Lebensmittel, die Kopfschmerzen verursachen

Frau hat Kopfschmerzen und greift sich mit den Händen an den Kopf
Mehr als 1 Million Menschen sind in Österreich regelmäßig von Kopfschmerzen betroffen. (Maridav - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kopfschmerzen

Alkohol ist bekanntermaßen ein Lebensmittel, das Kopfschmerzen verursachen kann. Er ist einer der häufigste Auslöser für das Hämmern und Pochen im Oberstübchen.

Andererseits helfen sich wiederum manche Migräne-Patienten mit Bier über Migräne-Anfälle hinweg. Nahrungsmittel wie Schokolade und Käse können ebenso Auslöser für Kopfschmerzen sein, letzterer vor allem für Menschen, die histaminintolerant sind.

Slideshow: Lebensmittel, die zu Kopfweh führen können

Alkohol

Die Rolle von Alkohol beim Auslösen von Kopfschmerzen ist relativ umstritten. Manchen Betroffenen soll ein Glas Bier sogar helfen. Allerdings gibt es auch genug Menschen, bei denen Alkoholkonsum regelmäßig zu Kopfschmerzen führt. (Brent Hofacker - Fotolia.com)

Wodka fördert Migräne nicht

Nicht jeder Alkohol löst Kopfschmerz aus. Für Migränepatienten ist häufiger Rotweinkonsum ein Auslöser für Kopfschmerz, ein sogenannter Trigger-Faktor. Überraschendes Ergebnis einer Studie: Für Migräne-Patienten ist der Konsum von Rotwein, nicht aber von Wodka ein Kopfschmerz-Auslöser.

Bier kann bei Migräne helfen

Einer Tagebuch-Studie der Uni Wien zufolge kann Migräne-Patienten wiederum Bier helfen. Kündigt sich eine Migräne-Attacke an und Sie konsumieren dann sofort ein Bier, kann das Hopfengetränk den Anfall abschwächen oder gar verhindern. Das ist erstens nur eine Beobachtung und soll zweitens keine Aufforderung zum Bierkonsum sein, jedoch: Kopfschmerz-Patienten, denen Alkohol in Maßen keine zusätzliche Pein bereitet, sollten Bier und Co auch nicht verboten werden.

Diese Lebensmittel stehen mit Kopfschmerz in Verbindung

  • Alkohol
  • Kaffee
  • Schokolade
  • Histamin
  • Viel Zucker
  • Aspartam
  •  Geschmacksverstärker (Glutamat)

Kaffee als Kopfschmerz-Auslöser

Ein weiteres flüssiges Genussmittel, das mit Kopfweh in Verbindung gebracht werden kann, ist Kaffee. Einige Personen bekommen sogar von diesem so beliebten Genussmittel Kopfweh. Eine mögliche Erklärung: Koffein führt zu vermehrter Ausscheidung von Magnesium und Noradrenalin und das wiederum löst bei empfindlichen Menschen ein Hämmern oder Pochen im Kopf aus. Wissenschaftlich untersucht ist das noch nicht. Berichtet wird es indes immer wieder.

Kaffee als Kopfschmerz-Killer

Es kommt aber auch das krasse Gegenteil immer wieder vor: Etliche schwören darauf, dass Kaffeegenuss als Kopfschmerz-Killer wirkt. Konkreteres Datenmaterial gibt es zu Kopfschmerzen durch Koffein-Entzug; zu den häufigsten Symptomen eines Verzichts auf diesen Stoff gehört eben der Kopfschmerz. Dieser kann aber durchaus auch durch Dehydrierung (Flüssigkeitsdefizit) ausgelöst werden.

Kopfschmerz durch Wassermangel

Wer zu wenig trinkt und plötzlich Kopfweh bekommt, sollte daran denken: Ein halber bis ein Dreiviertel Liter Wasser oder Mineralwasser könnten in diesem Fall Linderung bringen. Übrigens: Alkohol und Koffein, respektive Koffeinentzug, sind innerhalb der ess- und trinkbaren Auslösefaktoren von Kopfschmerzen noch am ehesten belegt. Für die meisten anderen Lebensmittel existieren großteils nur Studien, welche die subjektive Erfahrung der Teilnehmer wiedergeben, also wissenschaftlich noch nicht 100prozentig einzuordnen sind.

Schokolade kann zu Kopfschmerzen führen

Kopfweh nach Schokolade? Das kann schon passieren. Einen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang gibt es jedoch auch dafür nicht. Doppelblinde, placebokontrollierte Studien erbrachten kontroverse Ergebnisse: In einer Untersuchung erlitten 5 von 12 Patienten nach Schoko-Verzehr eine Migräne-Attacke, von den 8 Probanden, die nur Placebo erhielten, klagte indes keiner über Migräne. Die Ergebnisse schwanken aber in den unterschiedlichen Studien stark. Andere Ergebnisse lieferte eine weitere Studie: 19 % der Patienten bekamen nach Schokolade-Genuss Kopfweh, aber auch 12 % der Placebogruppe. Die Liste der unterschiedlichen Studienergebnisse ließe sich fortsetzen.

Käse - biogene Amine

Auch Käse nimmt im Reigen der Übeltäter einen festen, wenn auch keineswegs wissenschaftlich untermauerten Platz ein. Als Schuldiger am Kopfweh nach Käsekonsum werden die durch Milchsäurebakterien gebildeten biogenen Amine diskutiert, wozu etwa Histamin gehört. Das wird immer wieder als Ursache von Kopfschmerz (und anderen Problemen, wie beispielsweise Kurzatmigkeit oder Durchfall) gehandelt. Histaminhaltige Lebensmittel sind unter anderem Käse, Wein und geräuchertes Fleisch, zu den Nahrungsmitteln, welche die Histamin-Freisetzung fördern, zählen etwa Alkohol, Schokolade, Erdbeeren, Schalentiere, Tomaten. Aber auch hier fehlen letzten Endes klare wissenschaftliche Beweise.

Zuckerersatz Aspartam

Ebenfalls nicht ganz klar ist die Datenlage zum künstlichen Süßstoff Aspartam: Einige Untersuchungen wiesen einen Zusammenhang zwischen Aspartamkonsum und Kopfweh aus, einige nicht. Genauso unterschiedlich ist die Reaktion auf hohen Zuckergenuss (mehr als 20 % der zugeführten Energie): Einige bekommen davon Kopfschmerzen, die meisten nicht.

Geschmacksverstärker und Kopfweh

Ziemlich ähnlich ist die Lage beim Geschmacksverstärker Natriumglutamat, der zu Kopfschmerzen führen kann. Allerdings dürften weniger als 1 % an der als "Chinarestaurant-Syndrom" bekannten Glutamatunverträglichkeit leiden und auch diese nur dann, wenn sie größere Mengen von Glutamat zu sich nehmen. Glutamat kommt übrigens in einigen Lebensmitteln von Natur aus vor, etwa in Germ, Paradeisern oder Parmesan. Als künstlich zugesetzten Geschmacksverstärker finden wir ihn in einer Vielzahl von Produkten, beispielsweise in vielen Packerlsuppen und Suppenwürfeln, in vielen Chips und Erdnuss-Locken, in vielen Sojasaucen und Speisewürzen, in vielen Wurstwaren und Fertiggerichten.

Individuell wie Gusto und Geschmack

Es ist, wie Ernährungsexperten immer wieder betonen, auch eine Frage der Individualität, ob jemand auf Käse und Co mit Kopfschmerz reagiert oder nicht - so individuell wie auch Gusto und Geschmack sind. Noch nicht genug damit: Ein und derselbe Mensch kann einmal auf Rotwein und Käse mit Kopfweh reagieren. Das nächste Mal isst und trinkt er Emmentaler und Chianti ohne jede negative Auswirkung. Und ein drittes Mal bleibt Sekt am Abend folgenlos, während das perlende Getränk am Nachmittag eine Migräne-Attacke beschert.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Christian Wöber

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie

Vizepräsident der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft.

Quellen

  • Interview Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Leiter des Spezialbereichs Kopfschmerz an der Wiener Universitätsklinik für Neurologie, Februar 2014
  • Interview Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin, Februar 2014
  • Interview Ass.-Prof. Dr. Petra Rust, Institut für Ernährungswissenschaften, Februar 2014
  • Interview Ao. Univ. Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu, Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien, Februar 2014
  • Interview Mag. Alexandra Hofer, Geschäftsführung Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Februar 2014
  • Wöber, C., Brannath, W., Schmidt, K., Kapitan, M., Rudel, E., Wessely, P., Wöber-Bingöl, Ç., PAMINA, Study Group: Prospective analysis of factors related to migraine attacks: The PAMINA study, Cephalalgia 27 (2007), 304-314
  • Gibb CM, Davies PT, Glover V, Steiner TJ, Clifford Rose F, Sandler M (1991) Chocolate is a migraine-provoking agent, Cephalalgia 11:93-95
  • Moffett AM, Swash M, Scott DF (1974) Effect of chocolate in migraine: a double-blind study, J Neurol Neurosurg Psychiatry 37:445-448
  • Yang WH, Drouin MA, Herbert M, Mao Y, Karsh J (1997) The monosodium glutamate symptom complex: assessment in a double-blind, placebo-controlled, randomized study, J Allergy Clin Immunol 99:757-762
  • 47. wissenschaftliche Fortbildungswoche der österreichischen Apothekerkammer in Schladming (23. bis 28.02.2014), Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber zu "Der Kopfschmerzpatient - Nutzen und Grenzen der Selbstmedikation" am 27.02.2014

Mehr zum Thema