Homöopathie & Co in der Schwangerschaft

Homöopathie & Co in der Schwangerschaft: Schwangere mit homöopathischen Mittel
Während einer Schwangerschaft sollte vorsichtig mit der Selbstmedikation von homöopathischen Mitteln umgegangen werden. (Johannes Hloch)

In der Schwangerschaft suchen viele Frauen nach sanft wirksamen Arzneien, die keine unerwünschten Nebenwirkungen für das Ungeborene und sie selbst haben, und finden diese in komplementärmedizinischen Methoden wie z.B. der Homöopathie.

Sie stellt eine sichere, nebenwirkungsarme Alternative dar, um Schwangerschaftsbeschwerden zu behandeln. Bachblüten und Aromatherapie sind ebenfalls komplementärmedizinische Möglichkeiten zur Linderung solcher Beschwerden. Allerdings ist auch beim Einsatz von Homöopathie, Aromatherapie oder Bachblüten Vorsicht geboten, da einzelne Substanzen negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben können. Sinnvoll ist es daher, sich Rat bei einem Arzt, einer Hebamme oder einem Apotheker zu holen, der sich im jeweiligen Gebiet gut auskennt.

Die Prinzipien der Homöopathie

Viele Schwangere, Hebammen aber auch Ärzte schwören auf Homöopathie, weil sie damit in der Praxis gute Erfahrungen machen. Aber: Wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit homöopathischer Medikamente gibt es nicht, Kritiker erklären deren Wirksamkeit mit dem "Placebo-Effekt".

In der Homöopathie wird jenes Mittel zur Heilung eingesetzt, das beim Gesunden ähnliche Symptome wie die jeweilige Krankheit hervorrufen würde. So kommt beispielsweise bei einem Krampf nicht ein krampflösendes Mittel zum Einsatz, sondern ein Mittel, das beim Gesunden einen Krampf auslösen kann. Man spricht dabei auch vom Ähnlichkeitsprinzip.

Die Homöopathie arbeitet mit sehr hohen Verdünnungen, Potenzierungen genannt. Dadurch kann das Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen so gut wie ausgeschlossen werden. Um das richtige homöopathische Heilmittel zu finden, müssen die individuellen Krankheitssymptome in die Auswahl miteinbezogen werden. Für unterschiedliche Symptome (auch desselben Krankheitsbildes) stehen in der Homöopathie unterschiedliche Substanzen zur Auswahl. Deshalb ist die ausführliche homöopathische Anamnese so wichtig.

Homöopathische Mittel sind, bis auf wenige Ausnahmen, rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Mögliche Reaktionen nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels

  • Das Mittel wirkt: Das ist ein Hinweis darauf, dass das richtige homöopathische Mittel gewählt wurde.
  • Das Mittel wirkt nicht: Das kann daran liegen, dass das falsche Mittel gewählt wurde.
  • Das Mittel wirkt anfangs, dann aber nicht mehr: Das kann bedeuten, dass die Potenz zu niedrig ist. Es kann aber auch zu einer Veränderung der Symptome kommen, die dann zum richtigen Mittel führen. Nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels kann es sein, dass sich die Symptome anfangs etwas verschlimmern. Man spricht dabei von einer "Erstverschlimmerung". An und für sich ist das aber ein gutes Zeichen, sieht der Homöopath darin doch den Hinweis darauf, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen die Krankheit aktiviert werden. Nach dem Abklingen der "Erstverschlimmerung" bessern sich die Symptome und verschwinden. Tritt allerdings keine Besserung ein, sollten Sie sich mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme in Verbindung setzen.

Ein Arzt oder eine Hebamme sollte in jedem Fall kontaktiert werden, wenn

  • die Krankheitssymptome stark oder ungewöhnlich sind,
  • keine Besserung oder eine anhaltende Verschlimmerung der Krankheitssymptome eintreten,
  • Sie sich bei der Selbstbehandlung unsicher sind oder das Allgemeinbefinden angegriffen ist,
  • chronische, langanhaltende oder wiederholt Krankheiten auftreten.

Homöopathie in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft sollte vorsichtig mit der Selbstmedikation von homöopathischen Mitteln umgegangen werden. Die Auswahl des Medikamentes sollte ein Arzt oder eine Hebamme treffen, um evtl. auch eine Erkrankung der Schwangeren zu erkennen und gegebenenfalls auf die Schulmedizin bzw. eine Überweisung zum Gynäkologen zurückgreifen zu können.

Die Homöopathie stellt jedoch aufgrund der geringen Nebenwirkungen eine sinnvolle Alternative zur Schulmedizin dar. Bei Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen, Hämorrhoiden, Schlafproblemen oder Schlafstörungen, Blasenentzündungen und einer Reihe weiterer Beschwerden während der Schwangerschaft können homöopathische Mittel zur Linderung beitragen.

Schwangerschaftsbeschwerden, die mithilfe der Homöopathie - nach Auswahl durch den Arzt oder die Hebamme - behandelt werden können, sind beispielsweise:

Übelkeit

Gerade am Beginn der Schwangerschaft leiden viele Frauen an Übelkeit. Sepia (Tinte des Tintenfischs) und Colichicum (Herbstzeitlose) können dagegen helfen. Sepia unterstützt bei extremer Geruchsempfindlichkeit und bei Morgenübelkeit. Morgenübelkeit in Kombination mit Magenschmerzen lässt sich gut mit Nux vomica (Brechnuss) behandeln.

Schlafprobleme

Schlafprobleme sind während der Schwangerschaft nicht selten. Coffea (ungeröstete Kaffeebohnen) helfen Schwangeren, die nicht abschalten können und deshalb lange wach liegen. Bei genereller Müdigkeit, Einschlafproblemen, Durchschlafproblemen und Tagesmüdigkeit hilft Phosphorus (gelber Phosphor).

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen treten vor allem in den späteren Schwangerschaftswochen auf – Kalium Carbonicum (Kaliumcarbonat) und Sepia sind homöopathische Mittel, die dann helfen. Kalium wirkt stützend auf Frauen, die ein Schwächegefühl im Rücken haben, das gleichzeitig von starkem Schwitzen begleitet ist. Sepia hingegen wirkt bei einem Gefühl von hartem Druck im Rücken.

Sodbrennen

Nux vomica empfiehlt sich für Frauen, die während der Schwangerschaft an Sodbrennen leiden.

Linderung von Geburtswehen

Eine natürliche Geburt ohne Schmerzmittel wünschen sich viele Frauen. Wenn der Wehenschmerz sehr stark ist oder der Muttermund sich nicht öffnet, können homöopathische Mittel Unterstützung bieten. Cimicifuga (amerikanisches Wanzenkraut) wirkt bei Wehenschwäche unterstützend. Caulophyllum (Frauenwurzel) hat sich bei "verkrampftem" Muttermund, der sich nur zögernd öffnet, bewährt.

Weitere hilfreiche homöopathische Präparate, die nach Rücksprache mit dem homöopathisch erfahrenen Arzt oder der Hebamme genommen werden können:

  • Arnica D 3: Kann zu Geburtsbeginn eingenommen werden und soll Komplikationen vorbeugen. Bei übermäßig starken Wehen ist das Präparat ebenfalls hilfreich.
  • Belladonna D 3: Wirkt bei übermäßig starken Wehen, Krampfwehen oder wenn die Schwangere jede Berührung ablehnt. Auch wenn sie einen hochroten Kopf hat und am ganzen Körper schwitzt, sowie gereizt und ärgerlich wirkt, ist Belladonna ein unterstützendes Präparat.
  • Chamomilla D 4: Bei unerträglichen Schmerzen und übermäßig starken Wehen hat sich Chamomilla bewährt.
  • Gelsenium D 4: Bei Erwartungsangst oder einem sehr straffen Muttermund kommt Gelsenium zum Einsatz. Weiters ist es das Hauptmittel in der Eröffnung.
  • Pulsatilla D 4: Dieses Präparat kommt bei zu schwachen Wehen, zur Geburtseinleitung oder wenn die Schwangere nicht loslassen kann, zum Einsatz.
  • Kalium Carbonicum D 4: Wenn die Wehen aufhören, erfolglos und schmerzhaft sind, bei Schmerz im Rückenbereich oder wenn die Frau festen Druck und Massage braucht, wirkt Kalium unterstützend.

Aromatherapie in der Schwangerschaft

Bei der Aromatherapie kommen sehr stark konzentrierte Öle aus Pflanzen, sogenannte ätherische Öle, zum Einsatz. Da die Öle eine hohe Wirksamkeit haben, sollten sie nur tropfenweise verwendet werden.

Ätherische Öle können in Form von Massagen, Badezusätzen, Fußbädern oder Kompressen angewendet werden. Vor allem in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft sollte auch mit der Verwendung von Aromatherapie vorsichtig umgegangen werden. Es ist sinnvoll, bei einem Arzt oder einer Hebamme Tipps für den Umgang mit Aromatherapie während der Schwangerschaft einzuholen.

Menstruations- und durchblutungsfördernde ätherische Öle - wie beispielsweise die Öle von Schafgarbe, Zimt, Fenchel, Muskatnuss oder Anis - sollten in der Schwangerschaft vermieden werden, da keine Blutung hervorgerufen werden darf.

Öle, die stärkend auf die Gebärmutter wirken oder auch Wehen auslösen können, wie die ätherischen Öle des Zitronenstrauchs, der Pfefferminze, des Piment, der Gewürznelken oder des Thymians, dürfen erst ein paar Tage vor der Geburt bzw. während der Geburt angewandt werden.

Bachblütentherapie in der Schwangerschaft

Bei der Bachblütentherapie kommen stark verdünnte Pflanzenextrakte zum Einsatz. Es gibt 38 verschiedene Blütenextrakte, die negative seelische Verhaltensmuster korrigieren sollen. In erster Linie geht es nicht um körperliche Beschwerden, sondern um deren seelische Hintergründe, die laut dem Entdecker Edward Bach organische Beschwerden verursachen können.

Eine Bachblütentherapie darf nicht mit einer homöopathischen Behandlung kombiniert werden. Bei der Auswahl der Bachblüte wird vor allem auf die Gemütslage Rücksicht genommen. Die Einnahme von Bachblüten ist einfach: Es werden 2 Tropfen der jeweiligen Blütenessenz in ein Wasserglas gegeben und innerhalb von 1 bis 2 Stunden getrunken.

Medizinischer Experte

Edith Zancolo

Dipl. Hebamme

Quellen

  • Homöopathie & Co. für Schwangerschaft und Babyzeit, A. M. Engelsing, N. Heid, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2009
  • Homöopathie in der Schwangerschaft, S. Sommer, Gräfe und Unzer, München, 2009
  • Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe - Das Kursbuch zur Aromapraxis, E. Zimmermann, Sonntag Verlag. 3. Auflage, Stuttgart, 2006
  • Das Frauen-Gesundheitsbuch, I. Gerhard, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2009
  • Shang A. et al.: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. In: The Lancet 2005; 366: 726-732

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