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Masern: Aktueller Stand der Dinge

Masern: Aktueller Stand der Dinge
Mediziner gehen davon aus, dass die Masern-Epidemie in Europa bereits im Februar 2014 begann. (Tomasz Trojanowski - Fotolia.com)

Masern ist 2015 plötzlich in aller Munde: Die bereits ausgerottet-geglaubte Infektionskrankheit ist vereinzelt wieder aufgetreten. Ist eine Masern-Epidemie ausgebrochen? Wer ist besonders gefährdet? Wie steht es mit einer Einführung der Impfpflicht? gesund.at hält Sie über den aktuellen Stand zu Masern am Laufenden.

Bereits im Februar 2014 wurden in Bosnien und Herzegowina vermehrt Masern-Fälle gemeldet. Erst ein Ausbruch im kalifornischen Disneyland führte zu Panik vor einer Epidemie. Masern sind nicht nur eine Kinderkrankheit: Bei Erwachsenen gilt der Krankheitsverlauf als besonders gefährlich. Eine Impfung schützt vor einer Infektion mit dem Virus. In vielen Ländern sind die Impfraten aber seit Jahren leicht rückläufig, was die Verbreitung der Erkrankung begünstigt.

Überblick

Anfang Mai 2015: Masern-Fall an der FH Wien

Studenten, die am 27. oder 28. April an der FH Wien waren, könnten in Kontakt mit einer an Masern erkrankten Person gekommen sein. Aus diesem Grund wurde die Anwesenheitspflicht bis zum 16.05. ausgesetzt. Die Fachhochschule hat eine Info-Seite eingerichtet, um seine Studenten zu warnen und sie zur Selbstkontrolle aufzufordern.

Ende April 2015: Bis dato 147 Masernfälle

Zwischen 01.01.2015 und 10.04.2015 wurden in Österreich 147 Masernfälle gemeldet. Zum Vergleich: Im gesamten vorigen Jahr 2014 waren es 117 Fälle. 2015 sind bis jetzt  insgesamt 7 der 9 Bundesländer betroffen (alle außer Vorarlberg und Burgenland), wobei die meisten Fälle von Niederösterreich (77) und Oberösterreich (35) gemeldet wurden. Bei den Altersgruppen sind am häufigsten die Fünf-  bis Neunjährigen betroffenen, gefolgt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Anfang April 2015: Fast 1.000 Masernfälle seit Herbst in Berlin

Vergangenen Herbst brach in Berlin eine Masernepidemie aus. Seither wurden beinahe 1.000 Neuerkrankungen gemeldet. Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin betont, dass noch keine Entwarnung gegeben werden könne. 9 - 20 neue Masernfälle würden durchschnittlich täglich bekannt. Um Neuinfektionen zu verhindern, empfiehlt Kostner weiterhin die Impfung von Kindern und Erwachsenen. Eltern könnten sich gleich beim Kinderarzt impfen lassen, wenn sie ihre Kinder begleiten, so die Sprecherin.

Ende März 2015: Volkschule in Steiermark geschlossen 

In der Steiermark, Gemeinde Kumberg, erkrankten 4 Kinder im Volkschulalter an Masern. Ein Bub hatte sich im Krankenhaus angesteckt und dann das Virus auf seine Schwester und Freunde übertragen. Das bestätigte die Landessanitätsdirektion Steiermark. Daraufhin wurde die Volkschule der Kinder 1 Tag geschlossen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Alle nicht geimpften Kinder der betroffenen Schule müssen die nächsten 3 Wochen zu Hause verbringen, um eine Infektion zu vermeiden.

März 2015: Masernausbruch Graz und Wels

Die Masernepidemie hat nun auch Österreich erreicht: Eine Schwesternschülerin und ein Zivildiener in Graz haben sich infiziert. Beide waren nicht geimpft und hatten vor dem Krankheitsausbruch Kontakt zu zahlreichen anderen Menschen. Das könnte laut Landessanitätsdirektion Steiermark "lawinenartige" Folgen haben. Obwohl die Masern-Impfung seit Jahren gratis zu Verfügung steht, liegt die Durchimpfungsrate in ganz Österreich bei unter 80 %. Das bedeutet, dass jeder 5. nicht vor Masern geschützt ist.

Fast zeitgleich mit dem Krankheitsausbruch in Granz wurde auch ein HTL-Schüler in Wels mit Masern diagnostiziert. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat er die Erkrankung nicht auf andere übertragen, da er bei seinem letzten Schulbesuch noch nicht ansteckend war, so die zuständige Landesschulärztin. 

Anfang März 2015: WHO fordert mehr Masern-Impfungen

Seit Anfang 2014 wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 22.149 neue Masernerkrankungen in 7 europäischen Ländern gemeldet. Zsuzsanna Jakab vertritt die WHO in Europa. Ursprünglich wollte die Organisation die Masern durch hohe Durchimpfungsraten bis Ende 2015 "ausrotten". Dieses Ziel ist nun in weite Ferne gerückt. Jakab dazu: "Es ist inakzeptabel, dass Masern nach 50-jährigen Bemühungen, die Impfung sicher und effektiv zu machen, nach wie vor Leben, Geld und Zeit fordern." Europäer seien deshalb aufgerufen, sich und ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen.

Februar 2015: Debatte: Soll Impfen Pflicht werden?

Weltweit diskutieren Politiker über die Fragen, ob eine Impfpflicht für Masern Sinn macht. Der deutsche Justizminister Heiko Maas hält diese Maßnahme für rechtlich durchsetzbar. Impfgegner sehen durch eine Pflicht ihre persönliche Freiheit in Gefahr. Die Angst vor Impfnebenwirkungen gilt als Hauptargument gegen eine Masern-Impfungen.

Berlin: Kind stirbt an Masern

Am 18. Februar stirbt ein Kleinkind in der Berliner Charité an Masern. Der 18 Monate alte Junge war nicht geimpft. Eine Obduktion ergab eine andere Vorerkrankung, die in Kombination mit den Mastern tödlich endete. Der deutsche Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe reagiert auf den Fall mit einer Forderung nach mehr Aufklärung über Impfungen.

Mutter schreibt Facebook-Brief

Am 10. Februar schreibt die besorgte Mutter Jennifer Hibben-White einen offenen Brief auf Facebook. Der Anlass: Ihr 2 Wochen alter Sohn war in einem Wartezimmer dem Masern-Virus ausgesetzt, als er noch zu jung für eine Impfung war. Sie macht Menschen, die sich gegen eine Masern-Impfung entscheiden, für die ermögliche Erkrankung ihres Babys verantwortlich. Über 300.000 Mal wurde Hibben-Whites Brief bisher auf Facebook geteilt.

Maserninfektion bricht in Disneyland aus

Dezember 2014 nimmt die offene Masern-Debatte ihren Anfang. In Disneyland in Kalifornien infizieren sich 58 Menschen mit dem Masern-Virus. Das löst in den USA eine Diskussion über die rückläufigen Impfraten aus. In den meisten amerikanischen Bundesstaaten besteht eine Impfpflicht für alle Kinder, die öffentliche Schulen besuchen. Kalifornien bildet eine Ausnahme. Sind Impflücken schuld an dem Masern-Ausbruch in Disneyland?

Masern-Epidemie beginnt in Europa

Mediziner gehen davon aus, dass die Masern-Epidemie in Europa bereits im Februar 2014 begann. In Bosnien und Herzegowina wurden damals vermehrt Masern-Fälle registriert. Zunächst wird dieser Ausbruch noch nicht als besonders große Gefahr gesehen. Doch auch in anderen europäischen Ländern häufen sich in den kommenden Monaten die Masern-Diagnosen.

Quellen

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