Kuren bei rheumatischen Erkrankungen

Kuren bei rheumatischen Erkrankungen: Ein Rheuma-Patient trägt eine Fango-Packung auf sein schmerzendes Gelenk auf.
Teil einer Kur bei Rheuma ist z.B. die Thermotherapie, bei der Fango oder Moor auf die betroffenen Gelenke aufgetragen werden. Dies wirkt durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. (stormy - Fotolia.com)
Kuren sind bei rheumatischen Erkrankungen ein wirksames Mittel, um ein Fortschreiten des Gelenkverschleißes zu verhindern, die Entzündungen einzudämmen und die Schmerzen zu lindern.

Vor allem Behandlungen mit natürlichen Heilvorkommen wie dem Edelgas Radon erzielen dabei positive Effekte, die auch Monate nach der Kur noch messbar sind. Mit physikalischen Behandlungen wie Bewegungs-, Elektro- oder etwa Ergotherapie werden hauptsächlich Schmerzen reduziert und die Mobilität im Alltag erhöht. Eine Verringerung des Medikamentenkonsums ist ebenfalls ein Therapieziel. Damit trägt die Kur einen großen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen bei.

Bei welchen rheumatischen Beschwerden hilft eine Kur?

Kuren aufgrund von rheumatischen Erkrankungen werden bei folgenden Krankheitsbildern verschrieben:

  • Erkrankungen der Wirbelsäule wie unspezifischer Wirbelsäulenschmerz, degenerative Veränderungen wie eine Spinalkanalstenose (Wirbelkanalverengung), Bandscheibenverschleiß oder entzündliche Erkrankungen wie eine Spondylodiszitis (Bandscheibenentzündung)
  • entzündliche Formen der Gelenkerkrankungen wie z.B. rheumatoide Arthritis, Spondylarthritis wie Morbus Bechterew oder Schuppenflechte in Kombination mit Arthritis (Psoriasis Arthritis)
  • degenerative Formen der Gelenkserkrankungen wie z.B. Arthrose, also ein Verschleiß von Wirbelsäulen-, Hüft-, Knie- und Schultergelenken
  • Weichteilrheumatismus wie der Muskel-Faser-Schmerz (Fibromyalgie), der sich in Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Rücken in Kombination mit Müdigkeit, auszeichnet
  • systemischen Knochenerkrankungen wie die Sklerodermie, bei der es zu einer Verhärtung von Haut und Organen kommt

Ziele von Kuren bei Rheuma

Ziel von Kuren bei rheumatischen Erkrankungen ist die Reduktion des Medikamentenverbrauchs, eine Linderung der Schmerzen und die Verbesserung der Beweglichkeit im Alltag. Bei einigen Formen wie z.B. den entzündlichen Formen von Rheuma wie rheumatoider Arthritis werden die Diagnosen häufig sehr spät gestellt und es sind bereits irreparable Schäden an den Gelenken entstanden. Kuren helfen dann mit, die Funktionen der Gelenke möglichst lange zu erhalten.

Dauer der Kur

Eine Kur bei rheumatischen Beschwerden wird üblicherweise über einen Zeitraum von 3 Wochen verschrieben. In einigen Fällen werden auch 4 Wochen genehmigt.

Therapiemöglichkeiten

Bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen kommen neben der medikamentösen Therapie und der Nutzung der natürlichen Heilvorkommen des Kurortes wie Heilstollen oder Bädern in Radon oder Schwefel auch physikalische Therapien zum Einsatz.

Ein Überblick:

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie wird auch in der Kur fortgesetzt. Es sind bei Bedarf auch Infusion und Infiltration möglich. Ziel ist aber eine Reduktion des Medikamentenverbrauchs.

Heilstollen

Heilstollen sind üblicherweise still gelegte Bergwerke. Das unterirdische Klima wird von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit, dem Luftzug und der Reinheit der Luft bestimmt. Diese bleiben das gesamte Jahr konstant. Zur Behandlung von Rheuma erzielen vor allem Besuche in Heilstollen mit dem Edelgas Radon gute Wirkungen. Während einer 3- bis 4-wöchigen Kur erfolgen in der Regel zwischen 9 und 12 Besuche im Heilstollen. Je nach Heilstollen wirkt dieser aufgrund der Konzentration des Radons in der Atemluft, aber auch eine hohe Raumtemperatur und hohe Luftfeuchtigkeit können sich positiv auf die Beschwerden auswirken. Die Schmerzlinderung, Reduktion der Medikamente und Verbesserung der Funktionen können bis zu 12 Monate und länger andauern.

Thermotherapie

Sowohl Wärme- als auch Kälteanwendungen können eine Linderung der Schmerzen verschaffen. Kälte wird eher bei akuten Problemen eingesetzt und findet dann großflächig in Form von kalten Wickeln, Eisbeuteln oder kalter Luft Anwendung. Aber auch kleinere Körperregionen können gezielt mit Eispackungen versorgt werden. Mit der Kälte soll die Durchblutung verringert werden, um so die Schmerzen zu lindern.

Die Wärmetherapie kommt ebenfalls großflächig zum Einsatz. Diese dient zur Durchblutungssteigerung, Verbesserung des Stoffwechsels, zur Muskelentspannung und Schmerzlinderung. Mögliche Behandlungsmethoden:

  • warme Packungen mit Fango oder Moor: Diese sind durchblutungsfördernd und entzündungshemmend.
  • Hydrotherapie: Bäder, die mit Zusätzen wie Fichtennadeln, Steinöl oder Moorschwebstoff kombiniert werden.
  • Ultraschall: Behandlungen mit Ultraschall sollen die Steifheit von Gelenken verringern. Die Wellen werden in Wärme umgewandelt, das aktiviert den Stoffwechsel und steigert die Schmerzschwelle.
  • Hochfrequente Elektrotherapie: Die hochfrequente Therapie mit über 10.000 Hertz dient ebenfalls zur Erwärmung des Gewebes. Diese dringt tiefer ins Gewebe als andere Behandlungen.

Hydrotherapie

Physiotherapeutische Behandlungen in unterschiedlich temperiertem Wasser sollen den Körper anregen, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und die Durchblutung zu steigern.

Bei rheumatischen Beschwerden wird vor allem zu Bädern in schwefelhaltigem (z.B. Sulfide) und farb-, geruch- und geschmacklosem, radonhaltigem Wasser geraten.

In Studien konnte die Wirksamkeit von radonhaltigem Wasser bei rheumatischen Beschwerden eindeutig bewiesen werden.
Das schwefelhaltige Wasser führt zu einer Linderung der Schmerzen während der Behandlung, aber auch die Stimmung wird gehoben.

Die Behandlungen dauern zwischen 15 und 30 Minuten (Radon-Wannenbad z.B. 15 bis 20 Minuten, Schwefelbad zwischen 15 und 25 Minuten, Radon-Unterwassertherapie 30 Minuten).

Die Gelenke werden  beim Wassertraining weniger belastet.

Aber auch das Training im Wasser ist empfehlenswert. da der Körper nicht sein ganzes Gewicht tragen muss und somit die Bewegungen schonender für die Gelenke sind.

Massagetherapie

Dabei kommen sowohl klassische Massagen, als auch spezielle Behandlungen zum Einsatz:

  • Klassische Massage: Bei der klassischen Massage wird geknetet und geschüttelt, um die Durchblutung der Haut und der darunter liegenden Gewebsschichten zu verbessern.
  • Triggerpunktmassage: Bei dieser Behandlung werden Verhärtungen an speziellen Stellen, die Auslöser für Schmerzen sein können, wieder gelockert.
  • Lymphdrainage: Die Lymphdrainage ist sanfter als andere Massagen. Durch die Behandlung wird der Abfluss der Lymphe wieder verbessert.

Akupunktur

Die Akupunktur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und geht davon aus, dass durch den Körper 12 Energiebahnen laufen. Krankheiten entsprechen Störungen dieser Energiebahnen. Wenn man Nadeln an bestimmte Stellen dieser Energiebahnen setzt, können diese Störungen behoben und so der Energiefluss wieder ins Laufen gebracht werden. Im Fall von Rheuma werden die Beschwerden gemildert und die Schmerzen reduziert.

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie dient vor allem der Schmerzlinderung. Es kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:

  • Niederfrequenz bis zu 1000 Hertz: Bei der Galvanisation (Ionto), einer schmerzfreien Behandlung mit Gleichstrom, wird der pH-Wert des Gewebes verändert. Durch eine kurze künstliche Anstrengung kommt es danach zu einem Erschlaffen der Muskeln und einer Linderung der Schmerzen. Bei der Reizstromtherapie (TENS) werden Nerven, Gewebe und Muskeln gereizt. Die Impulse verursachen keine Schmerzen  und erfolgen mit einem kleinen Gerät, das mit nach Hause genommen werden kann.
  • Mittelfrequenz zwischen 1000 und 10.000 Hertz: Dabei handelt es sich um ein Muskeltraining, das gleichzeitig der Linderung der Schmerzen dient. Bei mittelfrequentem Strom kommt es zu keinen Ermüdungserscheinungen.
  • Hochfrequenz über 10.000 Hertz: siehe Thermotherapie.

Bewegungstherapie

Bei der Bewegungstherapie unterscheidet man zwischen der Heilgymnastik und Training. Die Heilgymnastik dient dazu, durch individuelle Übungen die Beweglichkeit und Koordination zu erhöhen, sie  geht ab einer gewissen Belastung fließend in ein Training über. Beide Maßnahmen dienen dazu, um:

  • die Mobilität wieder zu erhöhen
  • die Muskeln zu kräftigen
  • die Ausdauer zu verbessern
  • Koordination und Balancegefühl zu erhöhen
  • das Schmerzempfinden zu reduzieren
  • die Stimmung zu verbessern
  • das Gewicht zu senken

Den Betroffenen wird gezeigt, wie sie täglich zu Hause ein effektives Sportprogramm durchführen und dabei Fehl- und Überbelastungen vermeiden können. Auch Krafttraining an Geräten oder mit Hanteln sowie Ausdaueraktivitäten wie Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Langlaufen können am Programm stehen. Ebenfalls hilfreich: Der Besuch einer Rückenschule, in der gezeigt wird, wie Bauch- und Rückenmuskulatur gestärkt werden können. Bei einigen Kuren können auch manuelle Therapien und Cranio-Sacrale Therapien in Anspruch genommen werden.

Ergotherapie

Die Ergotherapie soll die Selbstständigkeit der Erkrankten erhöhen. Dabei werden sämtliche Tätigkeiten im Alltag geübt, wie sich selbst anzuziehen oder Knöpfe zu schließen - je nachdem, bei welchen Aktivitäten Probleme bestehen. Die Therapie kann in Einzel- und oder Gruppenstunden erfolgen.

Psychologische Beratung

Im Zuge einer psychologischen Beratung können Betroffene Entspannungstechniken wie Atemtechniken zur Entspannung, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen zur Stressbewältigung erlernen und bekommen Hilfe, wenn sie mit dem Rauchen aufhören wollen.

Ernährungsberatung

Bei Vorträgen und individuellen Ernährungsberatungen können sich Betroffene über Diäten sowie Ernährung bei Stoffwechselerkrankungen informieren.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Chefarzt Univ.- Doz.

Dr. Bertram Hölzl

Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen Betriebsges.m.b.H.

Bad Gastein

Gesundheitskompass

Quellen