8 Fragen zur Herbst- und Winterdepression

Lichtmangel kann depressive Verstimmungen auslösen. (detailblick-foto - Fotolia.com)

Treten Energielosigkeit und Depressionen wiederkehrend in der dunklen Jahreszeit auf, spricht man von einer Herbst- und Winterdepression. Was sollten Sie dazu wissen?  

Der Rhythmus der Jahreszeiten beeinflusst unsere Gefühle und unser Verhalten. Bei manchen Menschen lösen diese jahreszeitlichen Veränderungen extreme Stimmungs- und Energieschwankungen aus. Die Herbst- und Winterdepression tritt wiederkehrend zur selben Zeit auf. Sie zählt zu den saisonal auftretenden Störungen des Gefühlslebens und wird daher auch als saisonal abhängige Depression bezeichnet. Wie macht sich eine Herbst- und Winterdepression bemerkbar und welche Behandlungsmethoden gibt es?     

Überblick 

1.  Frage: Was versteht man unter einer Herbst- und Winterdepression?

Die Herbst- und Winterdepression ist eine Unterform der depressiven Erkrankung. Sie tritt in regelmäßigen Abständen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr auf. Daher auch die Bezeichnung „saisonal abhängige Depression (SAD)“. Der „Herbst-Blues“, der sich durch schlechte Laune und Lustlosigkeit bemerkbar macht gehört zu den milden Verlaufsformen. In der medizinischen Fachsprache wird er als subsyndromale SAD (s-SAD) bezeichnet.   

2. Frage: Welche Anzeichen lassen auf eine Herbst- und Winterdepression schließen? 

 

Die Winterdepression hat unterschiedliche Gesichter. Manche Betroffene bemerken lediglich ein undefinierbares Unwohlsein oder eine leicht gedämpfte Stimmung, bei anderen können Anzeichen einer ausgewachsenen Depression vorhanden sein. 

Symptome auf seelischer Ebene

Symptome auf körperlicher Ebene

Anhaltende, depressive Verstimmungen, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste

Gleichgültigkeit

Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und Desinteresse an Hobbys

Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche und Denkhemmungen

Minderwertigkeitsgefühle und soziale Dissoziation

Schlafstörungen (insbesondere frühmorgendliches Erwachen)

Müdigkeit und gesteigertes Schlafbedürfnis

Vermehrter Appetit, speziell auf kohlenhydratreiche Lebensmittel

Meist Gewichtszunahme

Kopf- und Rückenschmerzen

Schwindel und Herzbeschwerden

 

3. Frage: Warum tritt die Herbst- und Winterdepression in der dunklen Jahreszeit auf? 

Der Mangel an natürlichem Tageslicht sowie die verminderte Lichtintensität im Herbst und Winter gelten als Hauptursache für die saisonal abhängige Depression. Melatonin ist ein Hormon das den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers beeinflusst. Das Hormon wird nur bei Dunkelheit produziert. Die Blutkonzentration von Melatonin ist nachts wesentlich höher als untertags. Durch die lichtarme Zeit in den Herbst- und Wintermonaten bleibt der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht. Dies erklärt auch das vermehrte Schlafbedürfnis bei einer Herbst- und Winterdepression. Ein hoher Melatoninspiegel geht wiederum mit einem niedrigen Serotoninspiegel einher. Für die Produktion von Melatonin wandelt der Körper Serotonin um. Mangelt es uns an diesem „Gute Laune-Hormon“, sinkt auch die Stimmung.   

4. Frage: Wodurch unterscheidet sich die Herbst- und Winterdepression von einer herkömmlichen Depression?

Die Symptome einer Saisonal Abhängigen Depression sind denen einer herkömmlichen Depression sehr ähnlich. Allen Betroffenen sind eine grundlose Niedergeschlagenheit sowie eine Antriebs- und Energielosigkeit gemein. Unterschiede zeigen sich vor allem im Ess- und Schlafverhalten. Bei der Winterdepression entwickeln die Betroffenen oft einen Heißhunger auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Süßigkeiten. In Folge kommt es bei manchen zur Gewichtzunahme. Im Gegensatz dazu äußert sich die normale Depression durch Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme. Menschen mit saisonal abhängiger Depression verspüren zudem ein deutlich erhöhtes Schlafbedürfnis. Der Schlaf an sich wird jedoch nicht als erholsam empfunden. 

5. Frage: Wie zeigt sich die Herbst- und Winterdepression bei Kindern und Jugendlichen?  

Ein Teil der Symptome entspricht dem Verhalten das man bei pubertierenden Jugendlichen typischerweise erwartet. Das können unter anderem Lustlosigkeit, Heißhunger auf Süßigkeiten oder Fastfood, Reizbarkeit und fehlende Motivation sein. Das erschwert das Erkennen. Ein Warnsignal könnte sein, dass Ihr Kind diese Anzeichen jedes Jahr zur selben Zeit, nämlich im Herbst und Winter zeigt. Neben den genannten Symptomen lassen manchmal auch vage körperliche Anzeichen wie Bauch- oder Kopfschmerzen auf eine Herbst- und Winterdepression schließen.  

6. Frage: Wie wird eine Herbst- und Winterdepression diagnostiziert?

Das wichtigste Diagnosekriterium ist der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Symptomatik und der Jahreszeit. Wenn die klassischen Anzeichen an mindestens 2 aufeinanderfolgenden Jahren zur Herbst- oder Winterzeit auftreten, liegt wahrscheinlich eine saisonal abhängige Depression vor. Wichtig: Lassen Sie die Ursache für Ihre Beschwerden ärztlich abklären. Körperliche Erkrankungen wie zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktionen oder Blutarmut gehen oft mit ähnlichen Symptomen einher. 

7. Frage: Herbst- und Winterdepression – wie kann die Lichttherapie helfen?

Durch das fehlende Tageslicht verschiebt sich der Tag-Nacht-Rhythmus (Zirkadianrhythmus). Es kommt zu einem hormonellen Ungleichgewicht, das mit Müdigkeit und depressiven Verstimmungen einhergeht. Bei der Behandlung der Herbst- und Winterdepression gilt es, das fehlende Licht zu ersetzen. Dabei kommen Lampen mit einer sehr starken Lichtleistung zum Einsatz. Die meisten Lichtboxen wirken mit 10.000 Lux auf das Auge ein.

Zum Vergleich: Ein heller Sommertag hat ca. 100.000 Lux, ein trüber immerhin noch ca. 20.000 Lux. Die durchschnittliche Beleuchtung in Büroräumen beträgt jedoch nur zwischen 250 bis 700 Lux.

Im Normalfall beginnt man mit die Lichtherapie mit einer Sitzungsdauer von 15 – 30 Minuten. Umfang und Frequenz können allmählich gesteigert werden. Eine Besserung tritt meist erst nach ein paar Tagen ein. An der positiven, stimmungsaufhellenden Reaktion ist die gesamte Netzhaut des Auges beteiligt. Sie weist an den Rändern viele Sinneszellen aufweist, die das Licht einfangen.

8. Frage: Herbst- und Winterdepression – was können Sie selbst tun? 

Mehr Licht!

Bringen Sie auch im Alltag mehr Licht in Ihr Leben. Zusätzliche Decken- und Stehlampen sorgen in den Innenräumlichkeiten für eine hellere Beleuchtung und schaffen zugleich eine Wohlfühlatmosphäre.

Bewegung im Freien

Auch sportliche Aktivitäten bewähren sich im Kampf gegen dunkle Gedanken. Insbesondere in Verbindung mit einer Lichtexposition. Heißt also: Vor allem Ausdauersport im Freien fördert die Ausschüttung von stimmungsaufhellenden Endorphinen. 

Glücklich essen

Achten Sie darüber hinaus auf eine ausgewogene Ernährung. Bestimmte Nahrungsinhaltstoffe wie zum Beispiel der Eiweißbaustein Tryptophan oder auch die Aminosäure Tyrosin kurbeln die körpereigene Serotoninproduktion an. Serotonin ist auch als „Gute Laune Hormon“ bekannt.

Johanniskraut 

Auch Johanniskraut wirkt gut bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass die stimmungsaufhellende Wirkung bei einer täglichen Einnahmedosis von 900 Milligramm üblicher Weise erst nach der 2. Einnahmewoche eintritt. 

Medikamente

Sind diese Maßnahmen nicht ausreichend, entscheidet der Arzt über die Notwendigkeit einer ergänzenden Psychopharmakatherapie, bzw. Psychotherapie.

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Quellen

  • Lichttherapie - das Programm gegen Herbst- und Winterdepression, Kasper S, Kneipp Verlag, 2010
  • Jahreszeitbedingte Depressionen. In: Hausarzt, 10 / 2016, S. 6

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