Werden Männer aus Angst nicht direkt konfrontiert?

Werden Männer aus Angst nicht direkt konfrontiert?: Arroganter Mann
Bei Fehlverhalten werden Männer indirekt und Frauen direkt bestraft. (lassedesignen - Fotolia.com)
Wie verhalten Sie sich, wenn Sie sehen, dass jemand achtlos seinen Müll auf die Straße wirft? Laut einer neuen Studie reagieren viele Menschen gar nicht offen darauf, aber sie helfen dafür auch nicht, wenn der Missetäter kurz darauf Hilfe benötigt.

Um direkte und indirekte Bestrafung unter Fremden zu untersuchen, engagierten Ökonom Loukas Balafoutas und sein Team 447 Schauspieler, die auf einem Bahnhof Unruhe stifteten. Sie ließen einen ausgetrunkenen Kaffeebecher einfach achtlos auf den Bahnsteig fallen. Die Wissenschafter beobachteten die Situation, um zu erheben, wie sich Umstehende verhielten. Wie bei der Interpretation von Körpersprache stellten Forscher auch in der sozialen Bestrafung beachtliche geschlechtsspezifische Unterschiede fest: Männer wurden 5 Mal seltener direkt gemaßregelt.

Frauen häufiger direkt gemaßregelt

Häufig nahmen die Menschen im Umfeld sehr wohl das Vergehen wahr, reagierten jedoch nicht. Dabei stellte sich ein Unterschied zwischen Frauen und Männern ein:

  • Männer: Jeder 20. männliche Kaffeebecher-Entsorger wurde von Umstehenden angesprochen
  • Frauen: Jede 4. Frau, die den Bahnsteig verschmutzte wurde gemaßregelt

Das könnte laut Studienleiter Balafoutas daran liegen, dass die Hemmschwelle, Frauen zurechtzuweisen, niedriger ist. Da man bei Männern eher mit einer aggressiven Gegenreaktion rechnet, könnte es sein, dass Fremde sich hier seltener trauen zu reagieren, als das bei Frauen der Fall ist. Möglich ist aber auch, dass geschlechtsspezifische Rollenbilder ein Verschmutzen des Bahnsteiges durch eine Frau verstärkt ankreiden, und es bei Männern als weniger schlimm empfunden wird.

Unterlassene Hilfeleistung als Bestrafung

Im nächsten Schritt wurden die Schauspieler dazu angehalten, sich in eine Situation zu bringen, in der sie Hilfe benötigten. Sie hatten einen Stapel Bücher mit und ließen diesen "versehentlich" fallen, nachdem sie zuvor den Kaffeebecher weggeworfen hatten. Umstehende, die das Verschmutzen beobachtet hatten, halfen den Betroffenen deutlich seltener beim Aufheben der Bücher. Wurde davor kein Fehlverhalten begangen, zeigten sich die Mitmenschen sehr hilfsbereit.

Hier drehte sich die geschlechtsabhängige Bestrafung übrigens um: Frauen wurden trotz vorangegangenem Fehlverhalten häufiger geholfen als Männern. Auch hier könnten Rollenbilder für das Verhalten verantwortlich sein. Frauen werden vielleicht eher als hilfsbedürftig erachtet. Die Forscher folgern also, dass das soziale Umfeld Frauen häufiger direkt, Männer dafür lieber indirekt bestraft.

Quellen

Mehr zum Thema