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Frankreich: Apotheken verkaufen HIV-Selbsttest

Frankreich: Apotheken verkaufen HIV-Selbsttest: rotes Aids-Schleiferl
Mit dem Schnelltest reicht ein Tropfen Blut oder ein Abstrich der Mundschleimhaut aus, um Material für die Untersuchung zu sammeln. (Syda Productions - Fotolia.com)

Ärzte testen üblicherweise über einen Bluttest ob eine HIV-Erkrankung vorliegt. Ab 1. Juli 2015 dürfen Apotheken in Frankreich einen Test verkaufen, bei dem Betroffene zu Hause in unter 30 Minuten erfahren, ob sie HIV-positiv sind.

Immer noch ist die Erkrankung HIV/AIDS stigmatisiert, was auch an einem mangelhaften Informationsstand zu Übertragungswegen und betroffenen Gruppen liegt. Das französische Gesundheitsministerium hofft, durch den anonymen Verkauf in Apotheken eine leichtere Zugänglichkeit zu einem HIV-Test zu ermöglichen. Nach einer Risikosituation wie ungeschütztem Geschlechtsverkehr (Oral-, Vaginal- oder Analsex) oder einem geteilten Spritzenbesteck bei Drogenkonsum kann nur ein Test Aufschluss über eine mögliche Übertragung des unheilbaren Virus bringen. Fraglich ist, wie Betroffene mit der Selbstdiagnose ohne professionelle Hilfe umgehen.

Einfacher Test, schnelles Ergebnis

Mit dem Schnelltest reicht ein Tropfen Blut oder ein Abstrich der Mundschleimhaut aus, um Material für die Untersuchung zu sammeln. Schon nach 15 - 30 Minuten liegt ein Ergebnis vor. Ist es positiv, muss es allerdings durch eine ausführliche Laboruntersuchung bestätigt werden, da falsch-positive Resultate selten möglich sind.

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Test senkt Hemmschwelle

Den HIV-Selbsttest gibt es, um die Hemmschwelle zu senken, sich einer Untersuchung zu unterziehen. Oft trauen sich Betroffene nicht, mit ihren Bedenken einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Lassen sich Betroffene jedoch aus Angst nicht testen, kann es zu einer ungewollten Ansteckung anderer kommen, die sich vermieden ließe.

Psychologische Beratung bei positiver Diagnose?

Bisher stand ein Arzt im Falle eines positiven HIV-Testergebnisses für ein Gespräch zu Verfügung. Er konnte Betroffene auch an psychologische Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen weiterverweisen, um mit der Diagnose besser umgehen zu können. Die Lebenserwartung bei HIV/AIDS ist zwar heute dank guter Therapiemöglichkeiten fast genauso hoch wie bei Nicht-Erkrankten. Auf die Lebensqualität und Entfaltungsmöglichkeiten vieler Betroffener wirkt sich die Erkrankung dennoch aus. Der Schnelltest aus der Apotheke inkludiert keine psychologische Beratung, was zu Kritik geführt hat. In Österreich bieten Beratungsstellen, wie die Aids Hilfe Wien, Betroffenen Unterstützung und Betreuung.

Quellen

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