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High-Tech fürs Auge

Mann ist im Hintergrund verschwommen zu sehen, im Vordergrund hält er eine Brille
Verschwommen sehen? Dahinter kann auch eine Netzhauterkrankung stecken. (pix4U - Fotolia.com)

Medikamente statt Operation, ein Netzhautchip, der Blinden hilft - auf dem Augenarztkongress "Advanced Retinal Therapy (ART)" am 29.11. geht es um High-Tech-Innovationen rund um das Sinnesorgan Auge.

Dazu zählen etwa erste Forschungsergebnisse über einen elektronischen Chip, der unter die Augennetzhaut eingesetzt wird und es Blinden ermöglicht, teilweise wieder zu sehen. Dieser Chip übernimmt die Funktion abgestorbener Sehzellen, indem er das einfallende Licht in elektrische Impulse umwandelt und an das Gehirn weiterleitet.

Sehen und Hören sind eng verbunden

Spannend klingt auch eine weitere Erfindung, die die Welt der Sehenden für Blinde wieder ein Stückchen "erfahrbar" macht: ein Gerät für sensorische Substitution (SSD) bestehend aus einer Brille mit integrierter Kamera und einem Wiedergabegerät für Töne. Die Kamera liefert ständig Bilder der Umgebung und wandelt diese in akustische Signale um. Diese Technik vermittelt blinden Personen also eine Art Tonlandschaft; sie können ihre Position in Räumen besser einschätzen oder grobe Gesichtszüge von Gesprächspartnern deuten. Mit diesen Studien konnte auch gezeigt werden, dass jene Teile des Gehirns, die für das Sehen zuständig sind, durch den Gehörsinn angeregt und trainiert werden können.

Wirkstoffe ins Auge verabreichen

Altersbedingt und oft auch aufgrund einer Gefäßbeeinträchtigung (z.B. bei Diabetes) kann es zu einer Erkrankung der Netzhaut kommen (Makuladegeneration/ AMD). Unbehandelt führt sie nahezu zur Erblindung, bei den über 65-Jährigen und bei Diabetikern ist sie die häufigste Ursache dafür, dass die Sehkraft schrittweise abnimmt bzw. es nicht mehr möglich ist, sich ohne fremde Hilfe in ungewohnter Umgebung zu bewegen. In Österreich leben allein etwa 125.000 AMD-Patienten. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind sehr wichtig, um die Entwicklung der Netzhauterkrankung zu dokumentieren. Substanzen, die ins Auge gegeben werden, können den Krankheitsverlauf verlangsamen bzw. stoppen, manchmal ist auch eine Operation nötig.

Doch auch das könnte in vielen Fällen bald der Vergangenheit angehören, durch Medikamente, die direkt in den Glaskörper des Auges verabreicht werden. Univ.-Prof. Michael Georgopoulos von der AKH-Augenklinik verwies auf der Pressekonferenz am 27.11. in Wien auf ersten Erfahrungen bei der "pharmakologischen Vitreolyse", einer Methode, bei der der Druck auf die zentralen Netzhaut gelöst und Netzhautdefekte geschlossen werden können ohne das Auge zu eröffnen.

Computer in der Diagnostik

Voraussetzung für einen Behandlungserfolg ist dabei naturgemäß die richtige Interpretation des Bildbefundes. Hochmoderne Geräte, sogennante OTC-Scanner, ermöglichen es jede Augenzelle plastisch darzustellen. Die Schnittbilder von der Netzhaut bestehen aus Hunderten von Scans und ermöglichen es kleinste Veränderungen der Netzhaut erkennen zu können. Um alle Informationen in den Bildmengen auch nützen zu können, hat die Universitätsaugenklinik Wien große Datenbanken etabliert und computergesteuerte Analyseprogramme, sogenannte Algorithmen, entwickelt, die eine präzise und komplette Auswertung des Krankheitsstadiums für jeden Betroffenen ermöglichen. Es ist geplant, alle niedergelassenen Augenärzte, die ein OCT-Gerät haben, mit entsprechender Software auszustatten.

Quellen

  • Pressegespräch anlässlich des Internationalen Augen-Kongresses "Advanced Retinal Therapy", ART 2014, am 27.11.2014 in Wien

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