Herzkrank: Ohne Bewegung geht es nicht

Wer nicht gerne allein Bewegung macht, sollte sich in der Gruppe dazu motivieren. (Jenny Sturm - Fotolia.com)

Regelmäßige Bewegung kann das Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln, deutlich reduzieren. Auch wer schon herzkrank ist, sollte sich nicht aus Furcht schonen.

Wer ein schwaches Herz hat, fürchtet sich oft vor körperlicher Belastung. Zu Unrecht, meinen Herzspezialisten. Denn moderates Training unter ärztliche Anleitung steigert die Leistungsfähigkeit und stärkt den Herzmuskel.

Warum Training so wichtig ist

"Eine große Studie mit mehr als 21.000 Teilnehmern hat gezeigt, dass bereits mit ein bis drei Trainingseinheiten pro Monat das Risiko, innerhalb der nächsten 25 Jahre an Herzinsuffizienz zu erkranken, um 23 Prozent gesenkt werden kann, mit fünf bis sieben Einheiten pro Woche bereits um 36 Prozent, erklärt OA Priv.-Doz. Dr. Deddo Mörtl (Universitätsklinikum St. Pölten), Leiter der AG Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

Am wirkungsvollsten, so die Experten-Empfehlungen, beugt vor, wer 150 Minuten pro Woche mit mittlerer Intensität trainiert, wie sie etwa beim Nordic Walking, Radfahren, Tanzen oder der Gartenarbeit nötig ist. Alternativ kann mit dem gleichen Effekt auch wöchentlich 75 Minuten mit höherer Intensität wie beim Fußball spielen, Rennrad fahren oder Laufen trainiert werden. Idealerweise sollte jede Einheit mindestens zehn Minuten dauern und die Aktivitäten auf möglichst viele Tage der Woche verteilt werden.

Auch bei Herzschwäche aktiv bleiben

Dass auch Patienten, die bereits an Herzinsuffizienz leiden, regelmäßig trainieren sollten, ist eine relativ junge Einsicht. "Bis vor einigen Jahren war die einhellige Meinung, dass ein geschädigtes Herz Ruhe braucht. Körperliche Anstrengungen waren tabu“, berichtet Prim. Priv.-Doz. Dr. Johann Altenberger, Leiter der Sonderkrankenanstalt Rehabilitationszentrum Großgmain für Herz-Kreislauf- und neurologische Erkrankungen. "Inzwischen haben aber zahlreiche Studien gezeigt, dass das falsch war. Gerade Patienten mit geschwächten Herzmuskeln profitieren von dosiertem Ausdauer- und moderatem Krafttraining enorm."

Blutgefäße erweitern sich

Regelmäßiges Spazierengehen, Wandern, Walking oder Radfahren stärkt den Herzmuskel und führt zu einer Senkung des Ruhepulses. Schon dadurch wird das Herz entlastet. Zudem führt die körperliche Aktivität zu einer Erweiterung der Blutgefäße und einem geringeren Gefäßwiderstand, das entlastet das Herz zusätzlich. "Der Haupteffekt", erklärt Prim. Altenberger, "entsteht allerdings durch die Stärkung der Skelettmuskulatur. Aktive Muskeln nehmen Sauerstoff besser auf, können Nährstoffe besser verarbeiten und ersparen dem Herzen so belastende Mehrarbeit".
 
In allen Studien zeigte sich, dass maßgeschneidertes Training nicht nur kein zusätzliches Risiko bringt, sondern ganz im Gegenteil zu einer Verringerung weiterer Komplikationen und Krankenhausaufenthalte führt. Lediglich Patienten mit einer sehr schwer ausgeprägten Herzschwäche sollten körperliches Training erst nach entsprechender Stabilisierung durchführen.

Quellen

  • Pressekonferenz "Europäischer Tag der Herzinsuffizienz. Gesunde und kranke Herzen in Bewegung"

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