der Fall: Muskeln brauchen für ihre Entwicklung diese oxidative Belastung, um Eiweiß aufzubauen und somit zu wachsen.

Gemüse und Obst auch bei Training gut

Die Studienergebnisse der norwegischen Forschung beziehen sich ausschließlich auf hochdosierte Vitaminpräparate mit einzelnen Antioxidantien. Mit einer normalen, gesunden Ernährung ist es unmöglich, Vitamine in ähnlichen Mengen aufzunehmen, wie sie in künstlicher Form in Tabletten vorkommen. Zum Vergleich: Eine Kiwi hat etwa 60 mg Vitamin C, in dem Präparat waren aber 1.000 mg enthalten.

In Gemüse und Obst enthaltene Vitaminmengen sind gerade für Sportler sehr empfehlenswert, da sie das Immunsystem stärken und so vor Krankheiten schützen, die einen längeren Trainingsausfall bedeuten würden. Zudem kommen Vitamine und Mineralstoffe in natürlichen Lebensmitteln immer gepaart mit vielen anderen gesunden Inhaltsstoffen wie sekundären Pflanzenstoffen vor, die im Körper in Kombination wirken. Ein Vergleich mit einem Einzelvitaminpräparat ist demnach nicht zulässig. Hochdosierte Antioxidantien können bei einem medizinisch nachgewiesenen Mangel helfen, bringen jedoch keinen Bonus im sportlichen Training mit sich.

Quellen

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