Mangelernährung, wenn der Körper im Alter unterversorgt ist

Im Alter sollte man besonders auf eine ausreichende Nährstoffversorgung mit vielen Vitaminen achten. (pressmaster - Fotolia.com)

Ein Viertel aller Menschen im fortgeschrittenen Alter tragen ein Risiko für Mangelernährung. In Europa werden bis zum Jahr 2050 etwa 30 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Doch gerade in europäischen Ländern sind ältere Menschen häufig von Mangel- und Fehlernährungen betroffen.

Mangelzustände sind mit hohen Risiken verbunden, wie erhöhter Krankheitsanfälligkeit (z.B. Infektionen oder kognitive Defizite), erhöhter Sturzanfälligkeit, verminderter Lebensqualität, vorzeitiger Abhängigkeit, aber auch einer früheren Sterblichkeit.

Überblick:

Häufigkeit von Mangelernährung

Etwa 2 Prozent aller selbständig lebenden alten Menschen sind von Mangelernährung betroffen, etwa ein Viertel dieser Personengruppe trägt ein Risiko für Mangelernährung. Kommt es zu einer stationären Aufnahme im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim erhöht sich dieses Risiko auf bis zu 60 Prozent. Zu beachten ist auch, dass mit steigender funktioneller und/oder kognitiver Beeinträchtigung oder bei Krankheit das Risiko einer Mangelernährung zunimmt. Generell lässt sich festhalten: Je älter der Mensch, umso größer ist sein Risiko für Mangelernährung.

Ursache und Verlauf von Mangelernährung

Ungewollter Gewichtsverlust und länger andauernd weniger zu essen sind mit einer geringerer Aufnahme von Eiweiß, Vitaminen und Spurenelementen verbunden. Das hat bei Krankheit und im Alter negative Auswirkungen für die Betroffenen und das Gesundheitswesen. Das wurde seit den 1970ern in vielen Studien gezeigt. Mangelernährung beeinflusst die Lebensqualität der Betroffenen negativ. Sie ist mit Gebrechlichkeit, verstärkter Morbidität, verlängerter Krankenhausaufenthaltsdauer und erhöhter Mortalität assoziiert.

Mit zunehmenden Jahren verändert sich auch die Körperzusammensetzung des Menschen: die fettfreie Masse sinkt, der absolute und prozentuelle Anteil des Körperfetts steigt üblicherweise.

Risikofaktoren für eine Mangelernährung, sind beispielsweise nachlassender Appetit, verringerte Nahrungsaufnahme, nachlassende Muskelkraft bzw. Ungewollter Gewichtsverlust. Dieser kann einhergehen mit:

  • Restriktive Diäten im Alter
  • Reduktion von Cholesterin, Salz, Fett und Geschmack
  • Eingeschränkte Lebensmittelauswahl
  • Reduzierte Nährstoffdichte
  • und Altersanorexie

Mangelernährung entwickelt sich im Zuge eines Kreislaufes, in dem jeweils ein Negativ-Faktor einen weiteren Negativ-Faktor auslöst. 

Erhöhter Vitaminbedarf

Vor allem die Vitamine D, B12 und B6 sind es, bei denen es im Alter biochemische Veränderungen gibt. Mit zunehmendem Alter mangelt es Senioren an Vitamin D. Vitamin D wird mit der Haut aufgenommen. Die Synthesekapazität jedoch sinkt mit zunehmendem Alter, Menschen über 65 sollten daher besonders auf eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr achten und zusätzlich etwa 1200 Milligramm Kalzium aufnehmen. Auch Eiweißmangel ist bei älteren Menschen ein großes Thema. Die Zufuhr sollte ca. 1 bis 1,25 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und Tag betragen.

Je nach körperlicher Betätigung ist auch der Energie- und Nährstoffbedarf bei Senioren unterschiedlich, jedoch geringer als in jungen Jahren. Wer hauptsächlich sitzt und wenig oder leichte Bewegung macht, benötigt pro Tag etwa 1600 - 1800 Kalorien. Dadurch werden die Nahrungsmengen kleiner, der Nährstoffbedarf bleibt jedoch gleich. Wichtig ist es daher, Lebensmittel mit einer besonders hohen Nährstoffdichte zu essen. Sie müssen im Verhältnis zum Energiegehalt besonders viele Nährstoffe enthalten.

Viele der empfohlenen Lebensmittel werden laut dem Österreichischen Ernährungsbericht vor allem von Frauen zu wenig gegessen. Außerdem ist die Zufuhr an fettreichen Lebensmitteln, die nur eine geringe Nährstoffdichte haben, höher als empfohlen. Laut den D-A-CH-Referenzwerten ist lediglich der Bedarf an Vitamin D und Wasser für über 65jährige erhöht.

Empfohlen wird daher eine erhöhte Zufuhr von Vitamin D ab dem 60. Lebensjahr, nämlich

  • 20µg/d (800i.E.)*
  • 1 Tropfen Oleovit  @ 400 i.E.

Entsprechende Ernährung sollte jedoch in jedem Fall mit körperlicher Aktivität einhergehen. Moderates Krafttraining stärkt nicht nur die Muskeln, sondern ist auch eine effective Sturzprävention. 

Effektive Prävention erfordert daher auch eine sichere Umwelt, sowie ein laufendes Training der Balance, den Aufbau eines starken Muskelkorsetts in Kombination mit gesunder Ernährung.

Ernährungsprobleme im Alter

Altersbedingt braucht der Körper nun vermehrt Vitamin D, B12, Folsäure, andernfalls steigt das Krankheitsrisiko (z.B. Infektionen, Krebs). Vielen Ernährungsproblemen, die Mangelernährung und/oder ungewollten Gewichtsverlust mit sich bringen, kann jedoch jeder einzelne vorbeugen.

Die häufigsten Probleme sind:

  • Einseitiger Speiseplan: Aus Bequemlichkeit, Kostengründen oder Unwissenheit werden hochwertige Nahrungsmittel in zu geringen Mengen zugeführt (z.B. aufgrund von Kauproblemen bei Obst, Verdauungsproblemen bei Brot etc.)
  • Unsachgemäße Zubereitung: Mehrmaliges Aufwärmen von Speisen, falsche Lagerung oder das „Zutodekochen“ lebenswichtiger Vitamine sind die häufigsten Fehler, die vermeidbar sind. Ein Tipp: Dampfgarer garen Gemüse oder Fisch äußerst schonend. Im Dampf gegarte Lebensmittel behalten ihre wichtigen Inhaltsstoffe. Darüber hinaus bleiben die Lebensmittel auch für das Auge appetitlich und gesund.
  • Magen- und Darmbeschwerden: Freilich können im Alter auch Unverträglichkeiten von Lebensmitteln (z.B. Hülsenfrüchte, Vollkorn) häufiger auftreten, es kommt zu Verdauungsstörungen oder Allergien, die den Verzicht auf wichtige Nahrungsbestandteile mit sich bringen. 

Diagnose von Mangelernährung

Der BMI ist ein wichtiger Indikator, der das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße darstellt. Der BMI errechnet sich nach folgeder Formel:

BMI (kg/m²) = Körpergewicht (in kg) / Körpergröße (in m)2

Entscheidend dabei ist jedoch auch das Alter eines Menschen. Während bei Personen unter 70 Jahren ein BMI von unter 18,5 auf Untergewicht hinweist, liegt dieser Grenzwert bei Menschen über 70 Jahren unter 22. Von Übergewicht spricht man bei jüngeren Menschen ab einem BMI von über 25, bei über 70-Jährigen erst ab einem BMI von über 30. Aktuelle Daten zeigen, dass etwa ein Viertel aller über 70-Jährigen demnach untergewichtig sind.

Therapie von Mangelernährung

Im Falle von unerwünschtem Gewichtsverlust ist in erster Linie die Ernährung zu überdenken. Eine ausgewogene Ernährung und die Veränderung der bisherigen Ernährungsgewohnheiten können einer Mangelernährung effektiv vorbeugen.

Die wichtigsten Grundregeln:

  • Essen Sie besser 5 - 6 kleine Mahlzeiten als 2 – 3 größere
  • Essen Sie alles, was Sie gerne mögen
  • Essen Sie energiereich, insbesondere Fett und evtl. auch Kohlenhydrate (damit können Sie Ihr Essen auch zusätzlich anreichern)

Fett liefert die meiste Energie - das bedeutet, dass relativ wenig Fett bereits sehr viele Kalorien liefert. Wichtig ist außerdem eine hohe Eiweißzufuhr. Empfohlen werden 1,2 – 2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht.

Nahrungsmittel mit hohem Eiweißgehalt

Tierische Nahrungsmittel                            

  • Fleisch, evt. Wurst
  • Fisch, Schalen- und Krustentiere
  • Eier
  • Käse

Pflanzliche Nahrungsmittel

  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Getreide

Was Sie bei Mangelernährung selbst tun können

Günstig ist es, mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, langsam zu essen und gut zu kauen. Frische Gewürze wirken appetitanregend und appetitlich, das Auge isst mit. Wichtig ist die Flüssigkeitszufuhr nicht zu vergessen, am besten mehrmals über den Tag in kleinen Schlucken.

Leichte Bewegung und Aktivitäten im Freien können den Appetit fördern. Eine Möglichkeit ist es, einen kleinen Vorrat an verschiedenen Lieblingsmahlzeiten anzulegen - wenn plötzlich Appetit eintritt können diese ohne großen Aufwand schnell verzehrt werden.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz, BA
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Priv.-Doz. Mag. Dr.

Karin Emmy Schindler

Ernährungswissenschaftlerin

Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, MedUni Wien

Quellen

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