Trennung, Tod und Krisen: Hilfe im Akutfall

Trennungen und andere Krisen treffen uns oft wie ein Schlag. Einfache Regeln helfen in der Anfangszeit durch den Alltag. (Victoria M - Fotolia.com)

Ein plötzlicher Todesfall, der Lebenspartner macht Schluss oder man wird auf einmal gekündigt. Lebenskrisen betreffen viele Bereiche unseres Lebens und schlagen meist plötzlich ohne Vorankündigung zu. Hilfe bietet ein kurzer Leitfaden.

Wenn Sie in einer Krise stecken, dann geht es darum, rasch die wichtigsten Schritte zu setzen, damit die Situation leichter wird. Schnelle Hilfe vor allem in den ersten Stunden, Tagen und Wochen, kann häufig langfristige psychische Probleme mildern. Akute Krisen werden von jedem anders verarbeitet, aber man kann gewisse Grundregeln beachten um auf sich und seine Bedürfnisse nicht zu vergessen. Diese 5 Tipps helfen sofort im Akutfall:

Überblick:

Krisentipp 1: Achten Sie auf die Grundbedürfnisse

Meist ist auch im Ausnahmezustand unser Körper „ funktionsfähig“. So können wir, auch wenn eine Welt über uns zusammenbricht, tägliche Aufgaben „mechanisch“ erledigen. Unser Körper signalisiert seine Bedürfnisse – Hunger, Durst, Schlaf. Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie sich in dieser Situation jedoch nicht mehr selbst versorgen können, dann holen Sie Hilfe. Wenn Sie Ihre Grundbedürfnisse aber noch selbst erfüllen können, dann gilt es diese Schritte zu beachten:

Essen und Trinken: Achten Sie auf die richtige Versorgung Ihres Körpers. Der Hunger ist nicht groß und auch der Durst meldet sich nicht? Egal, denken Sie daran zu essen und zu trinken und sich bewusst zu versorgen. Vielleicht hilft es, den Tag zu gliedern und sich selbst daran zu erinnern etwas zu konsumieren. Achten Sie bei der Ernährung auch darauf, dass Sie jetzt besonders auf jene Gerichte zurückgreifen, die sie gut vertragen.

Schlafen: Im Schlaf verarbeiten wir Erlebtes und tanken neue Energie. Fühlen Sie sich so geschwächt, dass Sie nur noch schlafen möchten, dann geben Sie diesem Bedürfnis bewusst Platz und Zeit! Wenn Sie jedoch gar nicht mehr aus dem Bett kommen, dann suchen Sie sich Hilfe und jemanden, der Sie sprichwörtlich wieder auf die Beine bringt.

Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, weil die Gedanken nur um das krisenhafte Ereignis kreisen, dann brauchen Sie ebenfalls Hilfe. Zur Unterstützung bei Einschlaf- oder Durchschlaf-Störungen gibt es gute pflanzliche Medikamente, die die Situation erleichtern.

Bewegung und frische Luft: Manche Menschen werden überaktiv, wenn es Ihnen schlecht geht. Dann hilft es, diesen Drang bewusst auszuleben. Das kann jede Form von Sport und Bewegung sein, die Ihnen guttut. Nach der körperlichen Belastung findet man eher wieder Ruhe und Konzentration.

Gehören Sie jedoch zu jenen, die sich in Krisenzeiten wie erstarrt fühlen, dann entscheiden Sie sich bewusst dafür, ein paar Schritte zu tun und sich zu bewegen. Es muss auch nicht viel sein, schon eine kleine Runde ändert die Perspektive und das körperliche Wohlbefinden. An die frische Luft zu gehen und ein bisschen die Natur zu betrachten ist heilsam für die Seele und stärkt zudem das Immunsystem. 

In Kontakt bleiben: Eigentlich möchte man nur die Decke über den Kopf ziehen und alleine sein. Man möchte niemanden sehen und auch keinen mit seinen Problemen belasten.Aber viele in Familie und Freunde sehen es als Selbstverständlichkeit Ihnen jetzt zu helfen. Sie spüren selbst wer im Umfeld Verständnis für Sie hat. Bleiben Sie in Kontakt und nehmen Sie Einladungen an.

Krisentipp 2: Auch kleine Tätigkeiten sind wichtig

Im Moment das Nötigste zu schaffen kann bedeuten, trotzdem regelmäßig zur Arbeit zu gehen, Familie und Kinder zu versorgen, Einkäufe zu erledigen, mit dem Hund hinaus zu gehen, die Waschmaschine zu füllen und vieles mehr. Was auch immer in Ihrem alltäglichen Leben das "Nötigste" ist, seien Sie sich bewusst, dass es derzeit eine große Leistung ist, was Sie schaffen. Sie sollen und dürfen sich jetzt auf diese Tätigkeiten reduzieren. Alles andere darf nachrangig sein. Jeden Tag, den Sie geschafft haben, indem Sie das Nötigste getan haben, trägt zu Ihrer Stabilität bei und fördert dabei Schritt für Schritt den Heilungsprozess.

Krisentipp 3: Halten Sie an Alltagsstrukturen fest

Wenn Sie in Ihrer Wahrnehmung derzeit die Dinge wie durch einen Schleier sehen, dann halten Sie sich - wie an einem Geländer -  an kleinen, fixen Strukturen fest. Vielleicht kommt am Sonntag immer die Oma zu Besuch und Sie essen gemeinsam, oder am Donnerstagabend gehen Sie immer zum Yoga. Oder Sie stehen jeden Tag um 7 Uhr auf und geben der Katze etwas zu essen. Wie auch immer sich der Alltag normalerweise gestaltet, es gibt sie, diese kleinen Routinen. Nehmen Sie diese Begebenheiten bewusst wahr und hanteln sich so vorwärts, das schafft Orientierung.

Krisentipp 4: Holen Sie sich Hilfe von außen

Freunde und Familie sind sehr wichtig und können über vieles hinweghelfen. Manchmal aber braucht es einen Profi von außen. Je nachdem was Sie gerade brauchen und in welcher Krise Sie sich befinden, gibt es verschiedene Fachleute. Sie finden im Internet verschiedene Anlaufstellen, z.B. ein Krisentelefon, Frauentelefon, Esstörungs-Hotline, Mobbing-Beratung, Gewalthotline, Suchtberatung etc. Scheuen Sie sich nicht diese Beratungsstellen zu kontaktieren, sie helfen weiter und nehmen Ihre Situation ernst. Ein wichtiger Ansprechpartner ist auch Ihr Hausarzt, er wird Ihnen sicher weitere Spezialisten empfehlen können und Sie auch an Experten aus Psychologie und Psychiatrie in Ihrer Nähe verweisen. Sie können sich auch direkt in die Obhut eines Psychotherapeuten begeben oder eine Selbsthilfegruppe kontaktieren.

Krisentipp 5: Suchen Sie sich Vorbilder

Was auch immer Ihre spezielle Situation im Moment schwer macht, es gibt wahrscheinlich kaum ein Thema, über das man nichts nachlesen kann. Fremdes Wissen und die Erfahrungen anderer, helfen die eigene Situation besser zu verstehen und einzuordnen. Sie merken, dass Sie nicht alleine sind und finden wertvolle Anregungen für die eigene Krisenbewältigung. Es gibt Menschen, die durch die Art und Weise, wie sie selbst ihre Krisen gemeistert haben, zum Vorbild für viele geworden sind. Gehen Sie daher ins Internet, in eine Bücherei oder zum nächsten Buchmarkt und finden Sie so Ihre persönlichen Vorbilder.

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Quellen

  • Edinger, Sabine/Penz, Irene/Ritter-Börner, Friederike: Krisen meistern – Der Leitfaden für ein starkes Danach, maudrich Verlag, Wien, 2016

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