Multiple Sklerose: Gehirntraining verlangsamt Gewebeabbau

Multiple Sklerose: Gehirntraining verlangsamt Gewebeabbau: Frau füllt Soduko aus, um das Gedächtnis zu trainieren
Gehirntraining kann bei MS Abbauprozesse verlangsamen. (apops - Fotolia.com)
Anlässlich des Welt-MS-Tages am 28.05. präsentierten Neurologen Forschungsergebnisse aus Österreich, die wegweisend für Diagnose und künftige Therapie sind.

Multiple Sklerose ist die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. Es kommt zu immer wieder auftretenden (schubförmigen) Entzündungen im Gehirn und Rückenmark, die in diesen Bereichen zu Schädigungen führen. Dahinter steckt der Abbau der "Isolierschicht" (Myelin) von Nervenbahnen, dadurch kommt es zu Fehlern in der Signalübertragung der Nervenimpulse. Multiple Sklerose wird am häufigsten zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr diagnostiziert, in Österreich sind etwa 12.500 Menschen an MS erkrankt.

Gehirntraining wirkt sich positiv aus

MS-Erkrankte sind individuell in sehr unterschiedlichem Ausmaß von kognitiven Störungen betroffen. Diese Beeinträchtigungen reichen von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen bis Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und der Sprache. Untersuchungen haben gezeigt, dass MS-Patienten, die ihre Gehirnzellen fordern z.B. durch gezieltes Gedächtnistraining, Sprachen lernen etc., die Gewebeveränderung im Gehirn verlangsamen können, insbesondere wenn medikamentöse Therapie diesen Prozess unterstützt.

"Kognitive Reserve umschreibt die geistigen Potenziale, die ein erfolgreiches Gehirnaltern begünstigen und auch vor dem schädigenden Einfluss chronischer zerebraler Erkrankungen schützen. Sie beruhen auf der Stimulation des Gehirns zum Beispiel durch höhere Bildung, anspruchsvolle Freizeitaktivitäten oder beruflichen Erfolg. Ist diese kognitive Reserve hoch, haben Gewebeschwund und Gewebeveränderung im Gehirn weniger schädlichen Einfluss", fasste Dr. Daniela Pinter, Neuropsychologin an der MedUni Graz, Ergebnisse einer aktuellen Studie zusammen.

Was Eisen mit MS zu tun hat…

Am Fortschreiten von MS und an der Entwicklung von permanenter Gewebeschädigung und Behinderung könnte das Spurenelement Eisen wesentlichen Anteil haben. "Eisen ist in der Aufrechterhaltung des normalen Gehirnstoffwechsels, beim Sauerstofftransport, bei der Synthese von Neurotransmittern und der Produktion von Myelin beteiligt. Zusätzlich steht Eisen im Zusammenhang mit oxidativem Stress, der sich langfristig schädigend auf das Gehirn auswirken könnte", beschrieb Univ.-Prof. Dr. Michael Khalil von der MedUni Graz die aktuellen Forschungsergebnisse.

Neue Anwendungsformen der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) bieten nun die Möglichkeit, Eisenablagerungen im Gehirn direkt und nichtinvasiv zu messen. Bei MS wurde eine erhöhte Eisenablagerung im Vergleich zu altersgleichen Kontrollgruppen nachgewiesen, außerdem wurden Zusammenhänge zwischen erhöhten Eisenablagerungen und zunehmender Erkrankungsdauer und -schwere festgestellt. Analysen einer Verlaufsstudie zeigen, "dass die Eisenablagerung im Gehirn von MS-Patienten vor allem in frühen Krankheitsphasen rasch zunimmt", so Prof. Khalil. Ob und inwiefern das für den weiteren Krankheitsverlauf bedeutsam ist, gilt es noch zu klären.

Rehabilitation bringt Vorteile

"Menschen mit MS wird häufig Rehabilitation empfohlen, doch ist die Datenlage dazu begrenzt", so Dr. Sabine Salhofer-Polanyi, Neurologin an der MedUni Wien. In einer Studie ist ihr jetzt unter Anwendung einer Reihe von Tests die Bestätigung gelungen, dass Rehabilitation stationären MS-Patienten Vorteile bringt. Gegenüber der Kontrollgruppe waren die Reha-Studienteilnehmer beim Gehen über eine Distanz von 50 Metern, bei der Gehgeschwindigkeit und beim 6-Minuten-Gehen besser als Patienten auf der Warteliste.

Österreichisches MS-Therapie Register

Als international beispielhaft gilt auch das 2006 gegründete Österreichische MS-Therapie Register, an dem alle österreichischen MS-Zentren teilnehmen und das die Behandlungsqualität optimiert. Ziele sind unter anderem das systematische Gewinnen strukturierter Daten zur Anwendung von MS Therapien. Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, Neurologe der MedUni Innsbruck: "Die konsequente Untersuchung des Langzeitnutzens samt möglicher Risiken der einzelnen MS-Medikamente, aber auch ihres sequenziellen Einsatzes dienen der Qualitätssicherung und geben wichtige Hinweise für die Real life-Behandlung von MS-Patienten in Österreich." Neben den schon länger verwendeten MS-Medikamenten, so Prof. Berger, sind die 2013 bzw. 2014 neu zugelassenen (Alemtuzumab, Teriflunomide, Dimethylfumarat) bzw. zukünftig zugelassenen Therapien ebenfalls als eigene Module im MS Therapieregister enthalten bzw. werden das sein.

Quellen

  • Presseaussendung Österreichischen Gesellschaft für Neurologie zum Welt-MS-Tag 2014
  • Higher education moderates the effect of t2 lesion load and third ventricle width on cognition in multiple sclerosis. D. Pinter et al.; PLoS One 2014, 9(1)

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