Mobbing in der Arbeit

Mobbing in der Arbeit: Riese deutet mit Zeigefinger auf Sekretärin
In Österreich wird jeder 17. Arbeitnehmer gemobbt. (Jakub Jirsák - Fotolia.com)

Mobbing ist der Begriff für ein Machtspiel, dessen Ziel es ist, den Betroffenen aus einer Gemeinschaft auszugrenzen. 

Am häufigsten wird Mobbing am Arbeitsplatz betrieben, aber auch in der Schule ist Mobbing ein Problem. Das feindselige Agieren gegen ein Mitglied der Gemeinschaft kann von unterschiedlichen Ebenen ausgehen, so z.B. von Kollegen, Vorgesetzten, von Lehrern oder Mitschülern. In Österreich gibt jeder 17. Arbeitnehmer an, er werde gemobbt, in Finnland ist dies jeder 7., in Polen und Italien als "Mobbingschlusslichter" Europas jeder 25. Arbeitnehmer. Mobbing erschwert nicht nur den Alltag, sondern es bringt vor allem eine Reihe gesundheitlicher Probleme, wie psychosozialen Stress, Herzkreislauferkrankungen, Schlaflosigkeit oder Depressionen mit sich.

Überblick:

Mobbing: Macht Körper und Seele krank

Was wie ein Modetrend klingt hat viele Gesichter, die vor allem eines mit dem Menschen tun: sie machen krank. Gerüchte verbreiten, jemanden lächerlich machen, den Betroffenen sinnlose Aufgaben erledigen zu lassen, Mehrarbeit unter Androhung der Kündigung: das sind nur einige Facetten von Mobbing. Der deutsch-schwedische Betriebswirt und Psychologe Heinz Leymann hatte 1993 Mobbing erstmals definiert. Er beschreibt es als gezielte Ausgrenzung von Menschen am Arbeitsplatz, als einen Zustand, der mindestens einmal pro Woche stattfindet und über mindestens ein halbes Jahr anhält. Mobbing kann von einzelnen Personen, z.B. dem Chef oder einem Kollegen, oder von einer Gruppe ausgehen. Dieses Phänomen zu bagatellisieren oder zu belächeln ist nicht zielführend, denn Mobbing kann eine Reihe massiver gesundheitlicher Probleme mit sich bringen.

Mobbing: Die häufigsten gesundheitlichen Folgen

  • Verspannungen, Kopfschmerzen, Migräne
  • Herzerkrankungen
  • Darmerkrankungen
  • Erschöpfung, Belastungszustände
  • Ängste, Depression
  • In der Folge: Arbeitsunfähigkeit oder gar Erwerbsunfähigkeit

Mobbing verursacht extremen psychosozialen Stress. Bei Dauerbelastung kann sogar eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten, die aufgrund einer Reihe von traumatischen Erlebnissen entsteht, wie Leymann beschrieben hat. Eine solche Störung zeigt sich durch Angstzustände, Schlaflosigkeit, Panikattacken, Versagens- und Existenzängste und kann sich zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung entwickeln.

Mobbing: Den anderen schwächen

Mobbing tritt fast ausschließlich am Arbeitsplatz, in der Schule oder anderen Arten von "Zwangsgemeinschaften" auf, also überall, wo man nicht einfach alles hinwerfen kann, wenn das Klima nicht passt.

Mobben können Kollegen oder Chefs, Lehrer oder Ausbildungsleiter beim Bundesheer. Dabei ist die Macht jeweils ungleich verteilt, einer ist der Stärkere, der andere ist unterlegen. Auch Partner, die ursprünglich einander akzeptiert und auf Augenhöhe kommuniziert haben, können plötzlich zu Kontrahenten werden. Ob sich daraus ein Mobbing ergibt, hängt im Wesentlichen von den Möglichkeiten ab, die Konflikte zu beseitigen bzw. zu kommunizieren. Ziel des Mobbings ist es, den Betroffenen nicht nur zu schwächen, sondern ihn ganz aus der Gemeinschaft auszuschließen, ihn hinauszuekeln.

Mobbing ist auf verschiedenen Ebenen möglich, wie z.B. durch Einschränkung

  • der Möglichkeit, sich mitzuteilen (z.B. durch ständiges Unterbrechen des "Stärkeren")
  • sozialer Beziehungen (z.B. den Gemobbten zu ignorieren, "wie Luft" zu behandeln)
  • sozialen Ansehens (z.B. Gerüchte verbreiten, den Betroffenen lächerlich machen)
  • der Berufs- oder Lebenssituation (z.B. zu viele Aufgaben, keine oder sinnlose Aufgaben)
  • der Gesundheit (z.B. der Betroffene wird gezwungen, gesundheitsschädigende Arbeiten zu erledigen)

Phase

Situation im Unternehmen

Ausprägungen

Folgen

1. Konfliktphase

Unstimmigkeiten

Meinungsverschiedenheiten im Berufsalltag

diese sind zwar bewältigbar, können aber nicht gelöst werden. Noch keine körperlichen Folgen

 

2. direkte/indirekte Aggression

Entwertung des Betroffenen

Feindseligkeit, dabei rückt das ursprüngliche Problem aus dem Mittelpunkt

der Betroffene wird unsicher, hinzu kommen Selbstzweifel,

erste körperliche Symptome (wie z.B. Verspannungen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit)

 

3. Öffentlichkeitsphase

der Betroffene wird in der Öffentlichkeit entwertet

Verunsicherungen, Demütigungen

körperliche Symptome manifestieren sich, die Anfälligkeit, Fehler zu machen steigt, erste psychische Symptome; (z.B. Angst, depressive Verstimmung)

 

3. Ausschlussphase

der Betroffene wird stigmatisiert

 

 

("Sie sind krank, gehen Sie zum Arzt, auf Kur…", wird versetzt und aus dem Team ausgeschlossen)

Häufig kündigen Betroffene selbst, weil sie diesen Zustand nicht mehr aushalten

 

Mobbing ist mehr als ein Konflikt, Mobbing ist ein Angriff auf die Gesundheit eines Menschen. Im Allgemeinen verläuft es in mehreren Phasen.

Mobbing: Was man als Unternehmer tun kann

  • ehrlich über Konflikte sprechen
  • den Mitarbeitern Handlungsspielräume lassen
  • Gemeinsame Wert- und Zielvorstellungen festlegen
  • Fairness definieren
  • Für Transparenz und Offenheit sorgen
  • Als wertschätzende Führungskraft agieren (Teambesprechungen, Konfliktregeln aufstellen)
  • Bei Mobbing intervenieren

Mobbing: Wie es Betroffene überstehen

  • Grenzen setzen: klare Positionierung, nicht zur Eskalation beitragen, eigene Ziele verfolgen um das üble Spiel nicht weiter "anzuheizen".
  • Persönliche Stabilisierung: Auszeiten, psychologische Beratung, Austausch in der Familie, im Freundeskreis, um seelische Stabilität zu gewinnen
  • Schriftliches Festhalten der Situation (Mobbing-Tagebuch), einen Vertrauten im Unternehmen mit einbeziehen
  • Eine Dienstvereinbarung (Formular siehe Literatur: fgoe) einfordern
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz, BA
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Irene Kloimüller

Psychotherapeutin für Existenzanalyse und Logotherapie

Website

Quellen

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