Wie Sie mit Kältetelefon das Leben Obdachloser retten

Wie Sie mit Kältetelefon das Leben Obdachloser retten können: Obdachloser schläft auf Straße
Gerade bei kalten Temperaturen sollten Sie unbedingt das Kältetelefon anrufen, wenn Sie einen Wohnungslosen sehen. (Photographee.eu - Fotolia.com)
Obdachlose Menschen, die auf der Straße schlafen können bei Minusgraden erfrieren - Die Wiener Caritas hat die Leitungen des Kältetelefons wieder geöffnet, damit ihnen rasch geholfen werden kann.

Über 2.000 Menschen leben in Österreich ganzjährig auf der Straße. Ihnen droht in der kalten Jahreszeit ein Tod durch Erfrieren, oder eine massive Schädigung des Körpers durch die Kälte, die medizinische Betreuung notwendig macht. Um in Notsituationen schnell zu helfen, hat die Hilfsorganisation die Gruft, die Wohnungslosen zur Seite steht, das sogenannte Kältetelefon eingerichtet. Unter 01/480 45 53 kann jeder Hilfe für einen Obdachlosen herbeirufen, der in der Kälte schläft.

Obdachlosigkeit in Österreich

Die Zahl der Menschen, die in Österreich keine eigene Wohnung haben, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Neben den über 2.000 Obdachlosen, die ständig im Freien leben, gibt es mindestens 12.000 weitere, die bei Freunden unterkommen oder auf Obdachlosenhäuser angewiesen sind. Viele Menschen denken, dass Wohnungslosigkeit selbst verschuldet ist, oder dass Obdachlose ihre Situation jederzeit ändern könnten, wenn sie nur wollten.

Der schnelle Weg in die Wohnungslosigkeit

Dabei werden Menschen schneller obdachlos als angenommen, und es kann jeden treffen. Häufig löst ein traumatisches Lebensereignis, wie Arbeitsverlust, Trennung oder Erkrankung eine Ereigniskette aus, deren Ende in der Wohnungslosigkeit besteht. Oft folgen erst danach Alkoholismus, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit als Reaktion auf die eigene Lebenssituation. Psychische Erkrankungen, die unbehandelt bleiben, führen zu Handlungsunfähigkeit der Betroffenen. Einmal wohnungslos, ist der Weg zurück sehr schwierig. Ohne Einkommen und Meldeadresse ist ein Vermieter kaum bereit, jemandem eine Wohnung anzuvertrauen. Deshalb sind Einrichtungen wie die Gruft so wichtig, um den Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Während österreichischen Staatsbürgern einige staatliche Hilfsmöglichkeiten zu Verfügung stehen, stehen ausländische Mitbürger oft vor dem Nichts. Die meisten Hilfsstellen stehen ausschließlich Österreichern zu Verfügung; selbst Notschlafstellen schauen auf die Geburtsurkunde, bevor sie Notleidende aufnehmen. Die Gruft dahingegen hilft nationalitätsunabhängig. Sie ist zwar der Caritas zugeordnet, die der katholischen Kirche obliegt. Die Gruft hilft jedoch achtet nicht auf die Religion und hilft unbürokratisch und schnell in Notsituationen.

Was Sie noch tun können

Gerade bei kalten Temperaturen sollten Sie unbedingt das Kältetelefon anrufen, wenn Sie einen Wohnungslosen sehen. Durch Alkoholkonsum wird die Kälte häufig nicht wahrgenommen, und Obdachlose sind nicht mehr in der Lage, selbst zu einem warmen Schlafplatz zu gelangen.

Am Kältetelefon bzw. Anrufbeantworter werden Sie um folgende Informationen gebeten:

  • Datum, Zeitpunkt
  • Genaue Ortsangabe
  • Beschreibung der Person

Wenn Sie zusätzlich helfen wollen, können Sie die Gruft durch eine Geldspende unterstützen. Ein sogenanntes "Gruft Winterpaket" kostet 50 Euro. Darum können einem Obdachlosen 1 warmer Schlafsack gekauft werden, der ihn vor der Winterkälte schützt, sowie eine warme Mahlzeit. Um 20 Euro kann die Gruft einem Obdachlosen einen warmen Schlafplatz bieten.

Quellen

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