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Prägen Kindheitstraumen ein Leben lang?

Kind sitzt verschüchtert am Boden, Mann trinkt Alkohol
Alkohol in der Familie, psychische Erkrankungen der Eltern - all das kann bei Kindern ein Trauma auslösen. (ambrozinio - Fotolia.com)

Trennung der Eltern, Alkohol in der Familie oder Gewalt: Schwierige Lebensumstände wirken sich - besonders bei Frauen - negativer auf die Gesundheit aus, wenn sie bereits in der Kindheit passieren.

Französische Forscher begleiteten jahrelang rund 8.000 Briten, die zwischen dem 7. und dem 16. Lebensjahr mindestens 2 traumatische Erfahrungen (Trauma = Verletzung, Kränkung) gemacht hatten. Nicht alle dieser Kinder litten an Spätfolgen, aber im Vergleich zu Erwachsenen mit einer harmonischen Kindheit kam es häufiger etwa zu Suchtmittelabhängigkeit oder chronischem Stress.

Männer weniger geprägt

Männer sind weniger geprägt von einer schwierigen Kindheit: Bei 6 von 10 Männern zeigen sich Auswirkungen auf das weitere Leben, bei Frauen trifft es hingegen rund 80%. Dennoch gilt: Wie wir unsere Kindheit verbracht haben, muss unser Schicksal nicht zwingend bestimmen.

Was ist ein traumatisches Ereignis?

Für die Studie wurde eine Liste an Lebensereignissen gesammelt, die von Kindern und Jugendlichen sehr oft als traumatisierend wahrgenommen wird.

Die Forscher zählten zu den Traumen:

  • Ein Elternteil war Alkoholiker
  • Mutter oder Vater waren (zeitweise) im Gefängnis
  • Ein Elternteil hatte eine psychische Erkrankung (z.B. Depression, Schizophrenie, ...)
  • Die Eltern trennten sich oder ließen sich scheiden

Um den Einfluss solcher Eindrücke in der Kindheit untersuchen zu können, müssen messbare Faktoren erhoben werden. Dennoch lässt sich daraus nicht rückschließen, dass Kinder, die eine oder mehrere dieser negativen Umstände erfahren haben, automatisch "traumatisiert" fürs Leben sind.

Wie Eltern etwa mit einer Scheidung umgehen, ist für die Psyche des Kindes entscheidender, als dass Mutter und Vater um jeden Preis zusammenbleiben. Und eine psychische Erkrankung unter den Tisch zu kehren, um Kinder nicht zu belasten, ist ebenfalls nicht zielführend. Um die psychische und körperliche Gesundheit im späteren Leben eines Kindes zu stärken, ist es entscheidend, welche und wieviel Unterstützung das Kind in einer schwierigen Situation bekommt (etwa von Großeltern, Kinderpsychologen etc…)

Stark trotz Kindheitstrauma

Die französischen Wissenschafter des Nationalen Instituts für Gesundheit erhoben verschiedene biomedizinische Daten der 1958 Geborenen im Verlauf ihres späteren Lebens. Im Alter von 23, 33 und 44 Jahren wurden die Versuchsteilnehmer befragt.

Diese Daten werden von Kindheitstraumen beeinflusst:

Dennoch muss eine schwierige Kindheit diese Faktoren nicht automatisch negativ prägen - schließlich war nicht bei allen Erwachsenen automatisch ein Effekt messbar. Wer selbst negative Ereignisse erlebt hat, kann diese Studie als Anreiz sehen, sich später besonders gut um seine Gesundheit zu kümmern.

Quellen

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