Unerfüllter Kinderwunsch: Tiefs bewältigen

Paar im Konflikt
Der Weg zum Wunschkind ist oft nicht einfach, wichtig ist es Probleme anzusprechen und nicht tot zu schweigen. (Rido - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kinderwunsch

Kinder sind ein Lebenswunsch vieler Paare. Wenn es mit der Schwangerschaft jedoch ein Jahr lang nicht klappt, kann Sterilität die Ursache sein.

Spezielle Untersuchungen bei Frau und Mann können helfen, den Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit herauszufinden, oft können Fruchtbarkeitsbehandlungen dem ersehnten Babyglück nachhelfen. Doch eine Kinderwunsch-Behandlung kann eine Beziehung in vielfältiger Weise belasten. Und es ist nicht gesagt, dass all die Mühen schlussendlich auch wirklich zum Wunschkind führen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Paare mit Babywunsch auch psychische Begleitung suchen.

Klärende Untersuchungen nicht aufschieben

Wenn sich eine Schwangerschaft trotz häufigem Geschlechtsverkehr nach spätestens einem Jahr nicht einstellt, sollten Paare unbedingt zum Arzt. Statistisch gesehen vergehen zwischen dem ersten Gespräch beim Gynäkologen und der diagnostizierten Ursache von Kinderlosigkeit etwa 7 Jahre! Oft lässt die Angst vor der unumstößlichen Gewissheit, auf natürlichem Wege kein Kind bekommen zu können, Paare zögern, einen Arzt aufzusuchen.

Mögliche Belastungen

Die Tatsache, unfruchtbar zu sein, kann Frauen sowie Männer in eine seelische Krise stürzen. Haben Paare Gewissheit, dass körperliche Gründe alleine bei der Frau oder dem Mann zu der ungewollten Kinderlosigkeit führen, steht unterschwellig immer das Thema "Schuld" im Raum: Oft machen sich die Betroffenen Selbstvorwürfe und sind in ihrem Selbstwertgefühl getroffen. Sie kämpfen mit dem Gefühl der "Schuld" auch gegenüber dem Partner - und auch oft mit der Angst den geliebten Menschen zu verlieren. Meist wird über diese Angst nicht gesprochen.

Beim Gegenüber können Zweifel an der Beziehung aufkommen - ein klärendes Gespräch, ev. von einem Therapeuten geleitet - kann das Miteinander wieder festigen und den Weg für eine Kinderwunsch-Behandlung ebnen. Sie sind ein Weg, sich trotz festgestellter Sterilität den Traum von einem Kind mit genau diesem Partner dennoch zu erfüllen.

Heute gibt es vielfältige Möglichkeiten, um dem Familienglück medizinisch nachzuhelfen. Dazu zählen Methoden wie z. B.

  • die Intrauterine Insemination (IUI),
  • die In-Vitro-Fertilisation (IVF),
  • die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI),
  • die Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA),
  • die Testiklulären Spermienextraktion (TESE) oder auch
  • die Perkutane epididymale Spermienaspiration (PESA).

Die Chancen auf Schwangerschaft liegen bei diesen Methoden zwischen 10 % und 30 %; bei wiederholten Versuchen teilweise auch bei 50 %.

Möglichkeiten therapeutischer Beratung

Das Unvermögen, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen, die reproduktionsmedizinischen Behandlungen und banges Warten, ob eine Schwangerschaft eintritt - all diese Faktoren können für Paare psychisch sehr anstrengend sein. Neueren Studien zufolge sind Frauen und Männer gleichermaßen belastet. Es ist zwar wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen, ob sich psychischer Stress auf eine Fertilitätsstörung bzw. auf den Erfolg einer IVF-/ICSI-Behandlung auswirkt, klar ist jedoch: Emotionaler Stress ist eine mögliche Folge von Fertilitätsstörungen. Daraus können sich Depressionen und Angststörungen entwickeln.

Psychosoziale Beratung oder Psychotherapie sind wertvolle Hilfen, damit Paare auf dem Weg zum Wunschkind ein Paar bleiben! Solche begleitenden psychosomatisch orientierten Beratungen werden Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch von Experten dringend empfohlen. Sie helfen Fragen der "Schuld" und des Scheiterns, Selbstzweifel und Zweifel an der Beziehung auszuräumen. Zudem unterstützen sie das Paar, eine durch künstliche Befruchtung herbeigeführte Schwangerschaft und die Geburt des Babys gelassener zu erleben.

Wenn das Wunschbaby auf sich warten lässt

Für die Beziehung ist auch Klarheit wichtig, wie viele reproduktionsmedizinische Versuche sich das Paar nach gescheiterten Behandlungen noch zumuten will. Ungefähr 1/3 aller Paare muss länger als ein Jahr warten, bis sich eine Schwangerschaft mittels Unterstützung endlich einstellt. Zudem kann eine Kinderwunschbehandlung den Wunsch nach einem Kind nicht immer erfüllen: Bei etwa einem Drittel der Paare führt selbst der wiederholte Einsatz der Reproduktionsmedizin nicht zu dem ersehnten Kind. Dann ist die Auseinandersetzungen mit der Möglichkeit eines Lebens ohne Kind, einer Adoption oder der Aufnahme eines Pflegekindes zu empfehlen.

Der offene und konstruktive Umgang miteinander und das Zulassen verschiedener Gefühle rund um den Kinderwunsch, bietet dem Paar auch die Chance, sich anderes kennenzulernen und enger zusammenzuwachsen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Mag. Renate Anscheringer und Gerlinde Wawra

Psychotherapeutische Begleitung bei Kinderwunsch, Wien

Website

Quellen

Mehr zum Thema