Auf den Spuren der inneren Uhr

Auf den Spuren der inneren Uhr: Mann hält Wecker
Unsere innere Uhr tickt langsamer als die Realität. (alphaspirit - Fotolia.com)
Auf unsere innere Uhr ist Verlass? Laut einer neuen Studie nicht ganz: sie gibt uns das Gefühl, dass die Zeit rast. Demnach fühlt sich ein Jahrzehnt wie nur 7,8 Jahre an.

In der Natur läuft alles nach einem bestimmten Rhythmus ab. Vögel, Pflanzen, Käfer und Hase brauchen keine Armbanduhr, jeder weiß, was er wann zu tun hat. Auch wir Menschen haben ein Zeitgefühl, allerdings müssen wir uns nicht rein darauf verlassen. Uhren sind überall, auf dem Smartphone, dem Wecker, dem Kirchturm oder der Mikrowelle. Eine Umfrage hat jetzt ergeben, dass uns die Zeit schneller vorkommt, als sie wirklich vergeht. Das kann auch am immer schneller werdenden Lebensstil und erhöhtem Stress liegen, der Zeit besonders rasch verfliegen lässt.

Ein Jahrzehnt ist schnell verlebt

Die Wissenschafter des Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com haben im Sinne der Erforschung des Zeitgefühls etwa 1.000 Personen befragt. Im Durchschnitt haben die Teilnehmer die letzten 10 Jahre nur wie 7,8 Jahre erlebt. Damit läuft die innere wesentlich schneller als die Realität, die Zeit vergeht langsamer als es uns vorkommt. Frauen (zu 48 %) erleben diesen Effekt dabei häufiger als Männer (zu 39 %).

85 % der Studienteilnehmer antworteten, dass die Zeit generell sehr schnell bzw. eher schnell vergeht. Nur 2 von 100 Befragten empfinden das Leben als langsam an ihnen vorüberziehend. Bei 16,8 % läuft die innere Uhr im selben Takt wie die Echtzeit.

So tickt die innere Uhr

Die Wissenschaft bezeichnet die innere Uhr als endogenen, also innerlich festgelegten Rhythmus, nachdem alles nach einem gewissen Regelwerk funktioniert und abläuft. Pflanzen, Tiere und auch Menschen haben eine innere Uhr. Der "persönliche" Rhythmus stimmt aber nur ungefähr mit dem "echten", der Realität überein.

Die innere Uhr regelt unsere Körperfunktionen während des ganzen Tages und beeinflusst z.B. unsere Schlaf- und Wachphasen. Auch wann wir Hunger bekommen wird unter anderem von der inneren Uhr bestimmt.

Wo sitzt die innere Uhr?

1970 entdeckte der Physiologe Curt Richter bei Ratten eine Nervenverbindung, die vom Auge bis hinter die Nasenwurzel reicht. An dieser Stelle sind sogenannte Zellhaufen angesiedelt, auch als suprachiasmatischer Nucleus (SCN) bezeichnet. Entfernte er bei den Versuchstieren diese Zellhaufen, ging ihnen die innere Uhr verloren.

Heute ist man der Überzeugung, dass die innere Uhr genau in diesem SCN liegt. Die Netzhaut nimmt Licht oder Dunkelheit wahr und sendet die Informationen an den SCN. Dieser "kommuniziert" mit der Zirbeldrüse im Gehirn, die dann bei Dunkelheit z.B. das Schlafhormon Melatonin ausschüttet: Wir werden müde und gehen ins Bett.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
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Quellen

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