Der richtige Zeitpunkt für ein Hörimplantat

Wieder richtig hören zu können ist für Menschen ein absoluter Genuss. (biker3 - Fotolia.com)

Hörimplantate entwickeln sich stets weiter und sind für viele Menschen ein wichtigen Begleiter im Alltag. Wie erkenne ich, dass ich auch eines brauche?

Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, sind Hörimplantate oft die einzige Lösung, um Sprache Töne und Geräusche wieder wahrnehmen zu können. Das gilt für Kinder wie für hochbetagte Menschen. Denn vor allem nach oben hin gibt es keine Altersbeschränkung: Für die Implantation zählt allein, ob der Gesundheitszustand eine Operation erlaubt und das Implantat das Hören ermöglichen wird.

Derzeit gibt es auf dem Markt verschiedene Arten von Hörimplantaten: unter anderem das Cochleaimplantat, das Mittelohrimplantat, die Elektrisch Akustische Stimulation (EAS) und das Knochenleitungsimplantat. Anders als ein Hörgerät verstärkt ein Hörimplantat den Schall nicht, sondern erzeugt elektronische Impulse, die je nach Gerät unterschiedliche Strukturen im Hörsystem direkt ansteuern. Das Cochleaimplantat beispielsweise erzeugt elektronische Impulse, die das Innenohr direkt stimulieren.

Hörimplantate bestehen in der Regel aus zwei Komponenten: Unter der Haut hinter dem Ohr sitzt das Implantat selbst. Außen am Kopf hinter dem Ohr wird der Audioprozessor getragen. Je nach Art der Schwerhörigkeit entscheidet der verantwortliche Chirurg der jeweiligen HNO-Klinik, welches Implantat im Einzelfall die beste Wahl ist.

Frühe Implantation bei Kindern

Vor allem bei gehörlos geborenen Kindern ist es wichtig, so früh wie möglich zu implantieren, da sie Sprache ansonsten nicht oder nur sehr schwer erlernen – was sich negativ auf Ausbildung und Beruf auswirken kann.

Kinder lernen sprechen, indem sie nachplappern, was sie hören. Die ersten Brabbelversuche unternehmen Babys normalerweise schon mit vier Monaten. Jede Verzögerung beim Hören kann sich auf den Spracherwerb auswirken.

Experten raten daher, gehörlos oder hochgradig hörbeeinträchtigt geborene Kinder im ersten Lebensjahr zu implantieren. Wissenschaftler konnten zeigen, dass Kinder, die bis zum Alter von zwölf Monaten implantiert wurden, ihre gleichaltrigen Spielgefährten rasch einholen, wenn es um die Sprachfähigkeiten geht.

Es gilt also: Je früher desto besser, denn das Zeitfenster für den Spracherwerb schließt sich etwa mit Ende des dritten Lebensjahres für immer. Wird das Gehör in diesen ersten Jahren nicht angeregt, werden die Hörregionen im Gehirn anderen Sinnen zugeordnet; dem Sehvermögen etwa. Es ist dann sozusagen kein Platz mehr für das Hören und für unkomplizierten Spracherwerb übrig.

Keine Grenzen im Alter

Altersschwerhörigkeit betrifft etwa die Hälfte aller Über-65-Jährigen und bedeutet für die Betroffen unter anderem soziale Isolation. Auch das Sturz- und Depressionsrisiko ist erhöht, und Studienergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Demenz hin.

Medizinisch gesehen gibt es keine Altersgrenze für das Einsetzen eines Implantats. Ganz im Gegenteil: Studien zeigen, dass ältere Personen von der Implantation profitieren, denn sie hören Sprache besser als zuvor, sind mehr unter Leuten und fühlen sich sicher und selbstbewusst. Voraussetzung für die Implantation ist wie bei jeder Operation ein guter Gesundheitszustand – und dass das Implantat die Schwerhörigkeit aller Voraussicht nach auch ausgleichen können wird.

Experten raten, mit der Implantation nicht zu lange zuzuwarten: Je länger die Hörbeeinträchtigung bereits vorliegt, umso länger dauert es auch, bis Sprache nach dem Eingriff wieder gut verstanden wird.

In jedem Alter wesentlich: Hörtraining

Die Implantation selbst ist ein Routineeingriff und wird in Österreich an allen Universitätskliniken und fast allen Landeskliniken durchgeführt. Sind die medizinischen Voraussetzungen erfüllt, steht der Operation nichts mehr im Weg. Doch damit die neuen Eindrücke danach auch richtig interpretiert werden, empfehlen Experten regelmäßiges Hörtraining. Auf diese Weise kann sich das Gehirn an die Signale des Implantats gewöhnen. Ein Prozess, der immer wichtig ist – egal ob mit drei Jahren oder mit 99.

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