Kur und Rehabilitation

Kur und Rehabilitation: Patient wird von Arzt behandelt
Nach Unfällen helfen medizinische Rehabilitationen Betroffenen, den Weg zu einem selbstständigen Leben wieder zu ebnen. (Photographee.eu - Fotolia.com)
Wie unterscheiden sich eine Kur und eine Rehabilitation, kurz Reha, voneinander? In beiden Fällen, den sogenannten Kur- oder Rehabilitationsanstalten, werden medizinische Therapien verordnet. Was aber auf den ersten Blick so ähnlich erscheint, ist bei einer zweiten Betrachtung etwas völlig anderes.

Während eine Kur der Vorsorge dient und Beschwerden lindert, soll eine Reha die Gesundheit wiederherstellen. Dies findet meist nach einschneidenden Ereignissen für Gesundheit und Wohlergehen wie Unfällen, nach Operationen oder bei schweren Erkrankungen (z. B. Diabetes Typ I und Diabetes Typ II, chronische Erkrankungen der Lunge wie COPD, Asthma bronchiale oder auch bei Adipositas) statt. Doch es gibt noch ganz andere Unterschiede.

Kur

Ein Kuraufenthalt dient dazu, gesund zu bleiben und chronische Erkrankungen zu lindern. Mit Wellness hat dieser jedoch nichts am Hut. Vielmehr werden über den Tag verteilt unterschiedlichste medizinische Therapien durchgeführt.

Indikationen für eine Kur

Kuren werden in 5 Kategorien unterteilt:

  • aktiver und passiver Bewegungsapparat (Bewegungs- und Stützapparat) (z. B. bei Funktionseinschränkungen oder entzündlichen Erkrankungen)
  • Stoffwechsel (z. B. Metabolisches Syndrom )
  • Atemwegserkrankungen (z. B. COPD, Asthma bronchiale)
  • Haut (Psoriasis, Neurodermitis, Ekzeme)
  • Störungen der arteriellen Blutversorgung der Extremitäten (periphere arterielle Verschlusskrankheit/ pAVK genannt) bzw. Erkrankungen des Gefäßsystems wie Arteriosklerose. Die Wahl des Kurortes und der damit verfügbaren Heilmethoden und Ausstattung entscheidet sich aufgrund der Erkrankung.

Wann wird eine Kur nicht verordnet

Bei folgenden schweren akuten Krankheiten muss auf eine Kur verzichtet werden:

  • akute Erkrankungen, die einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus erfordern (z. B. Lungenembolie, Pneumonie, Bandscheibenvorfall mit Lähmung)
  • schwere Einschränkungen der Funktionen von Herz, Niere, Lunge, Leber (z. B. Dialysepatienten)
  • akute Infektionskrankheiten (z. B. Hepatitis B, Tuberkulose)
  • hohe Pflegebedürftigkeit
  • psychische Störungen oder starker geistiger Abbau (z. B. Psychosen)
  • Drogenabhängigkeit oder Alkoholismus
  • Schwangerschaften

In diesen Fällen sind Kuren wenig erfolgsversprechend, und der Schaden könnte bei falscher Anwendung größer sein als der Nutzen.

Dauer eines Kuraufenthalts

Eine Kur dauert in der Regel 3 Wochen. Ist aus medizinischen Gründen ein längerer Aufenthalt notwendig, kann dieser auch ausgedehnt werden. So dauert eine Kur am Meer bei Psoriasis und Neurodermitis 4 Wochen.

Ziele einer Kur

Im Rahmen eines Kuraufenthaltes werden Maßnahmen gesetzt, um ...

  • den Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten
  • eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. den bestehenden Status der Pflegebedürftigkeit zu erhalten oder verbessern und den pflegebedürftigen Personen zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen
  • Einschränkungen wie z. B. eine Schädigung der Haut zu beheben oder zumindest zu lindern (z. B. Kur bei Hauterkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis)
  • Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln

Verlauf einer Kur

Am Kurort angekommen, findet zu Beginn immer eine Untersuchung durch den Kurarzt statt. Daraufhin legt der Arzt einen Therapieplan fest, der genau besagt, welche Therapien in den kommenden 3 Wochen stattfinden und wie diese genau aussehen. Der Therapieplan ist meist sehr dicht gefüllt mit Terminen. Es folgen noch eine Zwischen- und eine Abschlussuntersuchung zur Überprüfung der Heilungserfolge.

Wo finden Kuren statt?

Kuren finden immer an behördlich anerkannten Kurorten statt, um physikalische Anwendungen mit natürlichen Heilmitteln vor Ort kombinieren zu können. Eine Kur kann in einer Kureinrichtung der Krankenkasse sowie bei einem Vertragspartner durchgeführt werden. Ist dort kein Platz oder sind spezielle Therapien notwendig, die in den eigenen Häusern nicht angeboten werden, können Kostenzuschüsse für andere Kuranstalten beantragt werden. In diesem Fall werden die Kosten selbst übernommen und können nach erfolgter Bezahlung eingereicht werden. Ein Teil wird dann wieder zurückerstattet. Bei bestimmten Erkrankungen ist auch ein Aufenthalt im Ausland möglich wie z. B. bei Schuppenflechte (Kur bei Psoriasis) am Toten Meer.

Info: Auch in den Kureinrichtungen der Krankenkassen ist immer ein Eigenanteil zu bezahlen. Dieser macht 2013 7,24 Euro pro Tag bei einem Bruttoeinkommen von max. 1.419,01 Euro aus, bei 2.000,40 Euro beträgt er 12,41Euro und bei mehr als 2.000,40 Euro 17,58 Euro. Eine Befreiung gibt es, wenn das Bruttoeinkommen 837,63 Euro nicht übersteigt bzw. dem Versicherten oder dessen Ehegatte eine Ausgleichzulage gebührt.

Bewilligung von Kuraufenthalten

Ein Kuraufenthalt kann beim praktischen Arzt angesucht werden. Der Antrag und welche Kur für wen passt wird dann von der zuständigen Sozialversicherung oder Pensionsversicherung geprüft. Auf Kuraufenthalte besteht kein Rechtsanspruch, da es sich um freiwillige Maßnahmen der Versicherungsträger zur Gesundheitsvorsorge handelt. Innerhalb von 5 Jahren sind 2 von der Kasse bezahlte Kuraufenthalte möglich. Während einer Kur befindet man sich im Krankenstand.

Reha (Rehabilitation)

Medizinische Rehabilitationen haben den Zweck, Personen mit schweren chronischen Erkrankungen oder nach Unfällen den Weg zu einem selbstständigen Leben wieder zu ebnen. Sie werden dann notwendig, wenn nach einer Behandlung im Krankenhaus noch eine weitere stationäre Betreuung gebracht wird.

Wann wird eine Reha bewilligt?

Um eine Rehabilitation gewährt zu bekommen, muss ...

  • ein Bedarf nach einem Unfall oder einer chronischen Erkrankung vorliegen
  • der Gesundheitszustand so weit stabil sein, dass es möglich ist, 2 bis 3 Stunden täglich medizinische Maßnahmen durchzuführen
  • die Möglichkeit einer Verbesserung des Gesundheitszustandes bestehen
  • Zusätzlich werden im Rahmen einer Reha auch immer Risikofaktoren mitbehandelt, die Psyche gestärkt, der Medikamentenkonsum reduziert sowie über Erkrankung und ihre Folgen informiert

In Österreich gibt es 4 Ausgangssituationen, die zu einer Reha führen können:

  • Anschlussheilverfahren: Eine Reha direkt im Anschluss an einen Unfall oder z. B. eine Brustkrebsbehandlung. In diesem Fall muss innerhalb von 12 Wochen nach dem Ereignis die Reha angetreten werden.
  • Normales Rehabilitationsverfahren: Findet dann statt, wenn chronische Erkrankungen sich massiv verschlechtern.
  • Früherfassung: Kann von der Krankenversicherung nach einer Krankenstandsdauer von 12 Wochen beantragt werden.
  • Pensionsfeststellung: Bei Anträgen auf Frühpensionierungen wegen geminderter Erwerbsfähigkeit wird automatisch ein Antrag auf eine Rehabilitation gestellt.

Dauer einer Reha

Im Schnitt dauert eine Rehabilitation 22 bis 29 Tage, aber auch längere Aufenthalte sind bei Bedarf möglich.

Ziele einer Reha

Medizinische Rehabilitationen sollen es dem Betroffenen bei chronischen Erkrankungen oder nach Unfällen ermöglichen, sein Leben wieder möglichst selbstständig führen zu können. Um das zu erreichen, steht den Reha-Gästen während des Aufenthaltes ein ganzes Team von Ärzten, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Diätologen, Pflegern und anderen Betreuern zur Seite.

Häufige Krankheitsbilder

Folgende Krankheitsbilder sind die häufigsten Gründe für Rehas:

  • Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates wie degenerative und entzündliche Erkrankungen sowie Funktionseinschränkungen nach Unfällen
  • Erkrankungen der Lunge wie chronisches Asthma oder COPD
  • Neurologische Erkrankungen wie nach Verletzungen des Rückenmarks oder nach chirurgischen Eingriffen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 1, Metabolisches Syndrom oder Adipositas
  • Nach Krebserkrankungen oder bei Lymphödemen
  • Bei psychischen Störungen wie Schizophrenie oder Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Wo findet eine Reha statt?

Rehas finden in speziellen Sonderkrankenanstalten, sogenannten Rehabilitationszentren, statt. Dort ist sowohl die ärztliche Betreuung als auch die Versorgung mit benötigten Heilbehalten und Heilmitteln gewährleistet. In einigen Städten gibt es auch Rehazentren, in denen eine ambulante Therapie möglich ist.

Wo wird eine Reha beantragt?

Um eine Reha beantragen zu können, muss eine medizinische Notwendigkeit vorliegen. Dann kann diese von einem Arzt oder in einem Krankenhaus verordnet und von der Sozialversicherung, Unfallversicherung oder Pensionsversicherung bewilligt werden. Auch bei Rehabilitationen gibt es einen Eigenanteil. Dieser macht 7,24 Euro pro Tag bei einem Bruttoeinkommen von max. 1.419,01 Euro aus, bei 2.000,40 Euro beträgt er 12,41 Euro und bei mehr als 2.000,40 Euro 17,58 Euro. Eine Befreiung gibt es, wenn das Bruttoeinkommen 837,63 Euro nicht übersteigt bzw. dem Versicherten oder dessen Ehegatten eine Ausgleichzulage gebührt.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Quellen

Mehr zum Thema