Wie Herz und Psyche zusammenhängen

Wie Herz und Psyche zusammenhängen: Herz in Himmel
Je nach Persönlichkeit können sich Spannungen, Überforderung oder seelische Probleme auf das Herz auswirken. (ra2 studio - Fotolia.com)
Menschen, die sich alles "zu Herzen nehmen", laufen tatsächlich Gefahr, herzkrank zu werden. Stress, Angst oder Depressionen stecken bei gut einem Drittel aller Herzpatienten hinter ihrer Erkrankung.

Trotz seiner unermüdlichen Leistungsbereitschaft ist das Herz auch irgendwann einmal erschöpft. Ungesunder Lebensstil beinhaltet aber nicht nur hohen Blutdruck, zu fette Ernährung, zu wenig Bewegung, sondern auch den Umstand, wenn Menschen "etwas zu Herzen geht". So etwa steuert gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) das Herz auch unseren Geist und Willen und ist für viele unserer Lebensaktivitäten verantwortlich. So etwa für die Funktion unserer Organe, unsere Körperhaltung und sogar für unseren Gesichtsausdruck.

Seelische Probleme machen herzkrank

Viele kennen das Gefühl, wenn die Hormone aktiv werden, das "Herz in die Hose" fällt: Der Adrenalinspiegel steigt, der Nacken versteift sich, es kommt zu Unruhe, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, unregelmäßigem Puls. Bleibt dieser Zustand dauerhaft erhalten, z.B. infolge starker seelischer Belastungen (Trauer, Zorn, Unzufriedenheit, Stress am Arbeitsplatz), kann aus einer ursprünglich vorübergehenden Anspannung eine chronische Belastung werden, die "zu Herzen" geht.

Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, wie Übergewicht, Bluthochdruck oder ein zu hoher Cholesterinspiegel, kann die Dauerbelastung zum Herzinfarkt führen. So etwa leigen Hypertoniker häufig an Aggressionen, Zornausbrüchen, die durch den Adrenalinstoß in Stresssituationen noch hochgespielt werden. Schlechte Schlafqualität, Schwindel oder Konzentrationsstörungen sind weitere Begleiterscheinungen, die das Leben nicht gerade erleichtern und das Herz gefährden.

Je nach Persönlichkeit können sich Spannungen, Überforderung oder seelische Probleme ebenfalls aufs Herz auswirken. Vor allem Frauen neigen eher dazu, Gefühle zu unterdrücken, leiden sie ohnedies schon an niedrigem Blutdruck, können depressive Verstimmungen einhergehen. Abgeschlagenheit, Dauermüdigkeit und Lustlosigkeit sind die Folgen. Umgekehrt können jedoch freilich auch Depressionen oder Ängste aufgrund einer Herzerkrankung entstehen.

Schwierige Diagnose

Für Mediziner ist es oft schwierig, hier eine genaue Diagnose zu stellen, denn eine Herzrhythmusstörung wird nicht zwangsläufig mit einer Depression in Verbindung gebracht. Oft sind es versteckte Ängste oder Konflikte mit der Umwelt, finanzielle Sorgen oder Überlastung, die - sind sie eine dauerhafte Belastung - zu einer Herzerkrankung führen können.

Aber auch das Unvermögen, sich selbst aus einer Stressspirale zu befreien und offen mit dem Arzt des Vertrauens darüber zu sprechen, kann eine Herzerkrankung fördern. Wichtig ist es daher, das Herz in seiner Ganzheit und nicht als ständig funktionierenden Hochleistungsmotor zu sehen. Denn selbst ein solcher bedarf einer regelmäßigen Pflege, Wartung und Achtsamkeit, um nicht vorzeitig zu verschleißen

Broken-Heart-Syndrom

Dass sich psychische Belastungen, Trauer, Trennung oder Tod auf das Herz auswirken können, haben japanische Forscher bereits in den 1990er-Jahren bestätigt. Sie gaben dem Symptom den Namen Tako-Tsubo-Kardiomyopathie.

Ursache für dieses "Broken-Heart-Syndrom" sind Stresshormone, die bei seelischen Belastungen ausgeschüttet werden. Der Körper schützt sich vor weiteren (seelischen) Verletzungen, indem er die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol ausschüttet. Das ist im Prinzip eine gute Verteidigungsstrategie, wenn es um kurze Stressbelastungen geht. Im Laufe der Evolution hat sich der "Fight or Flight"- Mechanismus entwickelt, der einen Menschen in einer Stresssituation schützt. Während er früher von wilden Tieren bedroht wurde und sich in Zehntelsekunden für "Kampf oder Flucht" entscheiden musste, sind es heute andere Stressoren, wie Traurigkeit, Überlastung, Konflikte mit Nahestehenden oder Tod von Familienangehörigen, die diese Stresshormone ebenfalls mobilisieren.

Doch im Gegensatz zur ursprünglichen Idee, nämlich dem Menschen kurzfristig Energiereserven zur Verfügung zu stellen und danach die Hormonkaskaden wieder zu stoppen, bleibt bei vielen Zeitgenossen, denen etwas "zu Herzen geht", die Hormonausschüttung über Tage oder Wochen aktiv. Das schlägt sich auf das Herz. Wissenschafter haben eine Erklärung dafür: In den Herzmuskelzellen ist auch Kalzium eingelagert, das bei kontinuierlicher Noradrenalin- und Adrenalinausschüttung aktiviert wird, in die Flüssigkeit der Zellen gelangt und als Kalziumionen die Muskeln dazu veranlasst, sich zusammenzuziehen und sich zu verkrampfen. Das Herz schlägt also langsamer, das zeigt sich meist sehr deutlich an der linken Seite des Herzens, die schwächer pumpt. Dabei treten ähnliche Symptome wie bei einem Herzinfarkt auf: Betroffene haben Atemnot, Ängste und Beklemmungsgefühle in der Brust. Auch im EKG, Ultraschall oder durch Herzkatheter lässt sich die Erkrankung darstellen, allerdings ist – im Gegensatz zu einem typischen Infarkt - beim Broken-Heart-Syndrom die linke Herzspitze erweitert, der Herzmuskel ist jedoch insgesamt gesund.

Kommt es zu einem solchen Vorfall, muss der Betroffene wie ein Herzinfarkt-Patient behandelt werden, andernfalls können sich daraus bleibende Herzrhythmusstörungen entwickeln. Spezielle Medikamente, Ruhe und ein paar Tage in der Klinik - meist sind die Beschwerden nach wenigen Stunden vorbei und das Herz arbeitet wieder völlig normal.

Hat der Kardiologe "grünes Licht" gegeben, d.h. liegt keine organische Ursache der Erkrankung vor, sollten jedoch weitere psychologische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursachen des "gebrochenen Herzens" zu finden. Dies können z.B. Depressionen sein, die medikamentös behandelt werden können. Auch eine Psychotherapie hilft, um sich von der seelischen Last zu befreien. Und freilich stehen sicher gute Freunde oder die Familie zur Seite, um sich die Sorgen "vom Herzen" zu reden.

Wenn Sie sich bewusst machen, dass Ihnen viele Dinge sehr "zu Herzen" gehen, können Sie aber auch andere Techniken ausprobieren, um Gelassenheit und Stabilität wiederzufinden, wie z.B.

  • Entspannungstechniken (Meditation, Autogenes Training, Qi Gong)
  • Soziale Kontakte pflegen (gute Gespräche, Trost und Rat in Krisenfällen)
  • Hobbys pflegen (schöne Musik hören, lesen, Kunst)
  • Sport (ausgedehnte Spaziergänge machen den Kopf frei, Laufen befreit von grauen Gedanken und Depressionen)
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

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