Jetlag schlägt sich auf den Darm

Frau mit Uhr in der Hand, gähnt
Müde durch Jetlag - die Störung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus hat auch Auswirkungen auf den Darm. (contrastwerkstatt - Fotolia.com)
Kommt der natürliche Schlaf-Wachrhythmus durcheinander, bringt das auch die Darmbakterien ins Ungleichgewicht. Das kann besonders bei Schichtarbeitern und Vielfliegern Übergewicht fördern.

Abläufe im Organismus unterliegen einer "inneren Uhr", sie laufen in einem Tag-Nacht Rhythmus ab. Bei Menschen, die häufig gezwungen sind, die Nacht zum Tag zu machen, - wie Schichtarbeiter oder Vielflieger - ist dieser natürliche Rhythmus gestört. Wie Studien gezeigt haben,  verändert sich die Darmflora, dadurch sind diese Personen gefährdeter an Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Übergewicht (Adipositas) zu erkranken.

Schwankungen in der Darmflora

Britische Forscher haben nun eine der möglichen Ursachen dafür gefunden: Die menschliche Darmflora unterliegt natürlichen rhythmischen Schwankungen. Durch einen Jetlag gerät dieser Rhythmus durcheinander. Die Zusammensetzung der Bakterien verändert sich, was wiederum Stoffwechselprobleme möglich macht. Mögliche Folgen: Das Entstehung von Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes wird begünstigt.

Zu diesem Ergebnis sind die britischen Wissenschafter gekommen, indem sie untersucht haben, wie sich die Zusammensetzung der Bakterien im Laufe des Tages ändert - zunächst bei Mäusen. Sie fanden heraus, dass die Häufigkeit verschiedener Arten von Bakterien im Verlauf des Tages zu- und abnimmt. Auch spezifische Funktionen der Darmflora veränderten sich rhythmisch. Bei den nachtaktiven Nagern dominierten in der Dunkelphase etwa Stoffwechselabläufe, die mit dem Energiehaushalt, der Nahrungsverwertung oder dem Wachstum in Verbindung stehen. In der hellen Phase stand unter anderem die Entgiftung im Vordergrund.

Innere Uhr der Bakterien

Getaktet werde die innere Uhr der Darmbakterien auch über den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, berichten die Wissenschaftler. Veränderten die Forscher die Fütterungszeiten der Mäuse und den Hell-Dunkel-Wechsel, geriet die Darmflora durcheinander. Eine fetthaltige Ernährung führte unter diesen Bedingungen zu Übergewicht und Glukoseintoleranz, die als Vorstufe von Diabetes gilt. Bei den normal getakteten Mäusen geschah das nicht.

Eine gezielt probiotische Therapie oder antimikrobielle Wirkstoffe können die Darmflora in ihrem natürlichen Rhythmus unterstützen, fassen die Forscher zusammen. Weiters hat ein deutsches Wissenschafterteam erst kürzlich festgestellt, dass das im menschlichen Darm vorkommende Bakterium Clostridium ramosum Übergewicht fördert. Es begünstigt scheinbar die Zucker- und Fettaufnahme aus dem Dünndarm.

Quellen

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