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Wiener Forscher zu MS-Verlauf: Medikamente verbessern!

Wiener Forscher zu MS-Verlauf: Medikamente verbessern!
Bei MS führen Entzündungsprozesse zu Nervenschädigungen im Gehirn. (adimas - Fotolia.com)

Der Verlauf der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) konnte erstmals von Früh- bis zum Spätstadium dargestellt werden. Das ermöglicht neue Therapieansätze.

Forscher der MedUni Wien zeigen gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam aus Edinburgh und Cleveland den kompletten Ablauf von MS auf. Sämtliche entzündliche, sowie zellabsterbende (neurodegenerative) Prozesse wurden im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit entschlüsselt. Ihr Fazit: Diese Vorgänge spielen bei MS gleichzeitig eine Rolle. Die Forscher fordern angepasste Medikamente und haben schon genauere Vorstellungen dazu.

Verschiedene Ansätze zu Verlauf bei MS

Etwa 12.500 Menschen sind in Österreich an Multipler Sklerose erkrankt. Dabei entstehen Entzündungen im Nervensystem. Im Spätstadium können Betroffene ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren.

Bisher gingen Forscher beim MS-Verlauf von 2 unterschiedlichen Ansätzen aus:

  • Permanente entzündliche Prozesse des Nervensystems, die jeweils in neurodegenerative Schäden übergehen
  • Entzündliche Prozesse als Frühstadium, die im Spätstadium in neurodegenerativen Schäden münden

Die neue Studie zeigt auf, dass beim MS-Verlauf tatsächlich beide Ansätze vermischt sind: Der Entzündungsprozess ist während des gesamten Verlaufs die "treibende Kraft". In späteren Stadien kommt es zu neurodegenerativen Schäden, die wie eine Kettenreaktion, neue Schäden im Gehirn verursachen (Amplifikationsvorgang).

Medikamente verlieren im Spätstadium an Wirkung

Die medikamentöse Behandlung bei MS zielt zurzeit darauf ab die Entzündungsprozesse aufzuhalten. Somit verliert sie in späteren Verlaufsformen bzw. bei Einsetzen von Nervenschäden am Gehirn an Wirkung. Das Forschungsergebnis ist in der Praxis klar nachvollziehbar: Die Medikamente werden wirkungsloser, je mehr neurodegenerative Schäden entstehen.

Wie müssten Medikamente für MS angepasst werden?

Einerseits müssten Medikamente in der Frühphase nicht nur auf die Abwehrreaktion in Blutsystem und lymphatischen Organen, sondern auch gegen die entzündlichen Vorgänge innerhalb des Gehirns aktiv sein. Weiters sprechen die Forscher von der Entwicklung spezieller Medikamente, die auf die Amplifikationsvorgänge abgestimmt sein und neurodegenerative Schäden aufhalten sollen.

Diese Amplikationsvorgänge entstehen ebenso in den Gehirnen von Parkinson- und Demenz-Erkrankten. Die Forscher erhoffen sich aus den vorliegenden Resultaten der MS-Studie, auch mögliche Behandlungsmethoden für diese Erkrankungen abzuleiten.

Quellen

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