Den Kreuzbandriss neu behandeln

Frau wird von der Piste mit Rettungshelfern abtransportiert.
Ein Schifunfall endet häufig im Krankenhaus. Die meisten Verletzungen betreffen dabei das Knie. (CandyBox Images - Fotolia.com)

Tausende österreichische Schifahrer und Snowboarder müssen jährlich im Krankenhaus verletzungsbedingt behandelt werden – am häufigsten betroffen ist mit rund einem Drittel das Knie.

So wurden laut aktuellen Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit im Jahr 2015 25.700 österreichische Wintersportler mit Verletzungen ins Spital eingeliefert. Besonders gefährdet ist das Knie, vor allem der Riss des vorderen Kreuzbandes. Dabei spielt das Alter keine Rolle. Kreuzbandrisse sind in allen Altersstufen vertreten. Sie sind jedoch bei jungen besonders leichtsinnigen Fahrern am häufigsten. Je sportlicher und aktiver ein Mensch ist, desto wichtiger ist die Behandlung eines vorderen Kreuzbandrisses.

Der klassische Kreuzbandersatz

Künstlicher Bandersatz hat sich – laut Experten – nicht bewährt. Deshalb wird das vordere Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt. Zur Auswahl stehen dafür eine Sehne des hinteren Oberschenkels sowie alternativ das mittlere Drittel der Kniescheibensehne. Mediziner entscheiden bei der Verwendung der Sehnen je nach Situation. Maßgebend ist etwa der Beruf des Patienten und wie stark er in diesem seine Knie belasten muss. Auch kosmetische Aspekte spielen eine Rolle. So kann mit der Verwendung einer Sehne des hinteren Oberschenkels eine sichtbare Narbe am Knie verhindert werden. Für die Operation wird die gesamte Sehne entnommen. Bis das „Remodelling“ abgeschlossen ist – die Sehne sich also zum Band entwickelt hat – dauert es in der Regel ein bis drei Jahre.

Lebende Kreuzbandsehne

Eine schnellere Einheilungszeit und damit eine raschere sportliche Aktivität erhofft man sich nun von einer innovativen Technik. Priv.-Doz. Dr. Patrick Weninger, Unfallchirurg im Sportorthopädie-Team am Orthopädischen Spital Speising, hat gemeinsam mit Mag. Dr. Lena Hirtler, Zentrum für Anatomie und Zellbiologie, der Medizinischen Universität Wien, eine neue Operationsmethode beschrieben. Bei dieser werden die entsprechenden Sehnen nicht mehr vollständig herausgenommen. Die Sehne bleibt an einer Stelle fest verwachsen und wird somit durchblutet. Dadurch erhofft man sich eine Reihe von Vorteilen wie das schnellere Einwachsen in das Kniegelenk, die raschere Umwandlung in eine bandartige Struktur und somit die zügigere Sportrückkehr. 2017 werden nun die ersten Patienten auf diese Weise operiert.

Verletzungen verhindern

Um erst gar keine Knie- oder sonstigen Wintersportverletzungen zu erleiden, kann man einige Tipps befolgen. So sollte zumindest 3 Monate vor dem Winterurlaub mit einem Aufbautraining gestartet werden. Eine dem Trainingsbeginn vorausgehende, sportmedizinische Leistungsuntersuchung gibt Aufschluss über das individuelle Leistungslevel und hilft bei der Trainingsplanung. Neben gutem Aufwärmen auf der Piste und der richtigen Technik, helfen Pausen und ein richtiges Einschätzen des Risikos. Passen Sie Geschwindigkeit und Fahrweise dem eigenen Können sowie den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen an.

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Quellen

  • Pressekonferenz: Von der Piste in den OP, Orthopädisches Spital Speising, Wien, 16.12.2016

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