Schnarchen beim Kind

Kinder die ruhig schlafen können sich besser konzentrieren und sind statistisch gesehen weniger verhaltensauffällig. (georgerudy - Fotolia.com)

Kindliches Schnarchen muss behandelt werden, um das Risiko von Entwicklungsstörungen und neurokognitiven Defiziten zu minimieren. Denn Schnarchen im Kindesalter ist keineswegs harmlos. 

Ungefähr jedes 10. Kind schnarcht, hinter diesen nächtlichen Geräuschen kann auch ein Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) stecken. Aber auch vermeintlich "harmlose" Schnarchkinder haben ein doppelt so hohes Risiko für Entwicklungsverzögerungen oder -störungen. Sie haben häufiger Probleme beim Buchstabieren bzw. in Mathematik und entwickeln statistisch gesehen häufiger Verhaltensauffälligkeiten als nicht schnarchende Kinder. Auch ein Zusammenhang mit ADHS wird diskutiert. Meist sind die Ursachen des Schnarchens vergrößerte Gaumenmandeln (Tonsillen) bzw. vergrößerte Rachenmandeln (so genannte "Polypen") – in diesem Fall führt eine Operation zur Heilung. Bleibt Schnarchen oder eine Obstruktive Schlafapnoe jedoch unbehandelt, kann dies zu neurokognitiven Defiziten und Schulleistungsschwäche führen.

Übersicht

Häufigkeit von kindlichem Schnarchen

Etwa 5 bis 12 % aller Kinder schnarchen, bis zu 4 % aller Kinder leiden an einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Diese Kinder schnarchen und haben dabei nachweisbare Atempausen.

Was ist Schnarchen?

Als "Schnarchen" wird ein deutlich hörbares, in mindestens 4 von 7 Nächten auftretendes Atemgeräusch bezeichnet. Es kann in unterschiedlicher Weise auftreten, so etwa

  • gleichmäßig (das so genannte "primäre Schnarchen") oder
  • wechselhaft (typisch für die so genannte "Obstruktive Schlafapnoe" (OSA)

Eine funktionierende Nasenatmung ist jedoch von wesentlicher Bedeutung. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kommt es zu

  • Schlaffragmentierung, Bewegungsunruhe, Störung der Schlafarchitektur
  • Der Schlaf ist anstrengend und nicht erholsam
  • Störung der nächtlichen Gedächtnisbildung und der Regeneration
  • Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, kognitive Einbußen.

Die Grenzen zwischen primärem Schnarchen und einer krankhaften Obstruktiven Schlafapnoe sind fließend, daher ist kindliches Schnarchen keineswegs harmlos, denn Untersuchungen zufolge haben gewohnheitsmäßige Schnarcher ein 2-fach erhöhtes Risiko, Schwierigkeiten in Buchstabieren, Mathematik und Naturwissenschaften zu entwickeln ("poor academic performance").

Die Problematik steigert sich mit höherer Schnarchhäufigkeit. Eine Obstruktive Schlafapnoe führt bei Kindern zu deutlich schlechterer und langsamerer Informationsverarbeitung, sowie zu Problemen beim "Speichern" von Informationen. Studien zeigen überdies, dass die intellektuellen Fähigkeiten generell bei allen Kindern mit schlafbezogenen Atmungsstörungen herabgesetzt sind, und dies unabhängig vom Schweregrad der Atmungsstörung. Das heißt somit, dass alle schnarchenden - auch sonst gesunden - Kinder zur Risikogruppe zählen. Auch Verhaltensauffälligkeiten, wie Aggressivität von Kindern stehen möglicherweise in Zusammenhang mit Schnarchen.

Jugendliche zwischen 9,9 und 17,4 Jahren mit anhaltender schlafbezogener Atmungsstörung zeigten weiters signifikant häufiger: 

  • Hyperaktivität,
  • Aggressivität,
  • geringere Sozialkompetenz,
  • geringere Kommunikationsfähigkeit,
  • geringere Anpassungsfähigkeit

im Vergleich zu Jugendlichen ohne schlafbezogene Atmungsstörung.

Diskutiert wird gegenwärtig auch, ob es einen Zusammenhang zwischen ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung) und OSA gibt, hier gibt es überschneidende Leitsymptome, die vom erfahrenen Schlafmediziner beurteilt werden müssen.

Ursachen von kindlichem Schnarchen

Die bei kindlichem Schnarchen am häufigsten vertretene Altersgruppe sind Kinder zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr. Grund dafür ist, dass sich in diesem Alter auch das lymphatische Gewebe (große Mandeln und "Polypen") vergrößern kann. Eine verengte Anatomie im Bereich der oberen Atemwege kann in Zusammenhang mit einem verminderten Muskeltonus im Schlaf Ursache einer Obstruktiven Schlafapnoe sein. Anatomische Ursachen können bei Frühgeborenen z.B. eine Verengung der Nasen- oder der Rachenanatomie sein.

Das Erkrankungsrisiko ist jedoch auch im Falle von allergischem Schnupfen, Übergewicht oder von Down-Syndrom erhöht. 

Diagnose von kindlichem Schnarchen

Eine funktionierende Nasenatmung ist von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des Kindes. Treten nachstehende Symptome auf, sollte das Kind einem HNO-Spezialisten vorgestellt werden. 

Klinische Symptomatik

Frühfolgen

Spätfolgen

Geräuschvolle, erschwerte Atmung

Sog. Einziehungen bei Einatmung ("Schaukelatmung")

Trichterbrust

Nasale Obstruktion

Abnorme Schlafposition, Kopf übergestreckt, Schlafen im Sitzen, weit geöffneter Mund

"Ovalgesicht", Zahn- und Kieferfehlstellungen, Artikulationsstörungen

 

Trinkschwäche, häufiges Absetzen, langes Kauen, Schluckprobleme

Gedeihstörung, fehlende oder verzögerte Gewichts- und Größenzunahme

Minderatmung und Atemaussetzer

pO2 sinkt, pCO2 steigt

Morgendlicher Kopfschmerz

 

Aufschrecken aus dem Schlaf, Nachtschweiß, Albträume

Hyperaktivität, Aggressivität, Verhaltensauffälligkeiten, ADHS-Symptome!

 

Mangel an Tiefschlaf

Relativer Mangel an Wachstumshormon

 

Unruhiger, fragmentierter Schlaf, häufiger Wechsel der Körperposition

Tagesmüdigkeit, Erschöpfbarkeit, Konzentrationsstörungen, kognitive Defizite, schulischer Misserfolg, sozialer Rückzug

 

Sekundäres Einnässen

Sozialer Rückzug

Gehäufte Infekte

Verschlimmerung der Symptomatik

Ursache und Folge zugleich

Schwere kindliche Apnoe und Adipositas

Herz- Kreislauf- und ernährungsbezogene Veränderungen

Sinusarrhythmie, Cor pulmonale, Bluthochdruck, erhöhte Insulinresistenz

Unbehandelte OSA

 

OSA des Erwachsenen

Im Zuge einer eingehenden Anamnese fragt der Arzt, welche der oben genannten Symptome vorliegen. Bei einer nachfolgenden Untersuchung der Nase zeigt sich, ob eine Verengung vorliegt. Außerdem untersucht der HNO-Spezialist die Mandeln (Tonsillen) und beurteilt, ob diese vergrößert sind. Ebenso werden Rachen und Kiefer in die Diagnostik mit einbezogen, um Anomalien auszuschließen. Je nach Altersstufe variiert die Diagnostik. Als Goldstandard in der Diagnostik gilt die Polysomnographie, also eine Untersuchung der Schlafqualität des Kindes anhand bestimmter biologischer Kriterien (wie z.B. Muskeltonus, Schlafintensität etc.)

Therapie von kindlichem Schnarchen

Sind Mandeln oder "Polypen" vergrößert oder vergrößert, kann eine Mandelkappung bzw. eine so genannte "Polypen-Operation" (Adenotomie) rasche Heilung bringen. Im Unterschied zur Tonsillektomie (Mandelentfernung) bringt die Mandelkappung (Tonsillotomie) ein deutlich geringeres Nachblutungsrisiko mit sich. Bei Kindern wird dieses Verfahren durchwegs einer vollständigen Mandelentfernung vorgezogen. Ausnahmen sind z.B. wiederholte schwere Infektionen der Mandeln oder der Verdacht auf einen bösartigen Tumor.

Liegen andere Ursachen für OSA vor, wie etwa eine Kieferfehlstellung oder Anomalien im Kopf-Hals-Bereich, können diese mithilfe entsprechender Verfahren (z.B. Kieferkorrekturen) behandelt werden. 

Kindliches Schnarchen: Was Sie selbst tun können

Voraussetzung für einen gesunden, erholsamen Schlaf ist eine gute Schlafhygiene. Vor allem bei Kindern ist es wichtig, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten und Schlafrituale zu pflegen. 

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Kurt Freudenschuss

Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Leiter der Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie, Lienz

Quellen

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