Milchzähne: Mehr als nur Platzhalter

Baby bekommt die Zähnchen mit Bürste geputzt
Sobald die ersten Zähne durchgebrochen sind, sollten sie mit einer weichen Brüste 2 x pro Tag gepflegt werden. (st-fotograf - Fotolia.com)

"Milchzähne sind nicht so wichtig, die fallen sowieso aus". Ein weit verbreiteter Irrglaube, denn 2x täglich Zähneputzen und 2x im Jahr zum Zahnarzt gehen, ist schon ab dem ersten Milchzahn wichtig - auch damit sich die bleibenden Zähne später gut entwickeln können.

Was sollten Eltern bei der Kinder-Zahnpflege beachten, wie können sie ihr Kind zum Zähneputzen motivieren und ab wann ist es sinnvoll, dass die Kleinen selbstständig zur Zahnbürste greifen - 6 Fragen zu diesen Themen hat die Wiener Kinderzahnärztin DDr. Karin Assadian im Interview mit gesund.at beantwortet:

Frage 1: Wie werden Milchzähne gepflegt?

DDr. Karin Assadian: Sobald der erste Milchzahn da ist, muss er auch regelmäßig geputzt werden. Dafür eignen sich weiche Kinderzahnbüsten oder alternativ können die Babyzähne auch mit Frotteewaschlappen gepflegt werden.

Empfehlenswert ist, die Zähne im Liegen zu reinigen, weil sich in dieser Position die Ober- bzw. Unterlippe problemlos beiseite schieben lässt. Gut sichtbar können alle Zahnflächen inklusive Zahnfleischrand optimal gereinigt werden.

Die Anwendung von Zahnseide ist im seitlichen Zahnbereich ab zirka 3 Jahren notwendig und kann nur in der Liegeposition effektiv durchgeführt werden. Die Kinder und deren Eltern lernen die nötigen Tricks beim Zahnarzt im Rahmen der Kinderzahnprophylaxe.

Frage 2: Schaden Zahnpasten mit Fluorid Kinderzähnen?

DDr. Karin Assadian: Das ist ein Irrtum, der weit verbreitet ist und sich leider schon  lange hartnäckig hält. Fluorid härtet den Zahnschmelz, das ist wichtig, damit die Zähne nicht so leicht von Zahnschäden, wie Karies, befallen werden. Daher können Eltern bedenkenlos zu Kinderzahnpasten mit Fluoridgehalt greifen. In anderen Ländern nimmt man durch die normale Ernährung mehr Fluorid zu sich, in Österreich leider nicht. Deshalb muss dieser in kleinen Mengen notwendige Stoff über die Zahnpaste zugeführt werden.

Frage 3: Was tun, wenn Kinder die Zahnpflege verweigern?

DDr. Karin Assadian: Die Vorbildwirkung der Eltern spielt eine große Rolle. Wenn sie dem Kind das Zähneputzen als positiv und wichtig vermitteln, wird das Kind, wenn es größer ist, von selbst daran erinnern, dass ihm heute noch nicht die Zähne geputzt wurden. Es kann auch hilfreich sein, das Zähneputzen als gemeinsames Ritual z.B. vor dem Schlafengehen, in den Alltag einzubauen.

Frage 4: Warum sollte man den Schnuller oder Kinderbesteck nicht abschlecken?

DDr. Karin Assadian: Im Speichel von Erwachsenen befinden sich Kariesbakterien, durch das Abschlecken von Gegenständen können diese auf das Kind übertragen werden.

Frage 5: Süßes und Kinderzähne - was ist da zu beachten?

DDr. Karin Assadian: In gut dosierten Mengen sind kleine Süßgkeiten durchaus erlaubt. Naschen die Kleinen aber nahezu ununterbrochen über den Tag verteilt oder nuckeln sie ständig an einer Flasche mit süßen oder Fruchtsäure hältigen Säften, haben sie ein erhöhtes Risiko für Karies.

Frage 6: Wann können Kinder selbst Zähneputzen?

DDr. Karin Assadian: Grundsätzlich erst nach dem 10. Lebensjahr, da den Kindern bis dahin die notwendige Feinmotorik für eine sorgfältige Zahnpflege fehlt. Sie neigen dazu, manche Zahnflächen zu übersehen. Deshalb sollten Eltern bis zum Ende der Volkschule die Zähne der Kinder nachputzen und regelmäßig kontrollieren - etwa indem sie z.B. die Pflege mit der Zahnseide übernehmen, damit sich in den Zahnzwischenräumen keine Karies entwickelt.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

DDr. Karin Assadian

Kinderzahnärztin und Kieferorthopädin, 1180 Wien

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Quellen

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