Magersucht: Wie können Angehörige unterstützen?

Mädchen mit Eltern in der Küche
Wichtig ist es, gemeinsam zu essen und dabei einem bestimmten Ablauf zu folgen. (W. Heiber Fotostudio - Fotolia.com)

Magersucht wirkt sich meist auf die ganze Familie aus. Unverständnis aber auch Schuldgefühle können sich breit machen. Auch Spannungen und Konflikte innerhalb der Familie können auftreten.

Angehörige, Freunde oder Lehrer erkennen meist erst recht spät, wenn jemand an Magersucht leidet, nämlich erst dann, wenn es bereits zu starkem Untergewicht gekommen ist.

Anzeichen einer Magersucht

 

Magersucht - Maßband

Wer 2-3 x täglich seinen Bauch- und Taillenumfang misst, akribisch jedes Gramm Gewichtsverlust in einem Protokoll festhält und das Zielgewicht immer weiter nach unten schraubt, könnte eine Esstörung entwickeln. (Photographee.eu - Fotolia.com)

Alarmzeichen ernst nehmen

 

Daher ist es wichtig, Alarmzeichen richtig zu deuten und die Krankheit nicht zu verleugnen. Warnzeichen für eine Magersucht können sein:

  • Starker, rascher Gewichtsverlust ohne plausible Ursache
  • Umstellen der Ernährung: Verzicht auf fett- und kalorienreiche Lebensmittel
  • Essen nach Ritualen und Essplänen
  • Für kleine Mahlzeiten braucht man lange
  • Vortäuschen zu essen, z.B. Kauen und Ausspucken der Nahrung
  • Häufige Ausreden, um Mahlzeiten auszulassen (z.B. "Habe schon gegessen", "Habe keinen Hunger", "Habe Magenschmerzen")
  • Trinken gegen den Hunger
  • Erbrechen nach dem Essen
  • Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, Angst vor Gewichtszunahme, häufiges Wiegen
  • Verstecken des Körpers z.B. mit weiter Kleidung
  • Übertriebene sportliche Aktivität, jede Gelegenheit wird genutzt um sich zu bewegen (v.a. nach dem Essen)
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit
  • Plötzlicher Leistungsabfall in Schule oder Beruf
  • Fehlende Krankheitseinsicht

Falls Sie mehrere dieser Verhaltensweisen bei einer Ihnen nahestehenden Person bemerken, sprechen Sie mit ihr über Ihren Verdacht oder sprechen Sie mit jemandem, der dieser Person nahesteht. Schauen Sie nicht weg! Der Betroffene wird das Problem aus Selbstschutz möglicherweise verleugnen, daher fällt ein solches Gespräch sicher nicht leicht.

Keine Vorwürfe!

Versuchen Sie, Vorwürfe zu vermeiden. Bieten Sie Unterstützung an, aber drängen Sie nicht. Wenn Sie mit der Situation überfordert sind, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. Wenn sich Ihr Verdacht erhärtet, suchen Sie einen Arzt auf. Nur eine Fachkraft z.B. Arzt, Psychotherapeut oder Mitarbeiter einer spezialisierten Beratungsstelle kann diagnostizieren, ob es sich um Magersucht handelt oder nicht. Ein erster Schritt, den Sie beim Verdacht auf das Vorliegen einer Magersucht tun können, ist der Gang zum Hausarzt.

Sie müssen mit dieser schwierigen Situation nicht alleine zurechtkommen. Ganz im Gegenteil: Angehörige, die in Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen auch für sich als Mitbetroffene Hilfe und Austausch suchen, unterstützen den Therapieprozess häufig auf wertvolle Weise.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Psychotherapeut

Richard L. Fellner

www.psychotherapiepraxis.at/

Quellen

  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, S. Andreae et al., Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2008
  • Ernährungsmedizin, Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer, Hans-Konrad Bielsalski et al., Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, Stuttgart, 2004
  • Ratgeber Magersucht, Informationen für Betroffene und Angehörige, T. Paul, U. Paul, Hochgrefe Verlag, 2008
  • Bulimie und Magersucht, Ratgeber für Eltern. K. Borgstedt, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2013

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