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Im Job: Machokultur macht Männer krank

Seelische Tiefschläge belasten auch die Arbeitsleistung. (Alvin Harambašić - Fotolia.com)

Das Klischee, dass Männer schwer über ihre Gefühle reden können, wurde Jahrzehnte lang kultiviert. Eine aktuelle Erhebung zeigt nun, wie stark die Machokultur im Job die Psyche belastet.

Während Frauen so emotional sind, dass sie jeden Moment wegen einer Kleinigkeit losheulen könnten, sind Männer die psychisch härtesten und stabilsten Geschöpfe auf Mutter Erde. So drastisch mögen Geschlechterklischees heute nicht mehr dargestellt werden, im Ansatz ist diese Denkweise aber immer noch tief in unseren Köpfen verankert. Wie sehr diese konservative Haltung gerade der männlichen Psyche zusetzen kann, zeigt eine neue Studie auf.

Viele Probleme

Durchgeführt wurde die Arbeit von Wissenschaftern der Gesundheitsorganisation Mind, die sich auf psychische Probleme fokussiert. Der Fokus lag dabei auf der Frage, wie Männer eventuelle seelische Belastungen an ihrem Arbeitsplatz verarbeiten können. Demnach gibt es in diesem Bereich zahlreiche Probleme, die oft schon bei vermeintlich banalen Dingen beginnen.

Mangelnde Offenheit

Viele männliche Angestellte tun sich äußerst schwer, mit Arbeitskollegen über ihre Gefühle zu reden. Beim Kontakt mit dem Vorgesetzten wird auf Ehrlichkeit bezüglich des eigenen psychischen Zustands ohnehin fast gänzlich verzichtet. Kaum ein Mann spricht mit dem Chef offen über eventuelle psychische Überbelastungen. Aufgrund dieser Verschlossenheit wachsen sich überschaubare Probleme oft zu größeren Krisen aus.

Kaum jemand nimmt sich frei

Vor diesem Hintergrund überrascht es wohl kaum, dass Männer in entsprechenden Situationen sehr selten Hilfe suchen. Gerade einmal 29% gaben an, im Laufe ihres Lebens der Arbeit zumindest einmal wegen psychischer Beschwerden fern geblieben zu sein. Bei Frauen waren es signifikant höhere 43%. Zudem sind nur 31% der Männer der Meinung, sie können oder könnten am Arbeitsplatz offen über seelische Probleme sprechen. Auch hier haben Frauen mit 38% recht klar die Nase vorn.

Machokultur und ihre Folgen

Eine logische Folge der mal mehr, mal weniger offensichtlichen, aber immer präsenten Machokultur ist hier nur unschwer zu erkennen. Die meisten Männer, das bestätigen Studien ebenso wie tagtägliche Beobachtungen, versuchen psychische Probleme erstmal mit sich selbst zu klären. Offen über Krisen zu reden, wird immer noch als unerlaubtes, beschämendes Eingestehen einer Schwäche angesehen.

Keine Angst vor Spott

Dabei geschieht diese Verurteilung meistens beim Betroffenen selbst. Denn wer wirklich ehrlich über seine psychischen Probleme spricht, dem wird in aller Regel mehr Respekt als Spott entgegengebracht. Für ein etwaiges Gespräch mit dem Arbeitgeber sollten Sie sich dennoch vorbereiten. Unterstützung sowie Informationen zur Rechtslage können etwa die Arbeiterkammer oder die österreichweite Organisation fit2work anbieten.

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