Internationaler MS-Tag

Unterschiede bei Behandlung von Multiple Sklerose in Europa

In Deutschland erhalten 69 Prozent der Patienten innovative Therapien, in Polen nur 13 Prozent - Österreich im Mittelfeld, aber noch Luft nach oben. Die Diagnose der als unheilbar geltenden Krankheit erfolgt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Rund 12.500 Menschen in Österreich leiden an Multipler Sklerose (MS) und sind mit dramatischen Folgen konfrontiert. Eine europaweite Studie zeigt signifikante Unterschiede beim Zugang zu innovativen Behandlungen, wie Experten anlässlich des Welt-MS-Tages am morgigen Mittwoch, 28.05.2014, bekannt gaben.
 
Zwar gilt MS als unheilbar, allerdings stehen Betroffenen Medikamente zur Verfügung, die die Schubraten verringern und den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Eine vom amerikanischen Biotech-Konzerns Biogen Idec in Auftrag gegebene Analyse vorhandener Daten über den Zugang zu innovativen Behandlungen bei MS in Europa hat gezeigt, dass hier bedeutsame Unterschiede bestehen. So erhalten in Deutschland 69 Prozent der Patienten innovative Therapien, in Großbritannien sind es nur noch 21 Prozent, in Polen gar nur mehr 13 Prozent.
 
In Österreich beläuft sich die Rate auf 51 Prozent. "Österreich ist ein reiches Land, aber es gibt hier immer noch Luft nach oben", sagte der oberösterreichische Neurologe Michael Guger am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Österreich liegt im Europavergleich somit auf Platz sechs nach Deutschland, Finnland, Belgien, Slowenien und Norwegen. Bei der letzten Untersuchung im Jahr 2008 war Österreich noch auf Platz eins. "Wir befinden uns in der glücklichen Lage, über moderne Therapien zu verfügen, die es ermöglich, ein qualitativ hochwertiges Leben mit MS zu führen. Die besten Medikamente können allerdings nichts ausrichten, wenn jene Menschen, die sie benötigen, keinen einfachen Zugang dazu erhalten", so Guger.
 
Um Zugangsbarrieren abzubauen, empfahlen die Studienautoren, in Ländern mit geringerem Versorgungslevel die Ressourcen zur Therapie und Diagnose zu erhöhen und die Anwendung klinischer Richtlinien zu vereinheitlichen. Auch nationale MS-Register könnten helfen, die Patientensituation auf lange Frist zu verbessern, erläuterte auch Guger.
"Frauen erkranken häufiger an MS als Männer", sagte die Psychologin Beate Wimmer-Puchinger, "also in einer Zeit, in der viele junge Menschen an die Planung einer eigenen Familie denken und mitten im Berufsleben stehen." Die Expertin: "Ein umfassendes Angebot an Informationen und Betreuung kann Ängste abbauen und MS-Erkrankten den Blick auf eine ausgefüllte Zukunft ermöglichen."
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