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Luftverschmutzung erhöht das Risiko für Allergien und Asthma

Radfahren
Radfahrer sind besonders stark den Autoabgasen ausgesetzt, die die Wirkung von Pollen auf die Atemwege verstärken können. (connel_design - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Pollenallergie

Autoabgase, Ozon und Feinstaub machen Allergikern das Leben noch schwerer. Denn der Cocktail aus Umweltschadstoffen macht Pollen aggressiver. Was die Luftverschmutzung für das Allergierisiko bedeutet, zeigt ein Teil der Pollen-App des Pollenwarndiensts.

Stickstoffdioxide, Ozon, Feinstaub: Studien lassen damit aufhorchen, dass die gefährlichen Umweltschadstoffe negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Pollenallergien haben. Zum einen bewirken die Schadstoffe, dass die Pflanze "gestresst“"ist, dadurch mehr Allergene produziert und freigesetzt. Zum anderen wirken sie direkt auf den Menschen und machen ihn wehrloser gegen das "Schadstoff-Allergen-Gemisch" – allergische Reaktionen werden heftiger.

Feinstaub beeinflusst Immunsystem

Auch Feinstaub versetzt das Immunsystem in erhöhte Alarmbereitschaft. Studien zeigen, dass Feinstaub die Lungenfunktion beeinträchtigen, den Medikamentenbedarf erhöhen, Einfluss auf die Bildung von allergenspezifischen IgE-Antikörpern im Blut haben und so das Allergierisiko verstärken können. Dazu können sich besonders Dieselrußpartikel an die Oberfläche von Pollen anheften und zusätzliche Entzündungen fördern.

Univ.-Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann von der Technischen Universität München: "Das könnte eine Erklärung dafür liefern, warum Städter, die dem gefährlichen Mix aus Stickoxiden und Ozon am meisten ausgesetzt sind, häufiger unter allergischem Schnupfen und Asthma bronchiale leiden als Menschen am Land."

Gefährliche Autoabgase

Wohnt man an einer stark befahrenen Straße, muss man mit dem vermehrten Auftreten von Atemwegserkrankungen rechnen. Mehrere Studien zeigen, dass verkehrsbedingte Stichstoffdioxidbelastung bei Kindern und Jugendlichen zu Asthma mit seinen typischen Symptomen führt. Univ.- Doz. Dr. Felix Wantke, Lungenfacharzt und ärztlicher Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums (Wien): "Kinder, die weniger als 50 Meter von einer viel befahrenen Hauptstraße entfernt wohnten, hatten im Vergleich zu Gleichaltrigen in verkehrsärmeren Gebieten ein um bis zu 50 % höheres Risiko für Atemwegserkrankungen. Mit steigendem Abstand zur Hauptstraße nahm das Erkrankungsrisiko immer weiter ab."

Beschwerden durch Ozon & Stickstoffdioxid

Mindestens jeder Zehnte reagiert mit Kopfschmerzen, tränenden Augen oder Husten auf eine erhöhte Ozonkonzentration. Dazu wird das Reizgas nicht von den Schleimhäuten der oberen Atemwege zurückgehalten, sondern bahnt sich seinen Weg gefährlich tief in die Bronchien. Zerfallen in aggressive Sauerstoffradikale, verursacht es dort Entzündungen und schädigt das Lungengewebe.

Auch Stickstoffdioxid eine Vorläufersubstanz von Ozon, schädigt Schleimhautgewebe in den Atemwegen und macht sie anfälliger. Werden dann Allergene eingeatmet, können diese sehr viel unvermittelter wirken und das Immunsystem reagiert heftiger.

Auch Pflanzen haben Stress

Umweltgifte bewirken in den Pflanzen eine Art Stressreatkion, die ihr das Überleben sichern soll. Sie bildet mehr Allergene, die Pollenbelastung nimmt zu, wie Laborversuche und Freilandstudien an der Technischen Universität München gezeigt, haben. Auffallend ist dabei, dass im ländlichen Raum ein Prozent mehr Pollen fliegen, während im Stadtgebiet die Pollenzahl um starke drei Prozent angestiegen ist.

Luftverschmutzung jetzt Teil der Pollen-App

 "Mit Start der heurigen Pollensaison können nun auch Feinstaubbelastung, Ozonwert, Stickstoff- und Schwefeldioxidgehalt in der Luft für jeweils drei Tage auf der Pollen-App abgerufen werden. Kombiniert man die Schadstoffe mit der aktuellen Pollenmenge in der Luft, ergibt sich ein Allergierisiko", beschreibt  Uwe E. Berger (MBA), Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes das neue Angebot.

AllergikerInnen können sich somit zusätzlich zur personalisierten Pollenwarnung nun auch eine Orientierung verschaffen, wie hoch der Einfluss der wichtigsten Partikel in der Luft auf ihre Gesundheit ist. Dieser Service ist weltweit einzigartig und wird in einem ersten Schritt für die Länder Österreich, Deutschland, Schweiz sowie Schweden zur Verfügung gestellt und sukzessive in Zusammenarbeit mit den jeweiligen nationalen Pollenwarndiensten auf weitere Länder ausgerollt.

Die App steht für iPhones, Androidhandys und sonstige mobile Devices zum kostenlosen Download auf www.pollenwarndienst.at sowie den App-Stores zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

Quellen

  • Pressekonferenz "Start in die Pollensaison 2017", 14. März, in Wien

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